Neuer Leitfaden zu BU-Urteilen für die Biometrie-Beratung

11.2.2019 – In dem kürzlich erschienenen Buch „Rechtliche Fallstricke in der Berufsunfähigkeits-Versicherung“ werden wichtige Urteile zu dieser Sparte zusammengefasst und ihrer Bedeutung nach eingeordnet. Geschrieben hat es der Fachanwalt Björn Thorben M. Jöhnke. Er erklärt darin grundlegende Begriffe und informiert über Haftungsfragen. Der Vermittler erhält dabei relevantes Beratungswissen zu Aspekten wie der spontanen Anzeigeobliegenheit oder des Nachprüfungsverfahrens, schreibt Makler Philip Wenzel in seiner Buchrezension.

WERBUNG

Urteile zu lesen, ist mühsam, und Urteile zu verstehen, erfordert eine Menge an Vorwissen. Dem durchschnittlichen Versicherungsvermittler dürfte es nahezu unmöglich sein, ein Urteil und seine Bedeutung für die alltägliche Beratung einzuordnen. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es Handbücher genannte Kommentare, die aber oft mehrere Tausend Seiten dick sind.

Deshalb gilt für viele Vermittler schon für die Beratung das, was sprichwörtlich nur vor Gericht und auf hoher See der Fall sein sollte: Sie befinden sich allein in Gottes Hand.

Urteile zur Berufsunfähigkeits-Versicherung

Der Fachanwalt und frühere Versicherungsmakler Björn Thorben M. Jöhnke hat nun im vergangenen Dezember im Wolters Kluwer Verlag den Ratgeber „Rechtliche Fallstricke in der Berufsunfähigkeits-Versicherung“ veröffentlicht. Vermittlern wird damit ein Leitfaden an die Hand gegeben, der die für die Beratung zur Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung wichtigen Urteile verständlich zusammenfasst.

Der Aufbau des knapp 150 Seiten umfassenden Buches folgt den Stadien der Vermittlung bis zum Leistungsfall. Interessant ist, dass das Niveau immer mehr zunimmt. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Biometrie-Beratung für den Leser Neuland ist.

Begriffe erklärt

Im einleitenden Kapitel wird die Berufsunfähigkeits-Versicherung zunächst beschrieben und eingeordnet. Hilfreich sind die Hinweise, der Vermittler solle dem Kunden auch erklären, was es bedeutet, dass die BU-Versicherung eine Summenversicherung und keine Schadenversicherung ist.

Denn dem Kunden ist ohne Vorwissen vielleicht nicht klar, dass die BU-Versicherung bei 50 Prozent Berufsunfähigkeit eben 100 Prozent der vereinbarten Leistung erbringt. Von wenigen Ausnahmen mit einer anderen prozentualen Verteilung mal abgesehen.

Auch ist es hilfreich, den BU-Begriff mal von dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit abzugrenzen. So sollte der Kunde wissen, dass beides nicht gleichzeitig vorliegen kann, da die Berufsunfähigkeit dauerhaft und die Arbeitsunfähigkeit vorübergehend sein muss. Denn dann wird ihm auch klar, dass das Krankentagegeld und die Berufsunfähigkeits-Versicherung nicht zeitgleich leisten können.

Rechtsanwalt Jöhnke weist in diesem Zusammenhang sehr richtig auf eine mögliche Rückforderung des Krankentagegeld-Versicherers hin, auf die der Vermittler seinen Kunden unbedingt hinweisen sollte.

Einteilung in fünf rechtliche Stadien

Im Hauptteil unterteilt Jöhnke seine Darstellung in fünf rechtliche Stadien der Berufsunfähigkeits-Versicherung. Das erste Stadium stellt logischerweise die Beratung dar und diese beginnt für einen Anwalt mit dem Maklervertrag. Denn in diesem liegen die ersten Fallstricke, die den Vermittler in eine Haftung bringen können – viel häufiger als die oftmals kolportierte Produkthaftung für das falsch ausgewählte Produkt.

Beim Punkt Beratung selbst geht Jöhnke vertieft auf die Herausforderungen bei einem Wechsel des Versicherungsvertrags ein. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Gesundheitsfragen.

Es sei zwar lobenswert, wenn der Vermittler sich die Patientenakte zukommen lässt, um eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht zu vermeiden. Für den Vermittler kann aber eine nicht zu unterschätzende Haftung entstehen, wenn er bewertet, was aus der Akte angabepflichtig sei und was nicht.

Ausführung zur spontanen Anzeigeobliegenheit…

Ganz besonders lesenswert ist die Ausführung zur spontanen Anzeigeobliegenheit, die der Fachanwalt mit sechs Urteilen vom Landesgericht bis zum Bundesgerichtshof untermauert.

Die Urteile werden nicht nur angeführt, sondern ausführlich erklärt und in der Bedeutung eingeordnet. So ist es jederzeit möglich, den Schlussfolgerungen Jöhnkes zu folgen. Diese sind, nebenbei bemerkt, immer in sich schlüssig dargestellt, so dass sie nachvollziehbar sind. Selbst wenn man anderer Meinung ist.

…und zum Versicherungsfall oder Nachprüfungsverfahren

Im Stadium zwei widmet sich das Buch dem Versicherungsfall. Gerade hier herrscht große Unsicherheit unter den Vermittlern, da auch bei großen und alten Beständen der BU-Leistungsfall nicht an der Tagesordnung ist.

Die Ausführungen zu Stadium drei befassen sich mit der rechtlichen Vertretung des Versicherten und das vierte Stadium beschäftigt sich mit dem Prozess. Da diese beiden Punkte für den Vermittler nur am Rande interessant sind, gibt Jöhnke hier auf gerade einmal fünf Seiten auch nur einen groben Überblick.

Stadium fünf widmet sich dem Nachprüfungsverfahren. Für den Vermittler, der einen BU-Leistungsfall begleitet, wird die Darstellung auch wieder deutlich interessanter. Dem zollt das Buch Tribut, indem die Ausführungen wieder ausführlicher werden.

Als Abschluss benennt Jöhnke seine Top Fünf der häufigsten Vermittlerfehler.

Lesetipp

Unterm Strich betrachtet, gelingt es dem Hamburger Fachanwalt einprägsam und kurzweilig, die wichtigsten Urteile zur Beratung von Berufsunfähigkeits-Versicherungen nicht nur zu sammeln, sondern auch verständlich zu kommentieren. Wahrscheinlich trägt seine Erfahrung als Versicherungsmakler zur Verständlichkeit bei.

Das Buch ist sowohl ein gelungener Einstieg in die Welt der Biometrie als auch eine gute Fortbildung für den erfahrenen Vermittler.

Björn Thorben M. Jöhnke: „Rechtliche Fallstricke in der Berufsunfähigkeitsversicherung – Haftungsfallen für Versicherungsvermittler in der Biometrie-Beratung“, ISBN 978-3-89699-521-6, 1. Auflage 2018, 144 Seiten, Wolters Kluwer Deutschland. Das Buch ist im Onlineshop des Verlags unter diesem Link für 12,90 Euro zu beziehen.

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für die Freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG tätig.

 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Alles reine Spekulation?

Fondsgebundene Versicherungen sind meist erklärungsbedürftig.

Wie Sie Ihren Kunden die Produkte näherbringen und erfolgreich Verkaufsgespräche führen, erklärt Ihnen ein ausgewiesener Fondsexperte.

Für mehr Informationen klicken Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
6.1.2016 – Das Attribut „neu“ gilt unter Marketing-Fachleuten meist als Verkaufsargument. Dass „neu“ aber nicht unbedingt den Markt auf den Kopf stellt, zeigt das Update einer Berufsunfähigkeits-Versicherung. Ein Gastbeitrag von Philip Wenzel. (Bild: Doris Köhler) mehr ...
 
23.11.2015 – Innovation ist zurzeit das Schlagwort in der Altersvorsorge. Die Ideal nimmt diese Devise auch für ihr neues Produkt mit Baukastensystem in Anspruch. Das Produktkonzept hat sich Makler Philip Wenzel angeschaut. (Bild: Doris Köhler) mehr ...
 
2.7.2015 – Die Bewertung einer Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung bewegt sich zwischen den Polen Zugangsmöglichkeit und Qualität. Wie sich das Produkt des Versicherers in diesem Spannungsfeld behauptet, untersucht Makler Philip Wenzel. (Bild: Wenzel) mehr ...
 
18.5.2015 – Mit seiner Berufsunfähigkeits-Versicherung hat sich der Versicherer auf neues Terrain begeben. Bekannte Elemente kombiniert mit neuartigen Leistungen machen sie interessant für den Vertrieb, meint Makler Philip Wenzel in einem Gastbeitrag. (Bild: Wenzel) mehr ...
 
13.4.2015 – Wenn der Körper streikt, stehen viele Berufsgruppen ohne finanzielle Sicherheiten da. Für sie kann eine Grundfähigkeits-Absicherung interessant sein. Stärken und Schwächen des Nürnberger-Tarifs hat Makler Philip Wenzel untersucht. (Bild: Wenzel) mehr ...
 
27.3.2015 – Produktvergleiche gehören zum täglich Brot eines Maklers. Wer keinen Marktüberblick hat, steht bereits mit einem Bein in der Haftungsfalle. Was aber, wenn sich Tarife gar nicht mehr vergleichen lassen, fragt Versicherungsmakler Philip Wenzel. (Bild: Wenzel) mehr ...
 
24.3.2015 – Bei Barmenia denkt der Vermittler in der Regel an Krankenversicherung. Falsch, meint Makler Philip Wenzel. In einem Gastkommentar analysiert er das Berufsunfähigkeits-Angebot des Versicherers und ist dabei auf eine neue Infektionsklausel gestoßen. (Bild: Wenzel) mehr ...
WERBUNG