Auch digital ein Klassiker: Wem gehören die Kunden?

11.2.2019 – Durch die digitale Vernetzung von Objekten entstehen noch leichter neue Produkt-Dienstleistungs-Kombinationen. Für die Versicherer birgt dies Chancen, über Kooperationen die eigene Wertschöpfung zu steigern. Oder: Die Gefahr, dass Branchenfremde in das eigene Geschäftsfeld eindringen und man mithin nur noch Zuträger beziehungsweise Risikoträger ist. Das wurde auf der Fachkonferenz „Insurtechs 2019“ deutlich.

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Bei Diskussionen über die Digitalisierung der Branche geht es immer öfter um digitale Ökosysteme. Auf einer Plattform werden dann Güter-Dienstleistungs-Bündel für ein bestimmtes Bedürfnis – beispielsweise „Mobilität“ verkauft. Es geht also nicht mehr um die Kraftfahrtversicherung und den Kauf eines Autos, sondern um nur darum, dass der Kunde am Tag X von A nach B will.

Nur die Großen schaffen es

Werden die Versicherer damit zum reinen Annex-Produkt oder schaffen sie es, ihre eigene Wertschöpfung zu steigern? Das war eine der zentralen Fragen der Fachkonferenz „Insurtechs 2019 – das Ökosystem gewinnt“.

Diskuranten auf der Insurtechs 2019 (von links): Christian Gründl, Stephen Voss, Pierre Dubosq, Manuel Holzhauer (Insurhub München) und Moderatorin Anna Gentrup (Bild: Lier)
Diskuranten auf der „Insurtechs 2019“ (von links): Christian Gründl, Stephen Voss, Pierre Dubosq, Manuel Holzhauer (Insurhub München) und Moderatorin Anna Gentrup (Bild: Lier)

Neben der Notwendigkeit, die IT für das klassische Versicherungsgeschäft „schlanker und skalierbarer zu machen, muss parallel ein Ökosystem aufgebaut werden. Das muss Hand in Hand laufen“, sagte Veit Stutz, der im Allianz-Konzern den Bereich Transformation verantwortet.

Doch nach Einschätzung von Pierre Dubosq, Managing Partner des Startups Tech11 GmbH „haben nur ganz große Versicherer das Potenzial, Ökosysteme zu schaffen. Die Masse der Versicherer muss sich am Markt einbringen, wird es aber nicht schaffen, zum Mittelpunkt des Kunden zu werden.“ Damit könnten Ökosysteme zum Treiber der Konsolidierung werden – sprich: Unternehmen ganz vom Markt verschwinden.

Anfällige Bereiche und andere

Denkbar ist aber auch, dass die Versicherer bei Plattformen für „Mobilität“, „Heim“, „Hobby“ et cetera nur noch Risikoträger sind. Dass die Gesellschaften bei solchen Kooperationen grundsätzlich den kleineren Part spielen und zum reinen White-Label-Anbieter degradiert werden, sieht Dr. Christian Gründl nicht per se.

„In einigen Bereichen wie etwa der privaten Krankenversicherung geht das nicht. Versicherer haben eine gute Startbasis“, sagte der Leiter Strategie, Data und Organisation der Axa Konzern AG. Bei der digitalen Transformation dürften sich die Unternehmen nicht nur auf die eigenen internen Ressourcen fokussieren, sondern müssten ihre Partner im Rahmen eines Ökosystems managen. Als Beispiel für die Axa verwies er auf Kooperationen mit dem Bankpartner ING sowie den Portalen Vermietet.de (VersicherungsJournal 29.5.2017), Zeitgold.de und Uber (VersicherungsJournal 18.10.2018).

Stephen Voss, Firmenmitgründer und Vorstand der Neodigital Versicherung AG, meint, dass sich die Rolle der Versicherer am Point-of-Sale entscheidet. Selbst verfolge man mehrere Strategien, zu denen auch die des reinen Risikoträgers gehöre.

Kooperation weg, Kunde weg

Bekannte Probleme bleiben auch oder trotz Digitalisierung: Platzen Kooperationen von Unternehmen, muss auch das Vermögen getrennt werden. Besonders werthaltig bei Versicherern oder Vermittler sind dabei natürlich die Kundenbeziehungen.

Wer als Unternehmen als besonders leicht austauschbar gilt, verliert da wahrscheinlich am ehesten. Insofern könnte sich dieses Problem durch die Digitalisierung beziehungsweise Ökosysteme verschärfen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Insurtech · Kfz-Versicherung · Strategie · Verkauf
 
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