Was sich beim Midijob geändert hat

22.7.2019 – Zum 1. Juli 2019 wurde die monatliche Einkommensgrenze, bis zu der ein Arbeitnehmer als Midijobber gilt, von 850 Euro auf 1.300 Euro angehoben. Dies wirkt sich positiv auf die Sozialabgaben aus, die der Arbeitnehmer von seinem Gehalt entrichten muss. Gleichzeitig wurden die gesetzlichen Rentenansprüche, die man als Midijobber erwirbt, angehoben.

WERBUNG

Um Geringverdiener zu entlasten, wurde nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) die Gleitzone erhöht. Die Gleitzone, auch Übergangsbereich genannt, ist der Einkommensbereich, bei dem abhängig Beschäftigte zwar sozialversicherungs-pflichtig sind, aber dafür weniger Sozialabgaben zahlen als ein normaler Arbeitnehmer (AN).

3,5 Millionen Beschäftigte

Bisher mussten AN mit einem Monatseinkommen von über 450 Euro bis unter 850 Euro zwar mehr Sozialbeiträge bezahlen als ein 450-Euro-Minijobber, aber weniger als ein abhängig Beschäftigter mit einem monatlichen Einkommen ab 850 Euro. Seit dem 1. Juli 2019 ist dieser Übergangsbereich erhöht worden, nämlich von über 450 Euro bis unter 1.300 Euro.

Zusätzlich wurden die gesetzlichen Rentenansprüche, die man durch einen Midijob erwirbt, verbessert. Nach Angaben des BMAS waren in der bisherigen Gleitzone rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt. Im neuen Übergangsbereich werden es nach Schätzungen etwa 3,5 Millionen Beschäftigte sein.

Geänderte Gleitzonenregelung

Midijobber sind, wie normale AN, in der gesetzlichen Renten- (GRV), Arbeitslosen- (ALV), Kranken- (GKV) und Pflegeversicherung (SPV) pflichtversichert. Der Arbeitgeber (AG) hat für einen Midijobber die gleichen Sozialabgaben zu zahlen wie für einen AN, der ein Monatseinkommen ab 1.300 Euro hat. Für den AG berechnen sich die von ihm abzuführenden Sozialabgaben also nach dem tatsächlichen Arbeitseinkommen.

Sozialversicherungs-Abgaben

Wie hoch die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberabgaben für die GRV, ALV, GKV und SPV sind, hängt von verschiedenen Kriterien ab: vom Beitragssatz der jeweiligen Sozialversicherung, dem Bruttoarbeitseinkommen und der jeweiligen Beitragsbemessungs-Grenze (BBMG). Bei hohen Einkommen werden die Sozialabgaben maximal aus diesen BBMG berechnet.

In der Regel zahlen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer bis auf wenige Ausnahmen jeweils die Hälfte des jeweiligen Beitragssatzes der Sozialversicherungen. Im Schnitt zahlt ein Arbeitnehmer mit einem Kind und einem Gehalt über der Gleitzone und unter der BBMG 19,825 Prozent seines Bruttoeinkommens an Sozialabgaben.

Das setzt sich wie folgt zusammen: 9,3 Prozent für die GRV, 1,25 Prozent für die ALV, 7,3 Prozent zuzüglich der Hälfte des jeweiligen Krankenkassen-Zusatzbeitragssatzes – im Durchschnitt sind das etwa 0,45 Prozent – für die GKV und 1,525 Prozent für die SPV.

Alle kinderlosen Arbeitnehmer ab 23 Jahren haben in der SPV zudem einen Zuschlag von 0,25 Prozent zu entrichten – dies gilt nicht für die Arbeitgeber. In Sachsen haben GKV-Versicherte mit Kindern 2,025 Prozent und GKV-Versicherte ohne Kinder 2,275 Prozent zu tragen, da hier die Arbeitgeber aufgrund einer Sonderregelung für die SPV nicht 1,525, sondern 1,025 Prozent zahlen.

Anders beim Midijobber selbst: Er muss weniger bezahlen als ein AN, der über dieser Gleitzone liegt. Bei der Ermittlung der Sozialabgaben, die der AN zu entrichten hat, wird im Rahmen der Gleitzonenregelung ein niedrigeres Einkommen, das sogenannte beitragspflichtige Einkommen, zugrunde gelegt.

Die Berechnung des beitragspflichtigen Einkommens für die Ermittlung der AN-Sozialabgaben erfolgt nach einer komplizierten Formel, die im Webportal der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zu finden ist. Vereinfacht lässt sich das beitragspflichtige Einkommen wie folgt berechnen: 340,47 + ((1,12885882 x (tatsächliches Arbeitseinkommen-450)).

Der Arbeitnehmeranteil an den Sozialabgaben ermittelt sich aus den gesamten Sozialabgaben (AG- und AN-Anteil) des beitragspflichtigen Monatseinkommens abzüglich des Arbeitgeberanteils aus dem tatsächlichen Arbeitseinkommen. Wer schnell wissen will, wie hoch die jeweiligen AG- und AN-Sozialabgaben je nach Einkommenshöhe sind, kann dies mit Hilfe eines kostenlos abrufbaren Onlinetools der DRV, dem sogenannten Gleitzonenrechner, berechnen.

Beispielrechnung

Bei einem Monatseinkommen eines Arbeitnehmers mit Kind von 1.000 Euro muss der AG die Sozialabgaben für 1.000 Euro bezahlen. Das sind im Einzelnen bei einem GKV-Beitragssatz von angenommen 15,6 Prozent: GRV (9,3 Prozent) 93,00 Euro, ALV (1,25 Prozent) 12,50 Euro, GKV (7,8 Prozent) 78,00 Euro und SPV (1,525 Prozent) 15,25 Euro.

Bei der Ermittlung der Sozialabgaben, die der Arbeitnehmer zu zahlen hat, wird zuerst ermittelt, welche Sozialabgaben insgesamt (also AG und AN zusammen) für das verminderte Arbeitseinkommen nach der Gleitzone zu zahlen hätten. Das beitragspflichtige Einkommen nach der Gleitzonenregel wären bei 1.000 Euro Verdienst 961,34 Euro. Die Sozialabgaben für AN und AG zusammen für dieses beitragspflichtige Einkommen betragen für die GRV 178,81 Euro, für die ALV 24,03 Euro, für die GKV 149,97 Euro und für die SPV 29,32 Euro.

Von diesen Sozialabgaben werden nun die tatsächlich vom AG zu tragenden Sozialabgaben abgezogen, um die tatsächlich vom AN zu zahlenden Sozialabgaben zu ermitteln: GRV 178,81 Euro - 93,00 Euro = 85,81 Euro, ALV 24,03 Euro - 12,50 Euro = 11,53 Euro, GKV 149,97 Euro - 78,00 Euro = 71,97 Euro und SPV 29,32 Euro - 15,25 Euro = 14,07 Euro.

Insgesamt müsste der AN im genannten Beispiel ohne diese Gleitzonenregelung 198,75 Euro Sozialabgaben von seinem Einkommen bezahlen. Dies entspricht auch dem tatsächlichen Sozialabgabenbetrag, den der AG zu zahlen hat. Durch die Gleitzonenregelung muss der AN jedoch nur 183,38 Euro an Sozialabgaben von seinem Bruttomonatsgehalt von 1.000 Euro entrichten und spart sich daher monatlich 15,37 Euro.

Entlastung (Bild: BMAS)
Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: BMAS)

Niedrigere Rentenbeiträge – volle Rentenansprüche

Die Erweiterung der Gleitzone hat auch für die bisherigen Midijobber mit einem Einkommen von über 450 und unter 850 Euro einen Vorteil. Da sich durch die geänderte Berechnungsformel ihr beitragspflichtiges Einkommen und damit auch ihre Sozialabgaben im Vergleich zu früher gesenkt haben, haben auch sie seit Juli 2019 weniger Sozialabgabenabzüge.

Das Krankengeld eines Midijobbers berechnet sich trotz der niedrigeren Sozialabgaben in der GKV, wie bisher auch schon, vom tatsächlichen Einkommen. Auch sonst steht einem Midijobber aus den Sozialversicherungen die gleichen Leistungen zu wie einem normalen AN.

Laut BMAS gibt es seit der Erweiterung der Gleitzone zum 1. Juli 2019 noch eine Neuerung für alle bisherigen und neuen Midijobber. Obwohl sie weniger Beiträge für die GRV entrichten müssen als ein normaler AN, werden die Rentenansprüche beziehungsweise Entgeltpunkte so gerechnet, als wenn sie für das tatsächliche Arbeitseinkommen den vollen GRV-Arbeitnehmerbeitrag bezahlen würden. Eine freiwillige Aufstockung des GRV-Beitrages, um den vollen Rentenanspruch zu erhalten, ist im Gegensatz zu vor Juli 2019 nicht mehr notwendig.

Möglicher finanzieller Vorteil für den Arbeitgeber

Für einen Arbeitgeber kann es bei den Sozialabgaben für die GRV, ALV, GKV und SPV günstiger sein, einen Midijobber mit einem geringen Gehalt über 450 Euro einzustellen als einen gewerblichen 450-Euro-Minijobber.

Während der Arbeitgeber für den Midijobber in der Regel 19,825 Prozent für die genannten Sozialversicherungen zahlt, sind es beim 450-Euro-Minijobber 28 Prozent, nämlich 13 Prozent für die GKV und 15 Prozent für die GRV. Mehr Details über die Abgaben, die ein Arbeitgeber für einen Minijobber zu entrichten hat, enthält der Webauftritt der Minijobzentrale.

Die Gleitzonen-Regelung ist nicht anzuwenden für Auszubildende, Praktikanten und andere Personen, deren Arbeitsentgelt durch besondere Umstände unter 1.300 Euro liegt. Eine Auflistung, welche Personengruppen das sind, enthält der DRV-Webauftritt. Wer neben dem Midijob einen weiteren sozialversicherungs-pflichtigen Job ausübt und mit beiden Einkommen zusammen mindestens 1.300 Euro oder mehr im Monat erreicht, für den gilt die Gleitzonenregelung nicht mehr.

 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Premium-Abo mit Zufriedenheitsgarantie

Sichern Sie sich Ihren Wissensvorsprung mit einem besonderen Vorteil.

Entscheiden Sie sich noch in diesem August für das Jahres-Abo, können Sie sechs Monate lang ohne Angabe von Gründen von dem Auftrag zurücktreten und erhalten den bezahlten Beitrag in voller Höhe zurück.

Nutzen auch Sie die Geld-zurück-Garantie spätestens bis zum Monatsende und melden Sie sich hier für das Abo an!

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Kunden gewinnen mit Vorträgen

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Termine und Empfehlungen gehören zum Einmaleins im Versicherungsvertrieb. Wie sich die Erfolgsquoten steigern lassen, zeigt ein Praktikerhandbuch.

Mehr Informationen erhalten Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
1.12.2017 – 2018 steigen die Beitragsbemessungs-Grenzen auf breiter Front an, wodurch der Zugang zur PKV weiter erschwert wird. Gutverdiener mit einem Einkommen oberhalb der Grenze müssen höhere Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Auch für Arbeitgeber wird es teurer. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
19.12.2014 – Auch im neuen Jahr gibt es wieder eine Reihe von gesetzlichen Änderungen in der Lebens- sowie in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, wie ein Überblick des VersicherungsJournals zeigt. mehr ...
 
19.7.2019 – Vielfach wird im Versicherungsvertrieb davon abgeraten, den Berufsunfähigkeits-Schutz als bAV abzuschließen. Dabei stellt die betriebliche Direktversicherung oft die interessantere Lösung dar. In welchen Fällen und warum, erklärt der Altersvorsorge-Spezialist Franz Erich Kollroß. (Bild: Foto Weber) mehr ...
 
5.12.2018 – Die Beitragsbemessungs-Grenzen für 2019 sind nun offiziell. Gutverdiener mit einem Einkommen oberhalb der Grenze müssen höhere Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Auch Arbeitgeber werden mehr belastet. (Bild: Hans, Pixabay, CC0) mehr ...
 
11.10.2018 – Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die Beitragssatzerhöhung in der Pflegeversicherung und die Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung beschlossen. Wie sich dies auf die Beitragslast auswirkt. (Bild: Maximilian König) mehr ...
 
10.9.2018 – Die Grenzwerte der Sozialversicherung werden zum Jahreswechsel spürbar erhöht, vergleichsweise besonders stark in einem Teil Deutschlands. Damit steigen auch die Höchstbeiträge an. Da sich aber auch die Regeln ändern, wird es nur für manche Besserverdienende teurer. (Bild: Hans, Pixabay, CC0) mehr ...
WERBUNG