Besser jetzt mit der Weiterbildung starten als warten

8.1.2018 – Versicherungsvermittler und vertriebsnahe Angestellte müssen sich künftig 15 Stunden im Jahr weiterbilden. Auch der Aufschub bei der Umsetzung von Teilen der IDD ändert daran nichts. Gut beraten sind daher Makler, rechtzeitig für sich und ihre Mitarbeiter passende Seminare zu buchen. Manche Details zur Weiterbildung sind noch unklar, monieren Experten.

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Die Europäische Kommission hat am 20. Dezember 2017 beschlossen, die Anwendung der EU-Versicherungsvertriebs-Richtlinie (IDD) auf den 1. Oktober 2018 zu verschieben (VersicherungsJournal 22.11.2017). Dessen ungeachtet sind die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, die IDD bis zum 23. Februar 2018 in nationale Gesetze umzusetzen (VersicherungsJournal 22.12.2016).

Entsprechend tritt das bereits verabschiedete deutsche IDD-Umsetzungsgesetz vollumfänglich mit allen Verpflichtungen im Februar 2018 in Kraft, meint Vertriebsexperte Professor Dr. Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund (VersicherungsJournal Leserbrief 22.11.2017).

Tenor: „Die Weiterbildung ist über § 34d GewO ab dem 23. Februar 2018 Pflicht. Aufgrund der schleppenden Koalitionsverhandlungen sind kurzfristige Änderungen unwahrscheinlich. Damit werden die ab diesem Zeitpunkt geltenden neuen Verpflichtungen für die gesamte deutsche Versicherungsbranche relevant.“

BVK empfiehlt Brancheninitiative

Michael H. Heinz (Bild: Uwe Schmidt-Kasparek)
Michael H. Heinz (Bild: Uwe Schmidt-Kasparek)

Von der Verschiebung durch die EU-Kommission unberührt bleibe auch die Verpflichtung zur Weiterbildung von mindestens 15 Stunden jährlich für alle deutschen Vermittler, die gegenüber den Aufsichtsbehörden nachgewiesen werden muss.

Dies betont Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e. V. (BVK).

Er empfehle allen Vermittlern die Teilnahme an der branchenweiten Weiterbildungs-Initiative „gut beraten“.

Diese würde auch unter IDD als zentrale Plattform zum Nachweis der Weiterbildung fungieren. Unabhängig vom Anbieter ermögliche sie die Dokumentation der Bildungsaktivitäten, wie auf der Website der Initiative zu lesen ist.

Nachweis über Pflichtstunden erfolgt automatisch

Die Anforderungen des Gesetzgebers aus IDD-Umsetzungsgesetz und Verordnung über die Versicherungs-Vermittlung und -beratung (VersVermV) werden anforderungskonform abgebildet, heißt es weiter bei „gut beraten“. Wenn die 15 Pflichtstunden absolviert sind, werde automatisch der geforderte Nachweis versandt. Dieser sei gegenüber den Industrie- und Handelskammern beziehungsweise der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) gültig.

Die bisher im „gut beraten“-System gesammelten Weiterbildungspunkte beziehungsweise die Bildungszeit bleiben erhalten. Bereits ausgestellte Weiterbildungs-Ausweise und Jahreszertifikate nach dem bisherigen System werden über das Bildungskonto des Kontoinhabers weiterhin abrufbar sein.

Vertriebs-Mitarbeiter müssen geschult werden

Neu ist neben der verpflichtenden eigenen Weiterbildung der Vermittler auch die von Mitarbeitern, die vertrieblich tätig sind. Versicherungsvertrieb umfasst nach IDD die Beratung, das Vorschlagen und weitere Vorbereitungsarbeiten zum Abschluss von Versicherungsverträgen. Zudem das Abschließen von Verträgen selbst sowie das Mitwirken bei deren Verwaltung und Erfüllung, insbesondere im Schadenfall. Auch Vergleichsportale sind einbezogen.

Konkret betrifft die Weiterbildungs-Verpflichtung folgende Personen:

  • Ausschließlichkeits-Versicherungsvermittler nach § 34d Absatz 1, Nr. 1 GewO,
  • Außendienst-Angestellte eines Versicherungs-Unternehmens/Werbeaußendienst nach Paragraf 17 Absatz 3 Manteltarifvertrag,
  • Versicherungsmakler nach § 34d Absatz 1, Nr. 2 GewO,
  • Versicherungsvertreter mehrerer Versicherungs-Unternehmen (Mehrfachagenten) nach § 34d Absatz 1, Nr. 1 GewO,
  • Versicherungsberater nach § 34d Absatz 2 GewO,
  • Mitarbeiter eines Versicherers oder Vermittlerbetriebs (auch Sparkassen/Banken) nach § 34d Absatz 9 GewO und § 48 VAG,
  • unmittelbar oder maßgeblich am Versicherungsbetrieb vertrieblich tätige Angestellte eines Versicherungs-Unternehmens (Innendienst/Service Center) nach § 48 Absatz 2 VAG,
  • Leitungspersonen nach § 34d Abs. 9 Satz 2 GewO und § 48 VAG.

Rechtsklarheit fehlt noch

Für Norman Wirth, geschäftsführenden Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V., ist noch unklar, wie sich die Verschiebung konkret auf Deutschland und damit auf Vermittler, Versicherer und Kunden auswirkt. Der Fachanwalt für Versicherungsrecht geht davon aus, dass alle Beteiligten den Termin 23. Februar 2018 im Blick behalten werden und „alle relevanten Player dann IDD-ready sind“. Er bezweifelt allerdings, dass die VersVermV zum 23. Februar 2018 in Kraft tritt, weil es keine Rechtsklarheit in Sachen IDD gebe.

Für 2018 ist im Entwurf der VersVermV vorgesehen, dass Weiterbildungs-Leistungen nur anteilig erbracht werden müssen. Hier heißt es: „Für das Kalenderjahr 2018 ist es ausreichend, wenn die Erklärung die Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme im Umfang von 12,5 Stunden umfasst. Wer nach Ablauf des 30. September eines Kalenderjahres eine Tätigkeit aufnimmt, die zur Weiterbildung nach § 34d Absatz 9 Satz 2 der Gewerbeordnung verpflichtet, muss sich in diesem Kalenderjahr nicht weiterbilden.“

Branchenkenner Beenken hält Abwarten für falsch. Bereits im November auf der DKM riet er Maklern, sich jetzt mit der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu beschäftigen. Es sollte der aktuelle Schulungsstand jedes Mitarbeiters verifiziert und damit begonnen werden, notwendige Weiterbildungen in Angriff zu nehmen (VersicherungsJournal 26.10.2017). So werde aus einer Weiterbildungspflicht die dringend notwendige Personalentwicklung.

Nachweise pünktlich abgeben

Den Nachweis über absolvierte Weiterbildungen hält Beenken für vermittlerfreundlich. Jährlich bis spätestens Ende Januar sollen Vermittler gegenüber der zuständigen Industrie- und Handelskammer erklären, dass sie und ihre Mitarbeiter die erforderlichen 15 Stunden absolviert haben.

Dazu enthält die Verordnung in der Anlage 4 ein Muster. Aufgeführt werden dabei die Weiterbildungs-Maßnahmen und der oder die Bildungsanbieter. Nachweise über absolvierte Lerneinheiten müssen gesammelt und aufbewahrt werden. Wer das versäumt oder die Erklärung nicht rechtzeitig abgibt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Keine Qualitätskontrolle der Anbieter vorgesehen

Was als Aus- und Weiterbildung gilt, zählt die Anlage 1 der Verordnung auf. Beenken moniert, dass hier wichtige Inhalte fehlen, wie sie die IDD fordert. Als Beispiele nennt er Versicherungs-Anlageprodukte, Mindestfinanzkompetenz, Schadenregulierung, Beschwerdebearbeitung, ethische Standards und Geldwäschegesetz. Reine Produktschulungen und Roadshows werden höchstwahrscheinlich nicht mehr als Weiterbildung anerkannt, so Beenken.

Was die Qualität der Weiterbildungs-Anbieter beziehungsweise der Weiterbildung betrifft, die in Anlage 3 beschrieben wird, bleibt die VersVermV teilweise hinter den Standards von „gut beraten“ zurück. Zwar fordert sie unter anderem, dass die Qualität des Trainers geprüft wird, dass es eine Anwesenheitskontrolle gibt und vorher in Textform eingeladen wird. Eine Qualitätskontrolle, wie sie das Auditverfahren von „gut beraten“ sichert, scheint dagegen nicht vorgesehen zu sein.

Wie soll der Lernerfolg dokumentiert werden?

Kritisch werden die Lernerfolgskontrollen betrachtet, wie sie die VersVermV vorsieht. Für alle Lernformen sollen sie verbindlich sein – vom klassischen Seminar über Blended-Learning-Angebote bis zum E-Learning und zu anderen Formen des Selbststudiums.

Michael H. Heinz hält vor allem bei Präsenzveranstaltungen solche Kontrollen für schwer bis gar nicht umsetzbar (VersicherungsJournal 28.11.2017). Das Feedback des Schulungsleiters sollte bei persönlicher Anwesenheit des Lernenden genügen.

 
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