„Kämpfen Sie um Ihre A-Mitarbeiter“

22.7.2019 – Wenn wichtige Mitarbeiter gehen wollen, gilt es, nicht beleidigt zu reagieren. Ziel ist, den Wechselwilligen zurückzugewinnen oder zumindest die Tür für eine mögliche Rückkehr offenzuhalten. Einen Notfallplan, wie dies zu bewerkstelligen ist, skizziert der Personalberater Jörg Knoblauch in einem Gastbeitrag.

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Kürzlich habe ich eine beeindruckende Geschichte gehört: Ein Mitarbeiter legt nach drei Jahren im Unternehmen seine Kündigung auf den Tisch. Begründung: Er will zurück in die Heimat – zur Verwandtschaft und zu den Freunden.

Jörg Knoblauch (Bild: privat)
Jörg Knoblauch (Bild: privat)

Statt das zu akzeptieren, bietet der Inhaber seinem Mitarbeiter an, dass er in seiner Heimat eine neue Niederlassung aufbaut. 400 Kilometer entfernt vom Stammsitz. Ein 160 Quadratmeter großes Büro wird angemietet und entsprechend dem Corporate Design eingerichtet. Eine richtige Investition.

Kündigung nicht persönlich nehmen

Da ziehe ich meinen Hut: Der Chef kämpft nicht nur um seinen A-Mitarbeiter, sondern er sieht darin zusätzlich eine betriebswirtschaftliche Chance. Denn seien wir Unternehmer ehrlich: Wir können selten ein Angebot machen, das gegen den Wunsch ankommt, in die Heimat zurückzukehren.

Das ist ein extremes Beispiel. Aber nehmen Sie Kündigungen von Ihren besten Mitarbeitern nicht persönlich und ziehen Sie sich nicht zurück, egal ob Sie eventuell wütend oder verletzt sind. Sondern kämpfen Sie um die A-Mitarbeiter. Denn letztlich sind sie es, die Ihr Unternehmen erfolgreich machen.

Entwickeln Sie deshalb einen Notfallplan, um diesen Mitarbeiter oder diese Mitarbeiterin doch noch zu halten. Im Nachfolgenden werden hierzu einige Tipps aufgeführt.

Erstens: Das Gespräch suchen

Fragen Sie sich zunächst, ob Sie diesen Mitarbeiter genügend gewürdigt haben. Oft beschäftigen sich Chefs vor allem mit ihren Sorgenkindern, reden mit ihnen, unterstützen sie, bieten Weiterbildung an. Diejenigen, die scheinbar selbstverständlich ihre Leistung bringen, fallen oft hinten runter.

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem A-Mitarbeiter. Sagen Sie, was Ihnen an ihm liegt und dass die Kündigung Sie trifft. Und dann fragen Sie, was ihn stört und was sich ändern müsste, damit der Mitarbeiter die Kündigung zurücknimmt.

Selbst wenn Sie nicht erfolgreich sind: Sie erfahren viel über Ihr Unternehmen und wo es aus Sicht der guten Mitarbeiter klemmt. Dieser Mitarbeiter wird in dieser Situation wahrscheinlich kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Sie bekommen ehrliches Feedback

Zweitens: Wertschätzung ausdrücken

Investieren Sie nicht nur Zeit für ein intensives Gespräch. Laden Sie den Mitarbeiter zu einem Abendessen ein, damit Sie in Ruhe miteinander sprechen können und ihm möglicherweise neue Perspektiven im Unternehmen anbieten können.

Sie drücken mit dieser Einladung vor allem Wertschätzung aus. Und nach meiner Erfahrung ist dies das Wichtigste für Mitarbeiter, wenn das Gehalt stimmt.

Drittens: Den Abschied schwer machen

Der Mitarbeiter bleibt bei der Kündigung? Bleiben Sie dran, auch wenn Sie scheinbar „verloren“ haben. Gerade jetzt, wenn die Würfel gefallen sind, zählt ein wertschätzender Umgang.

Viele Mitarbeiter, die gekündigt haben, machen die Erfahrung, dass sich keine Führungskraft mehr um sie kümmert. Denn sie sind ja praktisch „weg“.

Zum einen ist das ein schlechtes Signal für alle, die im Unternehmen bleiben. Denn offensichtlich kümmert sich der Chef nur so lange, wie man für ihn arbeitet. Zum anderen bleibt der letzte Eindruck.

Also, machen Sie Ihrem Mitarbeiter den Abschied so richtig schwer. Wenn es passt, machen Sie zumindest in der Abteilung eine kleine Abschiedsparty und finden Sie wertschätzende Worte. In unserem Unternehmen bekommen die scheidenden Mitarbeiter ein Fotobuch überreicht.

Viertens: Türen offenhalten

Und dann halten Sie die Tür offen. Ich kenne einen Betrieb in Mittelhessen. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr zehn Ingenieure verloren, weil sie eine neue Perspektive gesucht haben. Davon sind sechs inzwischen wieder zurückgekehrt, weil sie die Wertschätzung und die Gestaltungs-Möglichkeiten auf ihrer Zwischenstation nicht erlebt haben.

Seien Sie mutig und überreichen Sie den Arbeitnehmern, die Sie überzeugt haben, an ihrem letzten Tag einen blanko unterschriebenen Arbeitsvertrag. Der Mitarbeiter muss dann lediglich noch unterschreiben und drei Felder ausfüllen: Eintrittsdatum, Höhe des Gehalts und die künftige Position. Und vergessen Sie nicht, ihn zu Firmenfesten einzuladen, ihm die Mitarbeiterzeitschrift zuzuschicken oder ihm zum Geburtstag zu gratulieren.

Jörg Knoblauch

Der Autor ist Personalberater und Inhaber der Tempus GmbH. Das Unternehmen ist spezialisiert auf das Personalmanagement für mittelständische Unternehmen.

Leserbriefe zum Artikel:

+Nicola Kerler - Leider ein Stück Sozialromantik. mehr ...

Peter Schramm - Geeignete Gegensteuerung. mehr ...

Nicola Kerler - Alleine die Kategorisierung der Mitarbeiter bringt niemanden weiter. mehr ...

+Marcus Dippold - Wertschätzung erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. mehr ...

Peter Schramm - Oft ist unbekannt, wer A-, B- oder C-Mitarbeiter ist. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Arbeitsrecht · ePa · Mitarbeiter
 
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