Rentenmodelle für Maklernachfolge lassen viele Fragen offen

10.1.2019 – Mindestens fünf Marktteilnehmer („Rentenanbieter“) gewähren Maklern („Rentenbeziehern“) nach eigenen Angaben eine (Leib-) Rente gegen Übertragung ihres Bestandes beziehungsweise ihrer Unternehmensanteile. Neben rein wirtschaftlichen Betrachtungen sind bei diesem Modell auch rechtliche und steuerliche Fragen zu klären. Besonders sensibel sind auch Fragen zum Bestand und zu dessen weiteren Betreuung. Der Nachfolge-Experte Christian Lüth erklärt in einem dreiteiligen Gastbeitrag, worauf zu achten ist.

WERBUNG

Derzeit steigt das Angebot von Rentenmodellen für Versicherungsmakler, die ihre Nachfolge planen. So erreicht uns von Maklern immer häufiger die folgende Frage: „Was halten Sie von den neuen Angeboten einer Rente für die Übertragung meines Bestandes?“

Hier ist eine differenzierte Analyse des „Renten-Angebots“ unter Abwägung aller Vor- und Nachteile erforderlich. Ob ein Verkauf eines Maklerbestandes beziehungsweise -unternehmens zugunsten einer zugesagten (lebenslangen) Rente sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal mit „ja“ oder „nein“ beantworten.

Rentenanbieter

Bisher treten die nachfolgenden Anbieter mit einem Rentenversprechen für Versicherungsmakler an:

  • Die Allfinanztest.de GmbH Deutschland veröffentlicht, dass die Ruheständler dabei die Möglichkeit haben, schon innerhalb der ersten sechs Jahre das Fünffache der Jahrescourtage einzunehmen. Dabei sollen alle administrativen Aufgaben im Backoffice übernommen werden und der Ruheständler hätte weiterhin Zugriff auf die Kundenverwaltung.
  • Die Simplr Versicherungsservice GmbH, bei der die Blau Direkt GmbH & Co. KG mit einer Patronatserklärung aufwartet, bietet eine zeitlich unbegrenzte Fortzahlung von 100 Prozent der Bestandscourtage an (VersicherungsJournal 4.6.2018).
  • Die Jung DMS & Cie. AG (JDC) räumt nach eigenen Angaben dem Vertriebspartner ein Recht auf Bestandskauf ein, wenn in den vergangenen drei Jahren ein Großteil der Bestände bei diesem Pool geführt und ein Großteil des Geschäfts über diesen Pool eingereicht worden ist.
  • Die PMA Finanz- und Versicherungsmakler GmbH bietet neben dem Aufkauf mit einer (ratierlichen) Kaufpreiszahlung als Alternative eine lebenslange Rente an.
  • Die SDV Servicepartner der Versicherungsmakler AG bewirbt die sogenannte Maklergarantierente, womit sich der Makler in Form eines Beteiligungsmodells eine lebenslange Rente aus dem Bestand erwirbt.
  • Relativ neu propagiert die Policen Direkt Versicherungs-Vermittlung GmbH verschiedene Rentenmodelle auf der Website Maklerkauf.de.
WERBUNG
Kennen Sie Ihren Marktwert?
Mit einem Stellengesuch in unserem Anzeigenmarkt finden Sie ihn heraus.
Kostenlos und unter Chiffre...

Steuerliche und rechtliche Prüfung

Christian Lüth (Bild: privat)
Christian Lüth (Bild: privat)

Die einzelnen (von uns nicht im Detail geprüften) Rentenangebote sind nicht nur untereinander, sondern auch mit konventionellen Transaktionen (bei denen es im Übrigen auch eine Verrentung geben kann) schwer vergleichbar. Da hier der Teufel im Detail steckt, müssten sämtliche Vertragsangebote (Kaufvertrag und gegebenenfalls Zusammenarbeitsvertrag) in allen Einzelheiten geprüft werden.

Vermeintlich kleine Formulierungs-Unterschiede können dabei erhebliche rechtliche und steuerliche Auswirkungen haben. Insofern müsste sich der Versicherungsmakler intensiv mit den vertraglichen Regelungen auseinandersetzen und sich in jedem Fall steuerlich und rechtlich beraten lassen.

Einzelne zu überprüfende Aspekte, die mit dieser Art der Nachfolgeregelung verbunden sind, werden im Nachfolgenden vorgestellt.

Standardvertrag oder individuell ausgehandelter Kaufvertrag

Um viel Zeit und Geld zu sparen, ist es sinnvoll, dass Makler, die an dieser Nachfolgelösung interessiert sind, vorab eine eher technische Frage an den Rentenanbieter stellen. Dabei sollte geklärt werden, ob der Rentenanbieter ausschließlich einen standardisierten Vertrag anbietet oder offen für einen individuell ausgehandelten Kaufvertrag (und gegebenenfalls bei weiterer Tätigkeit des Maklers auch für einen Zusammenarbeitsvertrag) ist.

Die standardisierten Verträge könnten unter Umständen für den Makler derart nachteilig sein, dass man sich bei fehlender Individualisierung lieber gleich auf konventionelle Art und Weise dem Thema der Nachfolgeregelung nähert.

Betreuungskonzept und …

Für die meisten kleineren und mittleren Maklerunternehmer stehen nicht allein wirtschaftliche Aspekte wie beispielsweise die Kaufpreishöhe im Vordergrund. Die Erwartungshaltung ist, eine gesicherte und kontinuierliche persönliche Kundenbetreuung nach der Übergabe zu gewährleisten.

Die Erfahrung zeigt, dass gerade bei einem relativ weichen Auswahlkriterium wie der Kundenbetreuung die Erwartungshaltungen zwischen Übergeber und Übernehmer weit auseinanderliegen liegen können.

Deshalb sollte nachgefragt werden, wie das Betreuungskonzept konkret aussieht. Sind zum Beispiel telefonische oder/und persönliche Kundenbetreuung, regelmäßige Kundenkontakte vorgesehen, wird es einheitliche oder wechselnde Ansprechpartner für den Kunden geben?

Ist ausschließlich eine elektronische Direktbetreuung (oder „Eigenbetreuung“ des Kunden) durch den Rentenanbieter vorgesehen, sollte geprüft werden, ob das dem eigenen Betreuungsanspruch genügt. Außerdem bestünde die Möglichkeit, durch eine „Hausfrauenbefragung“ bei den Kunden festzustellen, ob diese ein derartiges Betreuungskonzept akzeptieren würden.

… der „unbekannte Dritte“

Der Rentenanbieter könnte sich auch vorbehalten, dass die Kunden des abgebenden Vermittlers von einem Dritten betreut beziehungsweise beraten werden können. Dann besteht das Risiko, dass der Makler den möglicherweise „unbekannten Dritten“ im Vergleich zu einem konventionellen Verkauf gar nicht erst persönlich kennenlernt.

In diesen Fällen bietet es sich auch an, die Vergütungsanreize des jeweiligen Rentenanbieters zu hinterfragen. Damit könnte man sicherstellen, dass die angestammten Kunden nicht ständig auf Neuabschlüsse (weil vielleicht nur diese gegenüber dem „unbekannten Dritten“ honoriert werden) angesprochen werden.

Dieser Beitrag ist der erste Teil einer Artikelreihe zum Thema Maklerrente. Teil zwei und drei werden in den kommenden Tagen auf VersicherungsJournal.de veröffentlicht.

Christian Lüth

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der ibras GmbH. Diese ist spezialisiert auf Fragen des Kaufs und Verkaufs von Maklerbeständen und -unternehmen sowie Nachfolgeregelungen von Versicherungsmaklern.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Bestandskauf · Kundenverwaltung · Marketing · Rente · Verkauf · Versicherungsmakler · Versicherungsvermittlung
 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Verkaufssituationen erfolgreich gestalten

„Der doofe Kunde hat wieder mal nicht unterschrieben!“
Und welche Ausrede nutzen Sie?

Wie man Kunden auf Augenhöhe begegnet, erfahren Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
8.6.2017 – Auf dem Kongress Digisurance 2017 gaben unter anderem die Versicherungsgruppen Basler, Ergo, Helvetia und VKB vielfältige Einblicke in ihre innovativen Projekte. Dabei wurden vielversprechende Perspektiven, aber auch ernsthafte Hindernisse offenbart. (Bild: Flexperto) mehr ...
 
14.1.2019 – Seit einiger Zeit werden Vermittlern Rentenmodelle für die Maklernachfolge angeboten. Über kritische Punkte wie den Split-Verkauf, Storno, Haftung und Datenschutz informiert Christian Lüth, Experte für die Maklernachfolge, im letzten Teil seines Gastbeitrags. (Bild: privat) mehr ...
 
11.1.2019 – Mittlerweile bieten fünf Marktteilnehmer Maklern eine Rente gegen Bestandsübertragung an. Über die finanziellen Voraussetzungen hierfür sowie Fragen zu Courtagen und Renten informiert Christian Lüth, Experte für die Maklernachfolge, im zweiten Teil seines Gastbeitrags. (Bild: privat) mehr ...
 
27.8.2018 – Versicherungsmakler gehen immer später in den Ruhestand, teilweise weil sie keinen Nachfolger finden. Zu den Ursachen und den Erfolgsfaktoren gelungener Verkäufe wollen Forscher mehr Transparenz schaffen. Dabei ist die Mithilfe der Betroffenen gefragt. (Bild: Wichert) mehr ...
 
22.1.2018 – Nicht nur die Vermittler müssen ab Ende Februar neue Regeln bei der Weiterbildung beachten, sondern auch die Weiterbildungsanbieter. Wie gut sie vorbereitet sind und welche Tipps sie für Vermittler haben, zeigt eine kleine VersicherungsJournal-Umfrage. (Bild: Pixelio/Andreas Hermsdorf) mehr ...
 
12.4.2016 – Die Digitalisierung zu mehr Wirtschaftlichkeit nutzen, lautet die Devise der Zeit. Dass sich die Effizienz im Vermittlerbüro bereits mit einfachen Mitteln steigern lässt, zeigt Professor Dr. Jan Ostarhild an einem konkreten Rechenbeispiel. (Bild: DHBW Stuttgart) mehr ...
 
26.2.2016 – Die Kanzlei Michaelis hatte gestern bei ihrer Fachtagung die Frage gestellt: „Wie verdopple ich als Makler meinen Unternehmenswert, ohne einen Euro Kapitaleinsatz?“ Die Antworten darauf waren vielfältig. (Bild: Jeworrek) mehr ...
 
28.1.2016 – Beim Makler Funk bahnt sich ein Generationenwechsel an, die Geschäftsleitung wurde um gleich vier Personen erweitert. Auch bei der Deutschen Makler Akademie, der Generali, bei Maxpool und bei der Zurich gibt es personelle Veränderungen in den Chefetagen. (Bild: Funk Gruppe) mehr ...
 
18.1.2016 – Vermittler können sich über Serviceleistungsmodelle alternative Verdienstmöglichkeiten erschließen. Doch wie reagieren die Kunden, machen sie dabei mit? Antworten hierzu gibt eine Umfrage des VersicherungsJournals. (Bild: VersicherungsJournal) mehr ...
 
6.1.2016 – Das Attribut „neu“ gilt unter Marketing-Fachleuten meist als Verkaufsargument. Dass „neu“ aber nicht unbedingt den Markt auf den Kopf stellt, zeigt das Update einer Berufsunfähigkeits-Versicherung. Ein Gastbeitrag von Philip Wenzel. (Bild: Doris Köhler) mehr ...
WERBUNG