23.7.2020 (€) – Die älteren Vermittler müssen trotz Erreichen des Rentenalters weiterarbeiten, jüngere Vertriebler unter 55 Jahren denken dagegen ans Aufgeben. Grund ist die fehlende finanzielle Perspektive, wie das „Maklerbarometer 2020“ von Policen Direkt belegt.
Das laufende Jahr hält nur wenige positive Nachrichten für Vermittler bereit. Negative Trends für den unabhängigen Vertrieb sehen auch die Autoren des „Maklerbarometers 2020“ der Policen Direkt Versicherungs-Vermittlung GmbH (VersicherungsJournal Medienspiegel 16.7.2020).
Umsatzeinbrüche in der Coronakrise zwingen ältere Versicherungsmakler auch als Rentner weiterzuarbeiten: 60 Prozent der über 55-Jährigen gaben bei der Umfrage der Unternehmensgruppe an, über das gesetzliche Rentenalter weiter arbeiten zu wollen oder wohl auch zu müssen.
Das heißt, „dass sie [die Makler] die Bestandscourtage mit einer fortlaufenden Rente gleichsetzen und Kunden gar nicht oder nur noch auf Anfrage betreuen“, lautet die Schlussfolgerung in einer Mitteilung von Policen Direkt.
Das „Maklerbarometer 2020“ und die genannten Aussagen basieren auf einer Online-Befragung vom 26. Mai bis 15. Juni. 463 Teilnehmer haben den Fragenkatalog laut der Frankfurter Unternehmensgruppe komplett beantwortet.
67 Prozent der Versicherungsmakler befürchtet Einbußen bis Ende 2021
Die Mehrheit der über 65-Jährigen (67 Prozent) hat die eigene Nachfolge im Maklerbetrieb noch nicht eingeleitet. Bei den Vermittlern ab 70 Jahre haben 40 Prozent noch keinen Plan, wer nach ihnen auf dem Chefsessel Platz nehmen soll.
Entsprechend der Auswertung stehen aber nicht nur ältere Selbstständige unter Druck: Auch jeder sechste jüngere Vertriebler unter 55 Jahre denke aktuell ans Aufhören. „Über alle Altersgruppen hinweg sehen sich durch die Corona-Pandemie mehr als fünf Prozent existenzbedrohenden finanziellen Nöten ausgesetzt“, schreibt dazu Policen Direkt.
Grund für die genannten Aspekte könnte die fehlende Perspektive im Versicherungsvertrieb sein: Die Mehrheit mit 67 Prozent der befragten Makler glaubt an finanzielle, negative Auswirkungen der Coronakrise „bis mindestens Ende 2021“.

- Maklerbarometer 2020 (Bild: Policen Direkt)
Einbrüche in allen Sparten der Versicherungsbranche prognostiziert auch eine Studie von EY-Parthenon Financial Services GmbH. In der Folge komme es zu einer Konsolidierung bei Maklern und Ausschließlichkeits-Agenten, so die Berater (VersicherungsJournal 22.7.2020).
Kein Preisverfall für Qualitätsbestände von Versicherungsmaklern
49 Prozent der Teilnehmer am Maklerbarometer sieht einen Rückgang im Personengeschäft, 30 Prozent verzeichnen deutliche Einbußen im Sachgeschäft. Bei 39 Prozent ist die Zahl der Serviceanfragen erheblich gestiegen. Für Makler heiße das, „mehr Arbeit bei gleichzeitig geringeren Einnahmen“.
„Besonders betroffen sind abschlussorientierte Geschäftsmodelle, Unternehmen mit Gewerbekundenfokus und Betriebe, die mit rein analogen Prozessen arbeiten. Wer jetzt noch auf Fremdkapital angewiesen ist, hat es besonders schwer“, sagt Dr. Philipp Kanschik, Geschäftsleitungs-Mitglied bei Policen Direkt und verantwortlich für Technologie-Entwicklung und Maklernachfolge.
Laut Maklerbarometer 2020 wolle jeder fünfte Bestandskäufer aus dem Markt aussteigen. Kleinere und lokale Käufer würden ausfallen, weil ihnen die Erfahrung fehlt. „Bestandskäufer werden zunehmend größer und digitaler“, so die Einschätzung von Kanschik.
Für Qualitätsbestände sieht der Experte für Maklernachfolge keinen Preisverfall: „Das gilt im besonderen Maß für Makler, die eine starke Bindung zu ihren Kunden haben und die dazugehörigen Daten digital vorliegen haben und gut pflegen.“




