Axa: Mehr Unfälle mit großen Elektroautos

23.8.2019 – Nach Erkenntnis der Axa Versicherung sind große Elektroautos sehr gefährlich. Mit ihnen werden deutlich mehr Schäden verursacht, als mit ähnlichen Fahrzeugen, die einen Verbrennungsmotor haben. Beim Crash verhalten sich die strombetriebenen Fahrzeuge hingegen ähnlich wie herkömmliche Autos. Mit einer Ausnahme: Die Batterie ist „brandgefährlich“. Dies zeigen Versuche in der Schweiz.

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Große Elektrofahrzeuge verursachen rund 40 Prozent mehr Unfälle als vergleichbare Luxusfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das geht aus einer Statistik hervor, die die Axa Versicherungen AG Schweiz anlässlich eines Crashversuches mit Elektroautos (E-Autos) veröffentlicht hat. Demgegenüber verursachen Fahrer kleiner E-Autos rund zehn Prozent weniger Kfz-Haftpflichtschäden.

Bettina Zahnd (Bild: Schmidt-Kasparek)
Bettina Zahnd (Bild: Schmidt-Kasparek)

„Wir glauben, dass die Fahrer von großen E-Autos öfter Unfälle verursachen, weil sie die starke, nicht abreißende Beschleunigung unterschätzen“, sagte Bettina Zahnd, die beim dem Versicherer die Unfallforschung und Prävention leitet.

Einschränkend verwies die Wissenschaftlerin darauf, dass die Zahlen statistisch noch problematisch seien, weil erst rund 1.000 Fahrzeuge über einen Zeitraum von sieben Jahren beobachtet werden konnten. Trotzdem geht die Expertin davon aus, dass sie einen Trend entdeckt hat.

E-Autos beschleunigen anders

Befragungen hätten die Fehleinschätzung bei der Beschleunigung bestätigt. Nutzer von E-Autos berichteten am Rande der Konferenz, dass die Fahrzeuge auch bei hoher Geschwindigkeit weiterhin sofort beschleunigen.

„Da wird man auch bei 150 Kilometer pro Stunde noch in den Sitz gepresst“, erzählte der Fahrer eines großen Tesla.

Aktuell analysieren auch deutsche Autoversicherer das Unfallverhalten von E-Fahrzeugen. „Wir werden dazu voraussichtlich im Herbst 2019 Ergebnisse vorlegen“, sagte ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Mit unter 100.000 von insgesamt über 47 Millionen Pkw in Deutschland haben jene mit Elektromotor noch immer einen sehr marginalen Bestand.

Der Verkauf steigt aber derzeit exponentiell. Daher hat die Axa-Versicherung Schweiz erstmals drei Crash-Tests mit E-Autos durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fahrzeuge genauso sicher sind wie Autos mit Verbrennungsmotor, es aber spezifische Gefahren gibt. So werden die leisen Fahrzeuge von Fußgängern leicht überhört.

Extra-Geräusch einbauen

Dominique Kasper (Bild: Schmidt-Kasparek)
Dominique Kasper (Bild: Schmidt-Kasparek)

Beim Rückwärtsfahren, etwa auf einem Parkplatz, haben Betroffene somit keine Chance einem Fahrzeug ausweichen, wenn der Fahrer nicht aufmerksam ist. Daher wird künftig ein künstliches Geräusch als Warnung vor E-Autos Pflicht.

Dominique Kasper, bei der Axa-Versicherung Schweiz für die Schaden- und Unfallversicherung zuständig, berichtete von eigenen Erfahrungen mit dem Autopiloten.

„Das Vertrauen in das System ist so hoch, dass sich schnell Unaufmerksamkeit einschleichen kann.“

Daher zeigte der Versicherer in einem Crashtest, dass eine verspätete Rückübernahme des Fahrzeuges vom Fahrassistenten zu einem Unfall mit verheerenden Folgen führen kann.

Mit seinen Crashversuchen rund um E-Autos möchte die Axa-Versicherung Käufer dieser Fahrzeuge frühzeitig aufklären.

Hohe Brandgefahr

Eine Gefahr demonstrierte die Unfallverhütung der Axa aber lieber nicht live. So waren für die Fahrzeugcrashs vorher die Stromspeicher gegen gewichtsgleiche Dummys ausgetauscht worden. Der Grund ist ein offenbar erhebliches Brandrisiko. „Wenn die Batterien brennen, dann brennen sie“, stellte Expertin Zahnd prägnant fest und verwies darauf, dass zudem giftige Dämpfe auftreten können.

Noch 48 Stunden nach einem Crash können die Akkus von E-Auto entflammen. Die örtliche Züricher Feuerwehr demonstrierte nach dem Crash, wie man die Unfallstelle und Verletzte sichert. Eine besondere Gefahr besteht darin, dass Teile des Fahrzeuges nach einem Unfall unter Strom stehen können.

Daher muss ein speziell gesicherter Feuerwehrmann prüfen, ob die Hochvoltanlage des Autos abgeschaltet ist. Andernfalls muss er sie selbst abschalten. Daher dauert die Sicherung eines Pkw mit Elektromotor im Vergleich zu herkömmlich motorisierten Fahrzeugen meist länger. Damit haben die Insassen von E-Autos ein höheres Risiko, dass ihre Rettung verzögert wird.

Pilon auf dem Dach des E-Autos warnt vor Hochspannung (Bild: Schmidt-Kasparek)
Pilon auf dem Dach des E-Autos warnt vor Hochspannung (Bild: Schmidt-Kasparek)

Bergung erfordert besondere Sicherung

Besonders ist auch das Bergen eines E-Fahrzeuges. So sollte es wegen der Brandgefahr in einem dafür geeigneten geschlossenen Container befördert werden.

Ein Spezialunternehmen zeigte nach dem Crashtest, wie eine solche Sicherung ablaufen sollte. Der vorgestellte Container beherbergt eine Temperatur- und Brandunterdrückungs-Anlage.

Steigt die Temperatur ungewöhnlich an, wird die Batterie so „vernebelt“, dass der Transporter noch 30 Minuten gefahrlos weiterfahren kann.

Axa Schweiz vermietet Autos

E-Auto-Fahrer in der Schweiz erhalten von der Axa einen rund fünfprozentigen Nachlass. „Wir unterstützten damit die Nachhaltigkeit“, erläuterte Zahnd. Statistisch sei der Rabatt nicht berechtigt. Die Axa, die mit 23 Prozent Marktanteil größter Autoversicherer in dem Nachbarland ist, möchte damit ihr Image als ökologische Assekuranz unterstreichen.

In Deutschland wird ein solcher Nachlass bisher nicht angeboten. Das gilt auch für die Kooperation mit dem Axa Auto Competence Center AG.

Das Unternehmen bietet in der Schweiz unter der Marke „Upto powerd by Axa“ Autos für eine Pauschalgebühr an. „In der monatlichen Gebühr für die Langzeitmiete sind alle Kosten, für Reparatur, Steuer und Versicherung enthalten“, erläutert Kasper. Mit dem Projekt sollen vor allem junge Fahrer erreicht werden, die sich kein eigenes Auto mehr kaufen wollen.

Nach einer sechsmonatigen Laufzeit kann der Vertrag beendet oder ein anderes Fahrzeug gemietet werden. „Wir haben derzeit rund 175 Fahrzeuge unter Vertrag“, sagt Kasper. Gestartet wurde das Projekt im Oktober 2018. Die Axa in Deutschland würde das Konzept interessiert verfolgen. Ein Export sei nicht ausgeschlossen.

Axa Deutschland exportiert Sicherheits-App ins Ausland

Umgekehrt habe die Axa-Versicherung Schweiz gerade die Begleit- und Sicherheits-App Wayguard der Axa Konzern AG (VersicherungsJournal 9.7.2019, 13.6.2018, 31.5.2017) übernommen. Versicherungsprodukte im klassischen Sinn sind weder Upto noch Wayguard und auch die Crash-Tests der Axa haben mit 600 Besuchern einen starken Event-Charakter.

„Wir haben aber festgestellt, dass wir mit unseren Crashtests Unfälle erlebbar machen. Die bleiben dann bei den Menschen ganz anders haften“, so Zahnd. Für die Unfallforschung gibt die Axa Schweiz pro Jahr rund eine Million Euro aus.

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App · Beitragsrückerstattung · Haftpflichtversicherung · Marktanteil · Nachhaltigkeit · Pkw · Verkauf
 
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