Aktuare wollen mehr Kontrolle über künstliche Intelligenz

29.4.2019 – Deutsche Aktuarvereinigung wird sich künftig stärker mit Data-Science-Verfahren und künstlicher Intelligenz auseinandersetzen. Ihren Berufsstand hält sie zudem für die Überwachung von Algorithmen prädestiniert. Echte Big-Data-Themen gibt es in der Lebens- und Krankenversicherung mangels unstrukturierter Datenmassen nicht.

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Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) wird sich künftig stärker mit Daten-Management auseinandersetzen. Das kündigte Dr. Guido Bader in seiner Eigenschaft als neuer Vorsitzender der Organisation (VersicherungsJournal 26.4.2019) am Freitag vor der Presse an.

Seit dem 21. Dezember 2012 darf das Geschlecht nicht mehr als Merkmal bei der Tarifkalkulation benutzt werden (VersicherungsJournal 1.3.2011). Mit Big Data, Data-Science-Verfahren und künstlicher Intelligenz (KI) könnten Unisex-Tarif jedoch umgangen werden, wenn unkontrolliert auf unbekannten Daten kalkuliert wird.

Nicht unkontrolliert und unüberwacht

Guido Bader (Bild: Lier)
Guido Bader (Bild: Lier)

Theoretisch wäre eine solche – verbotene – Kalkulation auch ohne neuartige Technik möglich. Wenn ein modernes IT-Verfahren auf der Basis von Big Data vielleicht nur auf Basis der Schuhgröße rechnet, dürfte aber kaum auffallen.

„Die neuen Algorithmen dürfen nicht zur unkontrollierbaren und unüberwachten Blackbox werden. Die Verbraucher verlieren das Vertrauen in die Versicherungen, wenn ausschließlich Algorithmen ohne menschliche Moralvorstellungen Entscheidungen treffen“, sagte Bader.

Die Ergebnisse dieser Technik müssten von Menschen kritisch hinterfragt und von ihnen wiederum mit mathematischen Methoden überprüft werden.

„Das ist eine Aufgabe, für die die Aktuare geschaffen sind, und die wir auch für uns reklamieren“, so Bader, der im Hauptberuf Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. ist. Er hofft, dass die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) diese Aufgabe bei den Aktuaren ansiedelt.

Viel Unsinn möglich

„Genauso wie es Wirtschaftsprüfer für die Kontrolle der Unternehmen gibt, brauchen wir im Digitalzeitalter KI-Prüfer, die die rechtlichen Vorgaben kennen und auf Grundlage verbindlicher Standards die Ergebnisse der Algorithmen überprüfen, analysieren und interpretieren“, sagt Bader.

Und auch das Einhalten von Datenschutz-Anforderungen sei insbesondere angesichts des immensen Volumens an personenbezogenen Daten essentiell.

In der Lebens-, und der privaten Krankenversicherung gebe es bisher kein Big Data, sagte Daniela Rode, die den Arbeitskreis Big Data in der PKV der DAV leitet. Aufgrund der regulatorischen Vorgaben gebe es zudem auch kaum Ansätze für eine preisliche Differenzierung durch die Nutzung von Big Data.

Bevor es aber an die Daten an sich geht, geht es Rode um das Datenverständnis: Wie sind die Daten entstanden? Wie sind sie im Kontext aktuariell zu beurteilen? Welche Fehler oder Lücken weisen sie auf? Dies seien einige der Fragen, die Mathematiker mit den interdisziplinären Teams klären sollten.

Nur Zuschlag reicht nicht

„Schätzungen, die nur auf Daten aus der Vergangenheiten basieren, müssen schon besonders clever sein, damit sie auch neue Trends einbeziehen“, sagt Professor Dr. Ralf Korn, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik e.V.

Vergangenheitsdaten nur mit Sicherheitsaufschlägen für die Zukunft vorauszuberechnen, sei keine sinnvolle Risikoabsicherung. „Die Versicherbarkeit eines Risikos kann sich durch Trends grundlegend ändern“, so Korn. Ohne aktuarielle Beurteilung gehe es nicht. „Aber es gibt tolle Verfahren und für die Visualisierung sollte man sie auf jeden Fall nutzen – aber sie machen den Aktuar nicht überflüssig.“

KI ersetze keine Aktuare, sondern erweitere ihren Werkzeugkasten. Potenziale werden vor allem für die Prävention, das Gesundheitsmanagement, die Leistungsregulierung, die Produktkalkulation und die Absicherung von Kurzzeitrisiken gesehen.

Die DAV will die Aus- und Weiterbildungs-Möglichkeiten in diesen Bereichen verstärken. Unter anderem wird ein eigenes Spezialwissensfach „Actuarial Data Science“ im Rahmen der Aktuarsausbildung eingerichtet. Die verschiedenen Aktivitäten werden von dem kürzlich neugegründeten Ausschuss Actuarial Data Science initiiert und koordiniert.

 
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