Unterirdisches Vermittler-Image erregt die Gemüter

23.9.2021 – Um das Ansehen des Versicherungsvertreters ist es laut der „Bürgerbefragung öffentlicher Dienst 2021“ alles andere als gut bestellt. Dem Vertreter – und in einer Art „Sippenhaft“ dem gesamten Versicherungsvertrieb – bringt kaum ein Bürger ein hohes Ansehen entgegen. Dieses Thema hat zahlreiche Leser des VersicherungsJournals zu Kommentaren animiert.

Ganz tief im Keller ist das Image des Berufsstands der Versicherungsvertreter. Und das schon seit vielen Jahren, wie die seit 2007 vom DBB Beamtenbund und Tarifunion durchgeführte „Bürgerbefragung öffentlicher Dienst“ Jahr für Jahr eindrucksvoll zeigt. In der Umfrage wird unter anderem auch das Ansehen bestimmter Berufsgruppen in der Bevölkerung ermittelt.

Schon traditionell sind die Vertreter das Schlusslicht. Auch in der aktuellen Auflage landete dieser Berufsstand abgeschlagen auf dem letzten Platz. Nicht einmal jeder zwölfte Befragte bringt dem Versicherungsvertreter ein „(sehr) hohes“ Ansehen entgegen.

Großes Leserecho auf Berichterstattung

Der Artikel zu diesem Thema: „Berufe-Ranking: Erneut heftige Klatsche für Versicherungsvertreter“ (VersicherungsJournal 21.9.2020), hat unter den VersicherungsJournal-Lesern für großen Wirbel gesorgt und sie zu zahlreichen Zuschriften und Kommentaren animiert.

Eine so wichtige Aufgabe wie Risikomanagement und Versicherungs-Vermittlung verdient einen deutlich besseren Ruf.

Stephan Best

Für den Leser Stephan Best sind die Umfrageergebnisse einfach nur bitter. „Eine so wichtige Aufgabe wie Risikomanagement und Versicherungs-Vermittlung verdient einen deutlich besseren Ruf“, hebt er in seinem Leserbrief hervor.

Ursachenforschung für schlechtes Image

Zahlreiche Leser haben auch Ursachenforschung betrieben. So meint etwa Kristian Müllenholz, die Ergebnisse seien „ja vielleicht auch eine Frage der Fragestellung und des Gefragten. Fragt man nach ‚Versicherungs-Vermittlern‘, würde ich ein ganz anderes Bild erwarten als bei der Frage nach „Ihrem Außendienst-Ansprechpartner bei der Kranken-/ Hausrat-/ Haftpflicht-/ Kfz-/...- Versicherung”.

Ein noch einmal anderes Bild würde er bei denjenigen erwarten, „bei denen die Versicherung und der Außendienst schon mal mehr geleistet haben als unfallfrei die Beiträge einzuziehen“, so Müllenholz in seiner Zuschrift.

Auch der Leser Rainer Stieber merkt an, es sei eine alte Tradition, dass der Versicherungsvermittler im Ansehen der Bevölkerung am Ende landet. Das spiegele wider, was man ja wisse, aus Funk und Presse und vom Verbraucherschutz. Völlig anders sehe es bei der Frage nach dem persönlichen Versicherungsvermittler aus. Der persönliche Vermittler genießt in zahlreichen Untersuchungen ein sehr hohes Ansehen.

„Es ist eben ein Unterschied, ob man danach fragt, was man ja weiß, oder nach der persönlichen Erfahrung“, zeigt sich Stieber in seinem Leserbrief überzeugt. Im Hinblick auf die Spitzenreiter merkt er an: „Die allgemeine Frage wird immer die Helferberufe an die Spitze bringen. Die persönliche Frage bietet ein differenzierteres Bild. Traue keiner Umfrage, die Du nicht selbst gestaltet hast.“

Assekuranz-Bashing

Nach Ansicht des Lesers Gerhard Göddecke verdankt der Assekuranzvertrieb den letzten Platz auch der Politik. So habe SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in einer „Anne-Will-Sendung” suggeriert, dass die Versicherungsvermittler ihre Provisionen für ihre Arbeit beim Kunden „mit der Schubkarre rausfahren”.

Göddecke wirft die Frage auf, warum nicht eine Umfrage unter den von Ärzten Geschädigten gemacht werde, „denen der Versicherungsvermittler die Rechtsschutz- und Berufsunfähigkeits-Versicherung oder sogar die Hinterbliebenen-Versorgung ‚angedreht‘ hat, die jetzt bitter benötigt werden? Und unter den Händen eines Versicherungs-Vermittlers ist noch kein Kunde gestorben“, meint er in seinem Kommentar.

Auch gewichtige brancheninterne Gründe

In diesem Zusammenhang macht der Leser Joachim Hutschenreuther darauf aufmerksam, dass das Berufsbild des Versicherungsvertreters auch schon lange vor Olaf Scholz am Ende der Skala rangiert habe. „Und das liegt daran, dass sich hier viele Laien unter dem Deckmantel einer IHK-Registrierung austoben dürfen, die sie persönlich nie erlangt haben“, so seine Meinung.

Zum schlechten Image habe auch das „unsägliche“ Modell der Strukturvertriebe beigetragen, die auch noch dem Papst ein Doppelbett verkaufen würden. Irgendwann hätten die Verbraucher vielleicht bemerkt, dass sie von manchem Vertrieb nur noch als „Leo” wahrgenommen würden.

„Provisionsexzesse wie in der privaten Krankenversicherung (Stichwort: Göker) haben der Branche geschadet. Eine schlechte Nachricht verbreitet sich bekanntlich besser als die gute Nachricht, dass viele Kollegen ehrlich und gut vermitteln“, erläutert Hutschenreuther in seiner Zuschrift.

Mangelnde Unterstützung aus den Vorstandsetagen

Brancheninterne Ursachen für das schlechte Image sieht auch der Leser Siegfried Hartmann. Er bemängelt in seinem Leserbrief das fehlende Interesse vieler Vorstände an verstärkter Imagewerbung für den Versicherungs-Außendienst. Die Manager hätten in der Regel noch nie eine Beratung vor Ort miterlebt.

Vielmehr regiere dort überwiegend der „Digitalisierungswahn. In diesen Etagen herrscht verstärkt die Idee, mittels der Digitalisierung Vertriebsprovisionen sparen zu wollen. Nur leider ersetzen diese Medien keine anspruchsvolle Versorgungsberatung“, so Hartmann.

Weder unsere selbsternannten Verbraucherschützer noch digital agierende Vergleichsportale können eine qualitativ hochwertige Versorgungsberatung ersetzen.

Siegfried Hartmann

Er führt aber auch noch andere Gründe an: „Leider lassen unsere Verbraucherschutzmedien sowie viele öffentliche Presseorgane seit Jahrzehnten keine Möglichkeit aus, unseren Berufsstand schlechtzureden, was schlicht ein Skandal ist.

Wer, wenn nicht der Versicherungs-Außendienst ist in der Lage, zum Beispiel Unternehmern eine anspruchsvolle gute Versorgungsberatung angedeihen zu lassen? Weder unsere selbsternannten Verbraucherschützer noch digital agierende Vergleichsportale können eine qualitativ hochwertige Versorgungsberatung ersetzen.“

Und ist der Ruf erst ruiniert…

Hartmanns Fazit: „Kein Wunder, dass unser Ruf nicht besser geworden ist. Selbst die mittlerweile sehr anspruchsvollen verpflichtenden Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen seitens der IHK sowie unserer Branchenverbände, welche folgerichtig zu massiven Ausdünnungen der Versicherungsvertriebe in den vergangenen 20 Jahren geführt haben, konnten an dem negativen Ruf des Versicherungsvertreters nichts ändern.

Für den Leser Wilfried Harmann reichen die Ausbildungsstandards allerdings nicht aus. Voraussetzung sollten nach seiner Meinung „eine abgeschlossene Berufsausbildung (IHK) und mindestens eine zweijährige Berufstätigkeit in einem Versicherungs-Unternehmen sein, bevor eine Tätigkeit als Versicherungsvertreter in Betracht kommt“.

Darüber hinaus vertritt er die Ansicht, dass der reine Policenverkäufer aus dem Berufsbild verschwinden – und eine Regulierungsvollmacht im einfachen Massengeschäft dazu gehören sollte.

Er zeigt sich in seinem Kommentar von Folgendem überzeugt: „Solange Versicherungs-Unternehmen nur auf hohe Umsätze setzen und die Qualität des angetragenen Geschäftes hinten anstellen, bleibt der im Schnellkurs zum Versicherungsvertreter Avancierte in der öffentlichen Wahrnehmung Schlusslicht“.

Leserbriefe zum Artikel:

Hubert Gierhartz - Berufsbild „Versicherungsfuzzi“: geldgeil und keine Ahnung. mehr ...

 
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