WERBUNG

PSD2: Versicherer verlieren im Wettbewerb um die Kundengunst

12.9.2019 – Fin- und Insurtechs bleiben auf dem digitalen Weg wichtige Verbündete für Versicherer. Konkurrenz bekommen die Gesellschaften von Anbietern wie Banken und Vergleichsportalen, die sogenannte „Financial-Homes“ für Endkunden bereitstellen und Finanz- und Versicherungsangebote dank PSD2 bündeln und aufbereiten. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie von Oliver Wyman.

WERBUNG

Der Wettbewerbsdruck auf Versicherer und Banken wird weiter zunehmen. Die größten Herausforderungen gehen dabei von Plattformen aus, die für Verbraucher digitale Finanz- und Versicherungsangebote auswerten und aufbereiten, sogenannte „Financial Homes“.

Zu dieses Ergebnis kommt eine aktuelle „Financial Needs“-Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman GmbH zum Thema Versicherungen. An der Befragung im 1. Quartal 2019 nahmen jeweils 1.000 Endverbraucher aus dem Vereinigten Königreich, Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien teil.

Gefahr durch Banken oder Finanzapps

Die größte Gefahr gehe für Versicherer künftig nicht von Insurtechs aus. Als bevorzugte Anbieter eines Financial Homes sehen ein Drittel der Teilnehmer an der Wyman-Studie eher Banken oder Finanzapps. Versicherer spielen hier in der Kundenwahrnehmung eine eher untergeordnete Rolle.

„Enormes Potenzial“ sehen die Berater für das Financial Home durch den Zugang zu den Bankkonten der Kunden und den damit verbundenen Analysemöglichkeiten. Denn so könnten die Plattformen den Konsumenten konkrete Empfehlungen geben, was die Auswahl oder Optimierung von Finanzprodukten oder Versicherungen betrifft.

PSD2 bereitet Weg für Financial-Home

Dieses Szenario ermöglicht die EU-Zahlungsdienst-Richtlinie PSD2. Banken müssen jetzt auch Drittanbietern einen standardisierten Zugang zum Konto ihrer Kunden gewähren. Voraussetzung ist dabei die Zustimmung des Endkunden. Die Bereitschaft dazu ist bei Verbrauchern gegenüber Versicherern vergleichsweise hoch (VersicherungsJournal 3.12.2018).

Die Versicherungs-Unternehmen wissen um das Potenzial, das ihnen die EU-Richtlinie eröffnet. Erste Projekte, um hier mitzuspielen, stellten Allianz Deutschland AG, Nürnberger Versicherungen und R+V Versicherung AG bereits vor (9.9.2019).

Präferenzen (Bild: Wyman)
n=5.000 (Bild: Wyman)

Vergleichsportale rüsten auf

Im Wettbewerb um die Gunst der Kunden stehen aber nicht nur etablierte Unternehmen wie Versicherungen oder Banken, sondern auch Fintechs wie die Bank-Sapi Technology GmbH oder die Optiopay GmbH.

Diese Firma arbeitet bereits mit Gesellschaften wie der Fonds Finanz Maklerservice GmbH (20.3.2019), der Gothaer Allgemeine Versicherung AG (16.1.2019), der HDI Versicherung AG und der Axa Versicherung AG (2.5.2018) zusammen.

Beim Verteilungskampf im Bereich Financial Home mischen aber auch Plattformen wie die Check24 Vergleichsportal GmbH und die Verivox GmbH mit. Check24 wird sich im kommenden Jahr an der Endkundenfront breiter aufstellen und hat dafür bereits bei der Bafin eine Vollbanklizenz beantragt (6.9.2019).

Neuausrichtung von Kunde und Anbietern

Wie sich in diesem Wettbewerb große digitale Player (Big Techs), etwa Amazon, Apple und Google, in Europa gegenüber den Verbrauchern künftig positionieren werden, ist bisher noch unklar.

Sicher ist aber laut der Unternehmensberater von Wyman, dass Bewegung in den Markt kommt. „Der Trend zum Financial Home hat das Potenzial, die etablierten Beziehungen zwischen Anbietern und Kunden in der Finanz- und Versicherungsbranche aufzubrechen und die Marktanteile neu zu verteilen“, erklärt Dietmar Kottmann, Partner und Verantwortlicher für das Versicherungsgeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) bei Oliver Wyman.

Hauptgründe (Bild: Wyman)
Mehrere Antworten möglich; n=5.000 (Bild: Wyman)

Banken und Apps liegen in der Kundengunst vorne

Als bevorzugter Anbieter für ein Financial Home stehen für 62 Prozent der von Wyman Befragten die Banken an erster Stelle, gefolgt von Finanzberatungs-Apps (17 Prozent). Dagegen belegen Versicherungs-Unternehmen mit 14 Prozent den dritten Platz, allerdings noch vor den großen US-Technologiekonzernen (sechs Prozent).

Doch Versicherer haben nach Ansicht der Studienteilnehmer auch Stärken. So geben diejenigen Befragten, die einen Versicherer als bevorzugten Anbieter für ein Financial Home ausgewählt haben, folgende Hauptgründe dafür an: Sicherheit (39 Prozent), „natural fit to provide“ (frei übersetzt: idealer Produktgeber) (26), die Technologie (25) sowie das Vertrauen in die Marke und den guten Ruf (19).

„Da Banken von den Verbrauchern als bevorzugter Anbieter gesehen werden, wird es nur wenigen Versicherern gelingen, selbst umfassende digitale Plattformen zu entwickeln. Deswegen sollten sie sich als attraktiver Partner für Financial Homes anderer Anbieter aufstellen“, meint Kottmann von Wyman.

Schlagwörter zu diesem Artikel
App · Beitragsrückerstattung · Insurtech · Marketing · Marktanteil · PSD2 · Unternehmensberater · Versicherungsaufsicht
 
WERBUNG
WERBUNG
Treffen Sie das VersicherungsJournal ...

... auf der Hauptstadtmesse am 17. September (Stand 69). Wir freuen uns schon auf Ihren Besuch und zahlreiche interessante Gespräche.

Nehmen Sie vor Ort außerdem an unserem Quiz teil und gewinnen mit etwas Glück ein Buch aus dem Verlagsprogramm!

WERBUNG
Chatten Sie schon oder fahren Sie noch?
Bild: Pixabay, CC0

Wie kommen Sie zum Kunden? Und was kostet Sie dieser Kundenkontakt?

Das VersicherungsJournal-Extrablatt (21. Oktober) berichtet rund um die Mobilität. Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen als Vermittler teilhaben. Wie? Mit einer kurzen und anonymen Leser-Umfrage, die sie über diesen Link erreichen.

WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Welcher Vertriebstyp sind Sie?

Das Spektrum der Persönlichkeitstypen reicht vom Krieger bis zum Verführer.

Was passiert, wenn sie im Kundengespräch aufeinandertreffen?

Weitere Informationen finden Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
9.9.2019 – Die PSD2-Richtlinie eröffnet Versicherern neue Vertriebswege und Zielgruppen. Unternehmen der Branche bringen sich jetzt mit konkreten Projekten in Stellung, um ihre Chancen auch zu nutzen. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
19.10.2017 – Daniel Schreiber, Chef des Fintech-Versicherers Lemonade, verrät im Interview des Insurtech-Experten Dr. Robin Kiera seine Erfolgsgeheimnisse, Hindernisse der Startphase und seine Ambitionen in Deutschland. Außerdem schätzt er die Innovationskraft und Überlebenschance traditioneller Versicherer ein. (Bild: Lemonade) mehr ...
 
7.6.2017 – Manch ein Start-up-Gründer mag als schrille Erscheinung durchgehen: Die neuen digitalen Konzepte zeigen jedoch, dass einiges an versicherungs-technischen Kenntnissen vorhanden ist. Ein Gastbeitrag von Dr. Moritz Finkelnburg. (Bild: privat) mehr ...
 
22.3.2019 – Der Konzern ist im Geschäftsjahr 2018 markt-überdurchschnittlich gewachsen. Dabei wurde verstärkt auf innovative Produkte, betriebliche Versorgungslösungen und die Digitalisierung von Prozessen gesetzt. (Bild: Ullrich) mehr ...
 
15.2.2019 – Die wichtigsten Konkurrenten eines Versicherungsvermittlers sind nicht andere Vermittler, sondern Onlineportale wie Amazon, schreibt der Unternehmensberater Boris-Alexander Beissner in seinem Gastbeitrag. Er plädiert für eine Plattformstrategie als Geschäftsmodell. (Bild: privat) mehr ...
WERBUNG