Die zunehmenden Risiken der (nahen) Zukunft

23.5.2019 – Ein neuer Bericht aus dem Hause Swiss Re hat wieder nach künftigen Risiken Ausschau gehalten. Die bedeutsamsten haben mit dem Aufeinandertreffen von neuen Technologien und alter Infrastruktur, mit Bedenken gegen die 5G-Technologie, mit der Geldpolitik und mit den vielfältigen Konsequenzen des Klimawandels zu tun.

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Das Swiss Re Institute hat am Mittwoch seinen diesjährigen Bericht „New emerging risk insights“ veröffentlicht. Er identifiziert 16 Risiken, die sich in naher Zukunft verändern oder neu entstehen könnten. Dabei geht es um Risiken, die „schwer zu quantifizieren sind und erhebliche Auswirkungen auf die Branche und Gesellschaft haben“.

Die identifizierten Risiken seien relevant für Bereiche der Lebens- und Nichtlebensversicherung, die Vermögensverwaltung sowie für das operative Geschäft und die Bedingungen auf dem Versicherungsmarkt, stellt die Forschungseinrichtung des Rückversicherers Swiss Re fest.

Orientierung für mögliche Szenarien

„Sie werden beleuchtet, um Versicherungs-Unternehmen zu helfen, sich auf neue Szenarien einzustellen, indem sie ihre Vorgehensweisen, ihr Marktverhalten und ihre Produktportefeuilles anpassen“, erklärt das Institut.

Wie gewohnt, sortiert der Bericht die Risiken an Hand zweier Kriterien. Einerseits werden sie nach dem Zeithorizont – entweder bis zu drei Jahre oder längerfristig – eingeteilt, zum anderen nach dem Grad ihrer Auswirkungen: hoch, mittel, niedrig.

Fünf Risiken schreiben die Autoren einen potenziell hohen Einfluss auf die Branche zu.

Neue Technologien treffen auf alte Infrastruktur

Unter den kurzfristigen Risiken ist das Aufeinandertreffen neuer Technologien und alter Infrastruktur. „Die Hardware in Bereichen mit kritischer Infrastruktur, wie intelligenten Stromnetzen oder -leitungen und Krankenhäusern, ist oft veraltet“, lautet der Befund des Swiss Re Instituts.

Versicherer sähen sich deshalb mit einer „höheren Risikokumulation und unerwartetem Verlustpotenzial in den Bereichen Sachschäden, Personenschäden, Betriebsunterbrechung und Cyberrisiken“ konfrontiert.

Verbreitung von Gentests

Zum anderen reiht das Institut eine „zunehmende Verbreitung von Gentests“ in diese Kategorie ein. Diese seien in den vergangenen Jahren signifikant kostengünstiger und in Form von „Direct-to-Consumer-Testsets“ auch für Privatpersonen verfügbar und erschwinglich geworden.

Die allgemeine Akzeptanz solcher Tests habe signifikante Auswirkungen auf die Lebensversicherer, „sowohl in Bezug auf das Datenmanagement als auch auf die aufsichtsrechtlichen Vorschriften“.

Bedenken gegen 5G

Bild: Swiss Re Institute
Bild: Swiss Re Institute

Zu den drei langfristig besonders bedeutsamen Risiken zählt der Bericht die Ausweitung der 5G-Technologie, des Nachfolgers des 4G-LTE-Standards.

Diese Technologie ermögliche eine drahtlose Verbindung in Echtzeit für jedes Gerät des „Internets der Dinge“. Anwendungsbeispiele: autonome Autos oder sensorgesteuerte Fabriken.

Allerdings: „Die bereits vorhandenen Bedenken hinsichtlich möglicher negativer gesundheitlicher Auswirkungen elektromagnetischer Felder werden wohl zunehmen.“

Darüber hinaus könnten auch Hacker die Geschwindigkeit und das Volumen von 5G nutzen, um schneller mehr Daten zu erfassen oder zu stehlen. „Die größten Bedenken bestehen in Bezug auf mögliche Datenschutz- und Sicherheitsverletzungen sowie Spionage.“

Fiskal- und Geldpolitik – und ihre Grenzen

Das zweite Langfristrisiko mit potenziell tiefgreifenden Folgen fußt auf der Annahme, dass die Interventions-Möglichkeiten der Zentralbank „an ihre Grenzen stoßen“.

Es bestehe „wachsender Konsens“ darüber, dass ein weiterer Konjunkturabschwung eine fiskalpolitische Reaktion erfordere. Die (Rück-)Versicherungsbranche, so das Swiss Re Institute, könnte davon profitieren, wenn Änderungen in der Politik Wachstum und finanzielle Stabilität bringen.

„Ein Anstieg der Unsicherheit und eine daraus resultierende höhere Volatilität der Finanzmärkte sowie ein Rückgang der Bewertungen von Vermögenswerten stellen allerdings potenzielle Risikofaktoren dar.“

Die vielfältigen Risiken in Folge des Klimawandels

Nicht zuletzt führt der Bericht den Klimawandel als vordringliches Risiko an. Die größten durch ihn verursachten Gefahren für die menschliche Gesundheit stammten von Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürre, Bränden und durch Vektoren übertragene Krankheiten.

„Millionen von Menschenleben und Gesundheits-Dienstleistungen könnten davon betroffen sein. Ohne Maßnahmen besteht das Risiko, dass Sterblichkeitsraten und Gesundheitskosten in die Höhe schnellen könnten, mit erheblichen Auswirkungen auf die Kranken-, Arbeiterunfall- und Lebensversicherung.“

Mögliche „Emerging Risks“ und ihre potenziellen kurz- und langfristigen Auswirkungen

Zeit-horizont

Potenzielle Auswirkungen

hoch

mittel

niedrig

0 bis 3 Jahre

Neue Technologien treffen auf veraltete Infrastruktur, mit der Konsequenz einer erhöhten Risikokumulation, besonders in kritischen Bereichen (Stromnetz, Spitäler et cetera).

Zunehmende Verbreitung von Gentests, mit Folgen im Hinblick auf regulatorische Vorschriften, aber auch negative Risikoselektion.

Regulierung neuer Technologien: Exzessive, international fragmentierte Regelungen, etwa zum Datenschutz, könnten sich Kosten und Compliance-Risiken erhöhen und den Fortschritt bremsen.

Impfbemühungen unter Druck: Mängel an Impfstoff und Ablehnung von Impfungen könnten die Verbreitung von Krankheiten fördern.

Internationale Handelsregeln in Frage gestellt: Risiko geringerer Rechtssicherheit für Unternehmen und einer Position zwischen unterschiedlichen Machtsphären.

Bedrohte Wälder: Durch Abholzung drohen wichtige natürliche Ressourcen zu verschwinden, sie fördert auch den Klimawandel.

Künstliche Intelligenz in der Medizin: Vorschnelle Anwendung, bevor offene Fragen geklärt sind, könnte mehr schaden als nützen.

Omnipräsenz chemischer Substanzen im Kontakt mit Alltagsprodukten: Mehr Transparenz in der Rechtslage könnte für mehr Sicherheit sorgen; zugleich könnte es dadurch zu mehr Haftungsfällen kommen.

Urbanisierung: Das Anwachsen der Städte führt zu Risikoakkumulierung und zu einem Auseinanderdriften von Stadt und Land.

mehr als 3 Jahre

Ausweitung der 5G-Technologie: Zunahme der Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher, Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.

Fiskal- und Geldpolitik am Limit: Eine höhere Volatilität der Finanzmärkte und ein Rückgang der Bewertungen von Vermögenswerten als potenzielle Risikofaktoren.

Klimawandel: Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürre, Brände und Infektionskrankheiten – höhere Sterblichkeitsraten und Gesundheitskosten.

Nachfrage nach Deckung: Versicherungsnachfrage verschiebt sich nach Osten (Asien), allerdings bei dort fraglichem Wachstum und im Westen offenen Deckungslücken.

Know-how in Rente: Babyboomer gehen in den Ruhestand, Fachwissen kommt so abhanden – Haftungsfragen könnten dadurch häufiger schlagend werden.

Kopfverletzungen im Sport: Zunehmendes Bewusstsein um die (Langzeit-)Folgen von Gehirnerschütterungen und ähnlichen Kopfverletzungen dürften den Bedarf an Versicherungen erhöhen.

Mehr kosmetische Operationen im Ausland: Ein fehlender kohärenter regulatorischer Rahmens, möglicherweise niedrige medizinische Standards und sprachliche Missverständnisse könnten in Streitfällen resultieren.



Zum Herunterladen

Die aktuellen Ergebnisse unterscheiden sich deutlich von denen des Vorjahres (VersicherungsJournal 1.6.2018).

Der „Sonar“-Report „New emerging risk insights“, Mai 2019 (englisch) kann von einer gesonderten Webseite der Swiss Re heruntergeladen werden.

 
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