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Wer sein Fahrtenbuch erst nachträglich erstellt

19.8.2019 – Plant ein Selbstständiger, ein Firmenfahrzeug anzuschaffen und sogenannte Investitions-Abzugsbeträge in Anspruch zu nehmen, reicht es nicht aus, wenn er später zum Nachweis der betrieblichen Nutzung ein nachträglich erstelltes Fahrtenbuch vorlegt. Das hat das Finanzgericht Münster mit Urteil vom 10. Juli 2019 entschieden (7 K 2862/17 E).

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Der Entscheidung lag die Klage eines Rechtsanwalts zugrunde, der plante, für seine Kanzlei ein Firmenfahrzeug anzuschaffen. Das sollte seinen Angaben zufolge, da weitere Autos vorhanden waren, ausschließlich betrieblich genutzt werden.

Fehlendes Fahrtenbuch

Um Steuern zu sparen, machte der Mann dem Finanzamt gegenüber im Vorfeld des Autokaufs sogenannte Investitions-Abzugsbeträge geltend.

Gemäß § 7g Absatz 1 EStG können nämlich Steuerpflichtige „für die künftige Anschaffung oder Herstellung von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebes ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt werden, bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten gewinnmindernd abziehen.“

Nach dem Kauf des Firmenfahrzeugs führte der Kläger kein Fahrtenbuch. Er ermittelte dessen private Nutzung vielmehr nach der sogenannten Ein-Prozent-Methode.

Aufstellung angefertigt

Das wurde vom Finanzamt zwar nicht beanstandet. Als Nachweis, dass das Auto, wie in § 7g EStG gefordert, fast ausschließlich betrieblich genutzt wurde, reichte dem Amt jedoch nicht aus. Der Fiskus versagte dem Rechtsanwalt daher, Investitions-Abzugsbeiträge in Anspruch zu nehmen.

Der Jurist ließ daraufhin von einer Mitarbeiterin die betrieblichen Fahrten anhand von Terminkalendern nachträglich erstellen. Die Laufleistung wurde dabei mit Hilfe von Händler- beziehungsweise Werkstattrechnungen sowie einem Foto des Tachostandes dokumentiert. Danach ergab sich rechnerisch ein Anteil einer betrieblichen Nutzung von knapp über 90 Prozent.

Ein solcher Anteil hätte eigentlich ausgereicht, um die Steuervorteile nutzen zu können. Das Finanzamt hatte jedoch erhebliche Zweifel an der Art der Ermittlung. Weil man sich nicht einigen konnte, landete der Fall schließlich vor dem Finanzgericht Münster. Dort erlitt der Rechtsanwalt eine Niederlage.

Kein ausreichender Nachweis

Die Richter schlossen sich der Meinung des Finanzamts an, dem Kläger sei es nicht gelungen nachzuweisen, dass der Dienstwagen fast ausschließlich betrieblich genutzt worden ist. Denn die von ihm eingereichte Aufstellung genüge nicht den Anforderungen an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch.

Aus der Ausarbeitung ergebe sich nämlich nicht zwingend, welchen Umfang die betrieblichen Fahrten hatten. Selbst wenn man unterstelle, dass die in dem Terminkalender gelisteten Treffen alle wahrgenommen worden sind, sei das kein Nachweis dafür, dass dafür auch das Dienstfahrzeug genutzt worden ist. Es sei ebenso gut die Nutzung eines anderen Fahrzeugs oder die öffentlicher Verkehrsmittel denkbar.

Revision vor dem Bundesfinanzhof

Auch die Tatsache, dass für private Fahrten weitere Fahrzeuge zur Verfügung standen, belegt nach Ansicht der Richter nicht, dass diese auch zu diesem Zweck genutzt wurden. Die Klage wurde daher als unbegründet zurückgewiesen.

Der Fall muss abschließend vom Bundesfinanzhof entschieden werden. Denn dort hat der Kläger Revision eingelegt.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Einkommensteuer · Mitarbeiter · Steuern
 
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