Die (un)profitabelsten Rechtsschutzversicherer

13.11.2018 – Nach drei Jahren ohne Gewinn haben die Rechtsschutzanbieter 2017 die Verlustzone verlassen. Allerdings gab immer noch mehr als jede fünfte der 28 größten Gesellschaften mehr für Schäden und Kosten aus als an Beiträgen eingenommen wurde. Wer am besten abschnitt. (Bild: Wichert)

WERBUNG

Die Ertragslage für die deutschen Rechtsschutzversicherer hat sich 2017 wieder verbessert. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (nach Abwicklung; in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen) ist um 2,4 Prozentpunkte auf 97,8 Prozent gesunken.

Dies ist dem „Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2018“ vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zu entnehmen. Nach drei Jahren ist die Branche damit in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Branche (Bild: Wichert)

Nur noch sechs Gesellschaften mit Verlusten

Auf Ebene der einzelnen Gesellschaften betrachtet, hat sich die Zahl der Anbieter mit einer kombinierten Schaden-Kosten-Quote von unter 100 Prozent von 14 im Jahr zuvor (VersicherungsJournal 1.12.2017) auf 22 deutlich erhöht.

Dies zeigt der „Branchenmonitor: Rechtsschutz-Versicherung 2015-2017“ von der V.E.R.S. Leipzig GmbH und der Yougov Deutschland GmbH. In diesem werden zahlreiche Kennzahlen der 28 größten Rechtsschutzversicherer mit rund 95 Prozent Marktanteil dargestellt.

Ideal mit der höchsten Combined Ratio

Die mit Abstand höchste Combined Ratio hatte die Ideal Versicherung AG mit über 200 Prozent zu verzeichnen. Damit ging die Quote bei den Berlinern wieder um über zehn Prozentpunkte nach oben. Im Vorjahr hatte es noch eine Verbesserung um rund 20 Prozentpunkte gegeben (VersicherungsJournal 27.7.2017).

In der Rechtsschutz-Versicherung war laut Geschäftsbericht 2017 (PDF, 2,1 MB) „wie im Vorjahr durch eine deutliche Zuführung zur Rückstellung für unbekannte Spätschäden ein negativer Ergebnisbeitrag zu verzeichnen“. Diese Sparte belaste weiterhin aufgrund noch nicht geschlossener Altschäden.

„Vor diesem Hintergrund wurden weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Schadensituation eingeleitet, so dass unter anderem in 2017 eine neue Tarifgeneration eingeführt wurde und die Sanierung untertarifierter Verträge alter Tarifgenerationen zum 1. März 2018 fortgesetzt wird“, wird im Geschäftsbericht weiter ausgeführt.

Die Ideal geht davon aus, „dass die Effekte der eingeleiteten Maßnahmen bereits im kommenden Geschäftsjahr spürbar werden und sich damit die Schadensituation in der Sparte Rechtsschutz sukzessive verbessert“, heißt es im Risikobericht.

Höchste Combined Ratio (Bild: Wichert)

Weitere Anbieter mit hohen Quoten

Vergleichsweise hohe Werte werden darüber hinaus für die Huk24 AG mit fast 120 Prozent und die Neue Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft AG (NRV) mit knapp 114 Prozent ausgewiesen.

Der Huk24 gelang dabei eine Verbesserung um über 13 Prozentpunkte. Dies wird im Geschäftsbericht 2017 (PDF, 753 KB) auf einen „Rückgang von Schadendurchschnitt und Schadenhäufigkeit“ zurückgeführt. Da der Schwankungsrückstellung 0,8 Millionen Euro zugeführt wurden, schloss die Sparte mit einem Verlust von 4,1 (2016: 3,8) Millionen Euro.

Bei der NRV gingen die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle laut Geschäftsbericht 2017 (PDF, 190 KB) nur minimal von 55,3 auf 55,2 Millionen Euro zurück. Auf der anderen Seite verminderten sich die gebuchten Bruttobeiträge aber von 98,3 auf 96,8 Millionen Euro.

Zudem hat die Gesellschaft die „Schadenrückstellungen, insbesondere im Geschäftsfeld Industrie-Rechtsschutz sowie im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten mit Automobilherstellern in Bezug auf erhöhte Emissionswerte, deutlich erhöht“. Die versicherungs-technischen Bruttorückstellungen betrugen Ende 2017 knapp 140 Millionen Euro (plus über ein Achtel).

Die profitabelsten Rechtsschutz-Versicherer

Die niedrigste Combined Ratio hatte 2017 laut dem Branchenmonitor die Itzehoer Versicherung/Brandgilde von 1691 VVaG mit 76,2 Prozent zu verzeichnen. Im Jahr zuvor hatte die Gesellschaft noch bei über 113 Prozent gelegen.

Die Verbesserung ist laut Geschäftsbericht 2017 (PDF, 360 KB) unter anderem auf eine Steigerung der Bruttobeiträge (plus neun Prozent auf 9,4 Millionen Euro) bei gleichzeitigem Rückgang der Bruttoaufwendungen für Schadenfälle (minus 60 Prozent auf 4,1 Millionen Euro) zurückzuführen. Ursache hierfür war auch ein Abwicklungsergebnis von 3,2 (2016: 1,7) Millionen Euro.

Niedrigste Combined Ration (Bild: Wichert)

Knapp hinter der Itzehoer folgen die Mecklenburgische Versicherung a.G. und die Bruderhilfe Sachversicherung AG im Raum der Kirchen mit kombinierten Schaden-Kosten-Quoten von unter 80 Prozent.

Vergleichsweise niedrige Werte zwischen gut 81 und gut 89 Prozent werden auch für die VGH Landschaftliche Brandkasse, die Huk-Coburg Rechtsschutz-Versicherung AG, die Allianz Versicherungs-AG und die R+V Allgemeine Versicherung AG ausgewiesen. Die sechs letztgenannten Anbieter hatten auch 2016 zu den profitabelsten Rechtsschutz-Versicherern gehört.

Weitere Studiendetails

Der „Branchenmonitor 2015-2017: Rechtsschutz-Versicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig Rechtsschutz sowie Daten zur Bestandskundenanalyse.

Die rund 70-seitige Studie kann als PDF-Version für 493,85 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

 
WERBUNG
WERBUNG
Die Alternative zum Premium-Abonnement

Möchten Sie Artikel ohne Registrierung abrufen, so können Sie jeden Text über GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH einzeln für einen geringen Stückpreis erhalten. Direkt auf diesen Artikel bei Genios gelangen Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
13.3.2018 – Zum Teil immense Marktanteils-Verschiebungen hat es zwischen 2014 und 2016 im Versicherungszweig Rechtsschutz gegeben. Wer die größten Einbußen zu verzeichnen hatte und wer am stärksten zulegen konnte. (Bild: Wichert) mehr ...
 
1.12.2017 – Auch im vergangenen Jahr ist den Rechtsschutz-Anbietern nicht die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen. Die Hälfte der 28 größten Gesellschaften gab mehr für Schäden und Kosten aus als an Beiträgen eingenommen wurde. Wer am besten abschnitt. (Bild: Wichert) mehr ...
 
11.1.2017 – Den Rechtsschutz-Anbietern gelang 2015 nicht die Rückkehr in die Gewinnzone. Über die Hälfte der 28 größten Gesellschaften gab mehr für Schäden und Kosten aus als an Beiträgen eingenommen wurden. Wer am besten abschnitt. (Bild: Wichert) mehr ...
 
13.12.2018 – Welche Anbieter beim Vertrags- und Prämienbestand in der Sparte auf dem deutschen Markt die größte Bedeutung haben, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Aus dieser lässt sich auch entnehmen, wie (un)profitabel die Branchengrößen im Marktvergleich abschneiden. (Bild: Wichert) mehr ...
 
7.11.2018 – In der Hausratversicherung schrieben die Anbieter auch im vergangenen Jahr wieder satte Gewinne von bis zu gut 50 Cent pro Beitragseuro. Wer zu den Spitzenreitern gehört und wer nur knapp an der Verlustzone vorbeischrammte. (Bild: Wichert) mehr ...
 
30.10.2018 – Die Sparte blieb 2017 zum zweiten Mal in Folge in der Gewinnzone. Dennoch schreiben immer noch etwa 40 Prozent der 50 größten Anbieter zum Teil tiefrote Zahlen, wie eine aktuelle Studie zeigt. (Bild: Wichert) mehr ...
WERBUNG