Viele Herausforderungen beim Rentenmodell für Maklernachfolge

14.1.2019 – Mindestens fünf Marktteilnehmer („Rentenanbieter“) gewähren Maklern („Rentenbeziehern“) eine (Leib-) Rente gegen Übertragung ihres Bestandes beziehungsweise ihrer Unternehmensanteile. Neben wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Aspekten ist auch die individuelle Situation eines Maklers zu beleuchten. Hier fallen Fragen zur weiteren Betätigung des Maklers, Bestandsaufteilung beziehungsweise Transaktionsform und zu Storno, Haftung sowie Datenschutz an. Der Nachfolge-Experte Christian Lüth erklärt im dritten Teil seines dreiteiligen Gastbeitrags, worauf zu achten ist.

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Um eine kalkulatorische Sicherheit der Rente zu ermöglichen, müssen eventuelle Kosten, die möglicherweise mit der Rente verrechnet werden, Berücksichtigung finden. Die angegebenen Kostenpositionen sollten schriftlich eingeschränkt werden, damit auch die erwarteten Leistungen ausgezahlt werden.

Christian Lüth (Bild: privat)
Christian Lüth (Bild: privat)

In diesem Zusammenhang wäre bei dem Personenversicherungs-Geschäft, das sich noch im Haftungszeitraum für mögliche Rückbelastungen (teilweise bis zu acht Jahre) befindet, zu prüfen, ob zukünftige Stornobelastungen zu einer Rentenkürzung oder -streichung führen könnten.

Vor dem Hintergrund, dass möglicherweise unbekannte Vertriebspartner ehemalige Kunden des Maklers beraten, könnten unerwartete Kürzungen und Streichungen der Rentenleistungen auf diesen zukommen. Zudem wäre eine Klarstellung, welche Verträge von einer möglichen Rückbelastung betroffen sein könnten, unumgänglich.

Handhabung bezüglich der Stornoreserve

Im Falle eines Asset-Deals (also „Bestandsverkaufs“, nicht Anteilsverkaufs) werden regelmäßig im Rahmen der Bestandsübertragung auch eventuell vorhandene Stornoreserveguthaben auf den Übernehmer, hier also auf den Rentenanbieter, übertragen. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, dass vor Unterzeichnung der kaufvertraglichen Regelungen über eine (Teil-) Auszahlung der Stornoreserveguthaben mit den relevanten Versicherern verhandelt wird.

Sollten Stornoreserveguthaben auf den Rentenanbieter übergehen, so müssen diesbezüglich Auszahlungsmodalitäten und Auszahlungssicherheiten vereinbart werden.

„Brutto für netto“?

Entscheidend für den eigenen Lebensabend sind ausschließlich die Renten-Nettobezüge. Daher empfehlen wir die Konsultation eines Steuerberaters beziehungsweise Wirtschaftsprüfers, um ein Brutto-Netto-Szenario zu berechnen.

Bei Versicherungsmaklern, die zum Beispiel eine Steuervergünstigung gemäß § 16 Absatz 4 EStG (Freibetrag) beziehungsweise § 34 Absatz 3 EStG in Anspruch nehmen (reduzierter Steuersatz auf den Kaufpreiserlös) in Anspruch nehmen können, sollte hinterfragt werden, inwieweit ein Rentenmodell diese Steuervergünstigung möglicherweise konterkariert.

Außerdem sollte man sicherstellen, dass die Rente nicht gekürzt wird, weil unter Umständen darauf eine Umsatzsteuer abgeführt werden muss. Denn die Umsatzsteuer geht grundsätzlich zulasten des abgebenden Maklers.

Wir empfehlen, anhand von beispielhaft geplanten Zahlungsflüssen die Bruttobezüge in Nettobezüge berechnen zu lassen. Diese Nettowerte (gegebenenfalls umzurechnen in einen fiktiven Barwert) sollten dann mit einem konventionellen Nettoverkaufspreiserlös verglichen werden.

Split-Verkauf

Für viele Versicherungsmakler hat die weitere Tätigkeit einen hohen Stellenwert und geht mit der Veräußerung des Bestandes beziehungsweise des Unternehmens einher. In einem solchen Fall sollte (wie bisher auch) die Umsatzsteuerthematik bei fehlender Vermittlungstätigkeit des Rentenanbieters und das Thema Scheinselbstständigkeit – fehlen mehrere Auftraggeber und eigenes Personal – einer Prüfung unterzogen werden.

Denkbar ist auch ein Split-Verkauf (zum Beispiel wird dann ein Großteil des Bestandes an den Rentenanbieter veräußert, ein weiterer Teil des Bestandes – wie zum Beispiel spezialisiertes Gewerbegeschäft – an einen anderen Erwerber). Dann müssen ebenfalls die steuerlichen Konsequenzen geprüft werden.

Hilfreich wäre in diesem Zusammenhang, wenn Steuergutachten des jeweiligen Rentenanbieters vorliegen, um mehr Planungssicherheit zu haben. Liegt ein zweifelhafter steuerlicher Sachverhalt vor, sollte man einen Steuerberater hinzuziehen und eine verbindliche (leider kostenpflichtige) Anfrage bei der Finanzverwaltung vornehmen.

Haftungsunterschiede und ...

Haftungsunterschiede ergeben sich einerseits aus gesetzlichen Regelungen und andererseits aus individualvertraglichen Vereinbarungen. Spezialisierte Rechtsanwälte helfen dabei, Haftung zu vermeiden oder einzuschränken.

In den meisten Fällen planen die Rentenanbieter die Transaktionsform eines Asset-Deals (Verkauf einzelner Rechte und gegebenenfalls Güter, „Bestandsverkauf“). Im Vergleich zu einem Share-Deal (Anteilsverkauf) birgt dieser datenschutzrechtlich größere Risiken.

… Datenschutzrisiken

Im schlimmsten Fall wäre es sogar möglich, dass die gesamte Transaktion im Nachhinein aufgrund datenschutzrechtlicher Pflichtverletzungen (nach Vorgaben der DSGVO) für unwirksam erklärt wird. Damit würde auch die Rentenzahlung ausbleiben.

Sowohl die rechtliche als auch die steuerliche Situation wird maßgeblich durch die Transaktionsform beeinflusst. Es stellt sich die Frage, ob für den Übergeber ein Bestandsverkauf (gegebenenfalls noch mit weiteren Wirtschaftsgütern) oder ein Anteilsverkauf (zum Beispiel Verkauf von Anteilen einer GmbH) in Frage kommt.

Da das Thema des Datenschutzes immer stärker in den Fokus gerät und durch die Umsetzung der DSGVO im letzten Jahr vermehrte Aufmerksamkeit erlangt, kann vor der Transaktion auch eine Rechtsformänderung im Sinne des Umwandlungsgesetzes sinnvoll sein.

Vorbereitungen zur späteren Umsetzung eines Rentenmodells

Von „vorbereitenden“ Vereinbarungen zur Umsetzung eines Rentenmodells zu einem späteren Zeitpunkt, warnen wir an dieser Stelle ausdrücklich. Sei es die „vorsorgliche“ Übertragung von Beständen auf einen Rentenanbieter, seien es mögliche Optionsverträge. Beides schränkt die Verhandlungsfreiheit zu einem späteren Zeitpunkt, bis hin zur Unverkäuflichkeit an einen anderen potenziellen Käufer, ein.

Damit kann auch die Kaufpreisoptimierung durch das Nutzen einer verstärkten Nachfrage an Maklerbeständen/ Maklerunternehmen erheblich leiden.

Projekt bekannt, Projekt verbrannt

Eine außerordentlich wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung ist die Wahrung der Vertraulichkeit eines Verkaufsvorhabens. Mit einem Rentenanbieter sollte daher sichergestellt werden, dass dieses Vertraulichkeitsgebot strengstens eingehalten wird.

Bei einem Verkaufsbegehren sollte man daher möglichst anonymisiert über einen Dritten (zum Beispiel über einen vertrauenswürdigen Geschäftsfreund oder einen professionellen Dienstleister) die erste Kontaktaufnahme organisieren, um danach eine strikte Vertraulichkeit zwischen den Parteien zu vereinbaren.

Hier ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich, denn durch die versehentliche Nennung weniger Details lässt sich auf das Verkaufsobjekt beziehungsweise auf den Übergeber schließen (zum Beispiel durch die Nennung des Unternehmenssitzes und einer bestimmten fachlichen Ausrichtung). Hier gilt die alte Regel: „Projekt bekannt, Projekt verbrannt“.

Der Beitrag ist der dritte Teil einer Artikelreihe zum Thema Maklerrente. Die zuvor veröffentlichten Teile eins und zwei finden sich im Archiv (VersicherungsJournal 10.1.2018, 11.1.2018).

Christian Lüth

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der ibras GmbH. Diese ist spezialisiert auf Fragen des Kaufs und Verkaufs von Maklerbeständen und -unternehmen sowie Nachfolgeregelungen von Versicherungsmaklern.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Bestandsverkauf · Datenschutz · Einkommensteuer · Marketing · Rente · Storno · Verkauf · Versicherungsmakler
 
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