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Örag will eigene Rechtsanwalts-Kanzleien betreiben

11.2.2020 – Auf der Suche nach neuen Geschäfts- und Erfolgsmodellen schaut sich die Branche immer mehr von Start-ups ab. Auf einer Fachkonferenz berichteten unter anderem Örag-Vorstand Andreas Heinsen und Frank Kettnaker von der Alten Leipziger von neuen Vorgehensweisen. DVAG-Vorstand Lach rief zu mehr Engagement bei den Regulierungs-Bestrebungen auf.

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„Die Kaufbereitschaft ist so hoch wie noch nie. Deutsche Kunden sind sogar bereit, Erfolgshonorare von 30 Prozent zu zahlen. Das hätte ich nie gedacht“, sagte Andreas Heinsen, Vorstand der Örag Rechtsschutz-Versicherungs-AG am Montag auf der MCC-Konferenz „Versicherungsvertrieb der Zukunft“. Heinsen spielt damit auf Start-ups wie die Flightright GmbH an, die für Passagiere die Entschädigung bei Flugverspätungen durchsetzt.

Andreas Heinsen (Bild: Lier)
Andreas Heinsen (Bild: Lier)

Abgeguckt

Die Legal Techs würden die Versicherer hin zu den Rechtsdienstleistungen treiben. Man werde die Modelle „adaptieren, aufsaugen und verdrängen“, so Heinsen. So hätten es die Rechtsschutzversicherer auch seinerzeit mit den plötzlich aufgekommenen Firmen für telefonische Rechtsberatung gemacht. Diese Dienste hätten auch Eingang in die Angebote der rund 50 Rechtsschutzversicherer gefunden.

Das einst sehr strikt ausgelegt Rechtsdienstleistungs-Gesetz werde von niederschwelligen Beratungsangeboten aufgeweicht. Die Rechtsprechung unterstütze dies. Bei den Legal Techs gebe es viele Anwendungen, die die Rechtsversicherer übernehmen könnten. Man wolle sich vom Kostenerstatter zum Rechtsdienstleister wandeln.

Die Örag arbeite strategisch darauf hin, eigene Rechtsanwalts-Kanzleien zu betreiben oder finanziell zu unterhalten. Für die eigenen Mitarbeiter sei es zudem auch attraktiver, wenn sie ihre Kompetenzen als Rechtsanwälte verkaufen könnten. „Wir haben die Fähigkeiten und nehmen ein paar Euros in die Hand“, so Heinsen.

Kunden sprechen mit

Frank Kettnaker (Bild: Lier)
Frank Kettnaker (Bild: Lier)

Über neue Vorgehensweise bei der Produktentwicklung berichtete Frank Kettnaker, Vorstand des Alte Leipziger-Hallesche-Konzerns. Man sei weg vom „wir bauen, was wir haben und was wir können, und geben das jemandem, der es dann verkauft“.

So habe sein Haus vor einigen Jahren für die Erstattungstarife in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) eine Verbesserung gesucht. Denn die Erstattungsbeträge seien für die Kunden letztlich nicht ersichtlich gewesen. Ein neues Modell mit Höchststufe 100 Prozent bis Maximalbetrag und acht verschiedenen Bausteinen habe man kurz vor der Markteinführung gekippt, weil es prozessual und preislich schier unmöglich war.

Crowd Marktforschung und Design Thinking – Arbeitsmethoden, bei denen potenzielle Kunden in verschiedenen Arten und zu verschiedenen Phasen befragt werden – hätten dann zum Budgettarif geführt. Dieser komme bei den Kunden an. Die bVK mache bereits 20 Prozent des Neugeschäftes aus.

Intensiver Lobbying betreiben

Die Versicherer sollten sich nach Einschätzung von Dr. Helge Lach stärker um die Regulierung des gesamten Finanzsektors kümmern und intensiver Lobbying betreiben.

Helge Lach (Bild: Lier)
Helge Lach (Bild: Lier)

„Wenn ein Vermittler 15 Prozent mit der Beratung von Finanzanlagen verdient und ihm fällt das aufgrund zunehmender Regulierungs-Anforderungen weg, dann muss der Versicherer letztlich gucken, wie er ihm diese Lücke finanziert, will der die Vertriebskraft nicht gänzlich verlieren“, sagte Dr. Helge Lach, Vorstand der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG).

„Noch ist der Versichererbereich einen Ticken weniger reguliert, aber das will man glatt ziehen.“ Seiner Beobachtung nach sind die Banker in der Politik aktiver und besser vernetzt. „Da darf man sich dann als Versicherer nicht wundern, wenn die Banken in der politischen Meinungsbildung das Sagen haben.“

Uneinigkeit der Branche

Zur geringen Teilnahme von Versicherungsvorständen an entsprechenden Veranstaltungen in Berlin geselle sich die Uneinigkeit der Branche. Sowohl innerhalb des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) als auch bei den fünf Vermittlerverbänden gebe es unterschiedliche Interessen und teils sogar gegensätzliche Positionen.

„Das ist eine Katastrophe für die Politik.“ Als Branche sei man es selbst schuld, wenn die Politik Vorhaben dann nach eigener Einschätzung umsetze. Die Einzelinteressen gingen gar soweit, dass auch der Provisionsdeckel von – zumindest einem – Lebensversicherer gefordert werde. Dieser wolle damit seine Kostenstrukturen des Bankenvertriebs in den Griff bekommen.

 
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