Tierdirekt: Veterinäre als Partner gewinnen

16.10.2019 – Während in anderen europäischen Nationen mit Tierkranken-Versicherungen schon richtig Geld verdient wird, liegt hierzulande das Potenzial noch weitgehend brach. Neueinsteiger wie Petplan, DFV und Tierdirekt versuchen das für sich zu nutzen. Der Assekuradeur der Munich Re will jetzt ein erprobtes Vertriebsmodell aus Schweden und England auf den deutschen Markt übertragen.

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In den Markt der Tierkranken-Versicherungen kommt Bewegung: 2019 stiegen einige neue Anbieter in diese Sparte ein. Die DFV Deutsche Familienversicherung AG erweiterte ihr Portfolio um die Tierkrankenversicherung „Petprotect“ in drei Varianten (VersicherungsJournal 16.5.2019).

Der Marktführer in Großbritannien Pet Plan Limited, eine Tochtergesellschaft der Allianz Insurance plc, die zur Allianz Global Group gehört, startete hierzulande mit der Tiergarant Versicherungsdienst GmbH die Vertriebsmarke Petplan.

Deutscher Markt bietet Potenzial

Stephan Haverkamp (Bild: Bernd Kassner)
Stephan Haverkamp
(Bild: Bernd Kassner)

Im Juni dieses Jahres nahm der Assekuradeur und Vermittler Tierdirekt GmbH der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re) seine Geschäftstätigkeit auf. Das Unternehmen bietet Policen für Hunde, Katzen und Kaninchen an.

„In Deutschland haben wir bei Tierkranken-Versicherungen gerade mal eine Marktdurchdringung von einem bis 1,5 Prozent. In Ländern wie Großbritannien sind es etwa 30 Prozent, in Schweden sind sogar 90 Prozent der Hunde krankenversichert“, sagt Dr. Stephan Haverkamp, Geschäftsführer des jungen Unternehmens. Das verspreche viel Potenzial.

Die Kosten für Vorsorge, Operation und Nachbehandlung summieren sich für Tierhalter schnell zu hohen finanziellen Belastungen (Medienspiegel 13.2.2017). Den Bedarf, Wünsche und Befürchtungen dieser Zielgruppe an Tierkranken-Versicherungen ermittelten 2018 die Gothaer Versicherungen in einer Umfrage (8.8.2018).

Vertrieb über Tierärzte

Haverkamp (49) bringt in dieser Sparte einiges an Erfahrung mit. Der Agrarwissenschaftler und Informatiker arbeitete in seiner 17-jährigen Versicherungslaufbahn für LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster a.G., Allianz SE und Munich Re, hier für die Rückversicherung und den Aufbau von Tierkranken-Versicherern weltweit.

Hinter dem Startup mit derzeit fünf Mitarbeitern, davon zwei Tierärztinnen, steht als Risikoträger die Great Lakes Insurance SE, ein Unternehmen der Munich Re. Für die Hundehaftpflicht arbeitet der Assekuradeur mit der NV-Versicherungen VVaG zusammen.

Beim Verkauf als auch der Tarifgestaltung will Tierdirekt laut Haverkamp „in Deutschland neue Wege gehen“. Neben dem Direktvertrieb werden Kooperationen mit Tierarztpraxen und -kliniken, Zuchtverbänden und Tierheimen aufgebaut.

Vermittler und Vergleichsportale bleiben hier außen vor. „Diesen Weg wollen wir nicht beschreiten, denn die Provisionen müssten wir an die Kunden weiterreichen. Das würde auf Kosten unserer Leistungen gegenüber den Kunden gehen“, so der Geschäftsführer.

Mit den Tierärzten, die mit uns zusammenarbeiten, treffen wir sogenannte Tippgeber-Vereinbarungen.

Dr. Stephan Haverkamp, Geschäftsführer der Tierdirekt GmbH

Vorteile für Partner

„Mit den Tierärzten, die mit uns zusammenarbeiten, treffen wir sogenannte Tippgeber-Vereinbarungen, damit sie nicht in die Vermittlerschiene rutschen“, erklärt Haverkamp. Eine Provision gebe es für die Veterinäre nicht. Der Vorteil für die Tiermediziner liege in der Transparenz des Produktes und im Praxisalltag insbesondere in der elektronischen Leistungsprüfung, so der Gründer.

Über eine Schnittstelle kann der Arzt die Rechnung an Tierdirekt übermitteln und weiß, dass der offene Betrag beglichen wird. Zusätzliche spare er sich die Diskussion mit dem versicherten Halter über die anstehenden Kosten für die Behandlung.

Von den etwa 6.100 niedergelassenen Tierärzten für Kleintiere peilt der Geschäftsführer bis Jahresende eine Zusammenarbeit mit 500 Veterinären an. Für weitere Kooperationen mit großen Tierbedarfshändlern wie Fressnapf oder Zooplus zeigt sich der Manager offen.

Die Preisgestaltung richtet sich dann nach der Ausschlussliste.

Dr. Stephan Haverkamp, Geschäftsführer der Tierdirekt GmbH

Einheitlicher Tarif mit Selbstbehalt

Auch bei der Tarifgestaltung will sich das Unternehmen vom Wettbewerb absetzen. „In der Tierkranken-Versicherung machen die Gesellschaften in Deutschland immer das Gleiche: Sie bieten jeweils drei Produktvarianten an, die entweder Operationen absichern oder eine Vollversicherung bieten. Die Beitragsgestaltung richtet sich dann nach der jeweiligen Ausschlussliste“, meint der Gründer.

Dieses Modell führe im Leistungsfall regelmäßig zu Diskussionen um den versicherten Leistungsumfang. Tierdirekt „setzt auf ein Produkt, bei dem sich die Beitragsgestaltung nicht nach Ausschlusslisten, sondern nach wählbaren Selbstbehalten richtet“, so Haverkamp.

Das Startup offeriert einen einheitlichen Tarif für Hunde, Katzen und Kaninchen. Der Versicherungsnehmer wählt seinen Tarif über einen jährlichen Selbstbehalt von null Euro, 85 oder 175 Euro (Kaninchen: 35 Euro möglich).

Kostenerstattung von 8.000 Euro im Jahr

Für Hunde und Katzen erstattet der Anbieter dann im Jahr tierärztliche Leistungen in Höhe von 8.000 Euro (Kaninchen: 3.000 Euro). Spezielle Operationen des brachycephalen Syndroms wie bei Möpsen schließt der Anbieter aufgrund tierethischer Bedenken allerdings aus.

Die Wartezeit beträgt nach Angaben des Assekuradeurs acht Wochen, Katzen und Hunde werden bis zum sechsten Geburtstag krankenversichert. Ein mitttelgroßer Mischlingshund könnte mit einem Selbstbehalt von 85 Euro für 40 Euro im Monat versichert werden.

Den Breakeven peilen wir im Laufe des nächsten Jahres an.

Dr. Stephan Haverkamp, Geschäftsführer der Tierdirekt GmbH

Ziele für 2020

Als Wettbewerber im deutschen Markt hat der Geschäftsführer Anbieter wie Uelzener Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft a.G., Agila Haustier Versicherung AG, Allianz Versicherungs-AG, Helvetia Versicherungs-AG, Petplan und Petprotect der DFV im Blick. Er nennt aber auch Gothaer Allgemeine Versicherung AG und Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG, die OP-Tarife offerieren.

Für das nächste Jahr prüft Tierdirekt sein Portfolio für Exoten, Vögel und Pferde zu erweitern. Neben den 500 Tierärzten, die der Geschäftsführer als Partner gewinnen möchte, sollen „rund 5.000 Policen an Hundehalter“ verkauft werden.

Derzeit lebt das Unternehmen noch vom Kapital der Investoren. „Den Breakeven peilen wir im Laufe des nächsten Jahres an“, so Haverkamp.

 
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