Der Riester-Vorsorge geht immer mehr die Luft aus

12.10.2018 – Zwischen April und Juli hat sich der Netto-Bestand an Riester-Verträgen zum zweiten Mal in Folge vermindert. Nach der aktuellen Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) betrug das Minus 14.000 Kontrakte. In den ersten sechs Monaten ging der Bestand um über 20.000 Verträge zurück. Nennenswerte Zuwächse gab es im zweiten Quartal allein bei den Eigenheimrenten. Klar im Minus waren die versicherungsförmige Variante sowie Banksparpläne. Minimal zugelegt haben die Riester-Fondssparpläne.

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Die Zahl der Riester-Verträge ist zwischen April und Juni netto – also unter Einberechnung der Kündigungen und Vertragsabgänge – um 14.000 auf 16,57 Millionen gesunken.

Das zeigt die jetzt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichte, amtliche Riester-Statistik (Stand: 10. Oktober 2018). Ruhend gestellte Kontrakte werden vom Ministerium nicht zahlenmäßig ausgewiesen, sondern unverändert auf einen Anteil von „gut einem Fünftel“ geschätzt.

Damit hat sich der negative Trend aus der Vorjahresperiode (VersicherungsJournal 2.10.2017) wie auch aus dem Vorquartal (VersicherungsJournal 3.7.2018) fortgesetzt. In der gut 15-jährigen Geschichte der staatlich geförderten Altersvorsorge war nur wenige weitere Male ein Minus zu beobachten (VersicherungsJournal 7.6.2016, 8.6.2917).

Deutliche Einbußen bei den Banksparplänen

Für die versicherungsförmige Riester-Variante stand zwischen April und Juni ein Minus von netto 14.000 Policen zu Buche. Dies stellt den niedrigsten Rückgang innerhalb der letzten fünf zweiten Quartale dar. Im Vergleichszeitraum vor drei Jahren war die Bestandsverminderung noch mehr als doppelt so hoch ausgefallen (VersicherungsJournal 17.9.2015).

Bei den Banksparplänen verschärfte sich die negative Entwicklung. Der Vertragsbestand verminderte sich um 22.000. Dieser Wert ist doppelt so groß wie in den Vergleichsperioden der beiden Vorjahre und wie im Vorquartal.

Erneut überraschend niedrig fiel das Plus bei den Eigenheimrenten (Wohn-Riester) aus. Hier errechnet sich für die Monate April bis Juni nur noch ein Zuwachs von 21.000 Verträgen. Im Vergleichszeitraum vor drei wie auch vor vier Jahren waren es noch jeweils fast 70.000.

Der Bestand an Riester-Fondssparplänen erhöhte sich um 1.000 Kontrakte. Zwischen April und Juni des Vorjahres hatte diese Variante noch elf Mal so stark zugelegt.

Riester 2. Quartal (Bild: Wichert)

Minus 23.000 Verträge zwischen Januar und Juli

Auf Halbjahressicht ging der Gesamtbestand um 23.000 Verträge zurück. Gewachsen sind dabei Riester-Fondssparpläne (plus 20.000 Kontrakte) sowie Eigenheimrenten (plus 28.000 Verträge).

Die versicherungsförmigen Riester-Policen verzeichneten ein Minus von 38.000. Der Bestand an Riester-Banksparplänen reduzierte sich seit Jahresbeginn um 33.000 Kontrakte.

Wohn-Riester gewinnt weiter an Marktanteil hinzu

Durch die unterschiedliche Entwicklung beim Nettoneuzugang haben sich die Anteile der einzelnen Riester-Varianten im Gesamtbestand weiter verschoben. Die Eigenheimrenten konnten ihren Anteil leicht auf 10,8 Prozent weiter ausbauen.

Auch die Riester-Fondssparpläne legten zu – von 19,5 Prozent Anfang Januar auf aktuell gut 19,6 Prozent. Der Anteil der Riester-Banksparpläne gab auf Sechsmonatssicht um rund 0,2 Prozentpunkte auf nur noch knapp 4,2 Prozent nach.

Die versicherungsförmige Variante kommt aktuell nur noch auf einen Marktanteil von knapp 65,4 Prozent nach 65,5 Prozent zum Jahresende 2017. Zum Vergleich: Ende 2006 waren es noch über 80 Prozent, Ende 2011 noch über 70 Prozent – und Ende 2015 letztmals über zwei Drittel.

Hinderungsgründe

Gründe für die zum Teil rückläufigen Tendenzen sind aus der offiziellen Statistik nicht abzuleiten. Stärkster Hinderungsgrund an einem Riester-Abschluss ist die Meinung, dass sich diese nicht lohnt. Dies hat die Union-Investment-Gruppe in der aktuellen Auflage ihres Anleger-Barometers herausgefunden (VersicherungsJournal 21.9.2018).

Die Assekuranz führt als Begründung die „große Komplexität und Unübersichtlichkeit“ der staatlich geförderte Altersvorsorge an und fordert eine „mutige Vereinfachung“.

Dies ist nach Einschätzung von Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführungs-Vorsitzender des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), „sowohl bei der Förderung als auch bei den Produkten“ angebracht (VersicherungsJournal 10.4.2018).

Im Rahmen des BRSG wurde zu Jahresbeginn bereits die Grundzulage von 154 auf 175 Euro erhöht. Bei der Grundsicherung gelten nun Freibeträge von bis zu 202 Euro (VersicherungsJournal 2.6.2017). Darüber hinaus wurde für zahlreiche Personengruppen das Verfahren beim Zulagenantrag verbessert (VersicherungsJournal 23.8.2017).

Leserbriefe zum Artikel:

+Thomas Oelmann - Das schlechte Image der Riester-Rente wirft viele Fragen auf. mehr ...

Peter Schramm - Riester macht eigene Immobilie oft erst möglich. mehr ...

Mirko Hübinger - Wer sagt, Riester lohnt nicht, täuscht die Menschen. mehr ...

Volker Fleischhauer - Hohe Provision schlägt faire Beratung. mehr ...

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Altersvorsorge · Bausparen · BRSG · Marktanteil · Rente · Riester · Sozialhilfe
 
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