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Bestandsverkauf: Die normale Besteuerung tut weh

21.10.2019 – Die Steuerbelastung bei einem Bestandsverkauf ist hoch. Wie sie sich berechnet, hängt von der Rechtsform ab; etwa ob der Bestand aus einem Einzelunternehmen oder einer GmbH heraus verkauft wird. Noch mehr kommt es allerdings darauf an, ob die Veräußerung steuerlich als laufender Vorgang oder als Unternehmensverkauf gewertet wird. Die Unterschiede und Möglichkeiten erläutert Steuerberater Daniel Ziska in seinem Gastbeitrag.

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Oft sind es die einfachen Fragen, die für den Experten schwierig zu beantworten sind. Zum Beispiel „Welche Krankenversicherung soll ich abschließen?“ oder auch „Was passiert eigentlich steuerlich, wenn ich meinen Bestand verkaufe?“.

Da Steuern eine recht individuelle Angelegenheit sind, erhält man mitunter die unbeliebte Expertenantwort „Es kommt darauf an“. Das ist genauso richtig wie wenig hilfreich. Aber auch wenn jedes Unternehmen und Steuerleben seine Besonderheiten hat, kann man die großen Linien gut an einfachen Beispielen erkennen.

Praxisbeispiel

Die Versicherungsmaklerin Karoline Stiewig betreibt ihr Unternehmen über die ABC Versicherungsmakler GmbH in Bonn. Sie möchte ihren Bestand verkaufen. Es soll ein Kaufpreis von 400.000 Euro gezahlt werden.

Kein attraktiver Steuersatz

Wird der Verkauf steuerlich als normaler, laufender Vorgang gewertet, so wird der Gewinn aus dem Verkauf zu dem übrigen Einkommen von Frau Stiewig (aus dem oberen Beispiel) hinzugerechnet. Sie zahlt auf den Gewinn eine Einkommensteuer (inklusive des Solidaritätszuschlags) von meist 44,3 bis 47,5 Prozent. Hinzu kommt die Kirchensteuer, wenn Frau Stiewig Kirchenmitglied ist.

Auch die Gewerbesteuer muss man bedenken. Diese Steuer schmerzt zwar nicht so sehr, denn sie wird auf die Einkommensteuer angerechnet – allerdings nur bis zu einem Maximalbetrag. Verlangt die Gemeinde eine höhere Gewerbesteuer, bleibt ein nicht anrechenbarer Rest übrig, der die Steuerlast erhöht.

Frau Stiewig hat ihr Büro in der Stadt Bonn. Dort zahlt sie eine Gewerbesteuer von 17,2 Prozent. Davon werden rund 13,3 Prozentpunkte auf ihre Einkommensteuer angerechnet; übrig bleiben nicht anrechenbare 3,9 Prozent.

Die Steuerlast auf den Bestandsverkauf könnte also zwischen 48,2 und 51,4 Prozent des Verkaufsgewinns betragen. Das ist kein sehr attraktiver Steuersatz.

Umsatzsteuer droht

Leider kommt es noch schlimmer: Die Umsatzsteuer droht.

Daniel Ziska (Bild: GPC)
Daniel Ziska (Bild: GPC)

Der Bestandsverkauf ist nicht automatisch umsatzsteuerfrei, anders als die normale Tätigkeit als Versicherungsmaklerin und ihre Courtageeinnahmen. Ist der Verkauf nämlich auch aus umsatzsteuerlicher Sicht ein laufender Vorgang des Unternehmens, so fällt eine Umsatzsteuer von rund 16 Prozent des Kaufpreises an. Ein schwacher Trost ist, dass man weniger Einkommen- und Gewerbesteuer zahlt, weil die Umsatzsteuer den steuerpflichtigen Gewinn mindert.

Wenn alle Steuern gezahlt sind, bleiben im schlimmsten Falle von den 400.000 Euro nur rund 170.000 Euro übrig. Da ist die Kirchensteuer noch nicht mitgerechnet.

Geht das auch besser?

„Steuersparfestival“ für Unternehmensverkäufe

Ist der Bestandsverkauf steuerlich ein Unternehmensverkauf, sieht es plötzlich ganz anders aus. Man zahlt keine Gewerbesteuer, der Vorgang unterliegt nicht der Umsatzsteuer und die Einkommensteuer könnte bei freundlichen 20 bis 25 Prozent liegen, je nachdem, welche anderen Einkunftsquellen Frau Stiewig hat.

Wer das Steuerrecht ein wenig kennt, der ahnt, dass die Maklerin diese Vorteile nicht einfach so erhält. Das wichtigste ist, dass sie mit dem Bestand tatsächlich alles Wesentliche ihres Unternehmens an den Käufer abgibt und danach ihr Unternehmen und die bisherige Tätigkeit auch nicht weiterführt. Hat man das erreicht, so ist schon einmal die Gewerbe- und Umsatzsteuer außen vor.

Die Probleme können aber im Detail liegen: Was gehört zu den wesentlichen Grundlagen des Unternehmens von Frau Stiewig? Kann sie zukünftig doch noch in gewissem Umfange tätig sein?

Kann man die Fragen zufriedenstellend beantworten, ist man frei von Gewerbe- und Umsatzsteuer. Es bleibt nur noch die Frage, wie man zu einem günstigen Einkommensteuersatz kommt. Frau Stiewig muss mindestens 55 Jahre alt sein und den Steuersatz in ihrer Einkommen-Steuererklärung beantragen. Auch darf sie den Steuersatz nicht schon früher einmal genutzt haben, denn man kann diese Option nur einmal im Leben ziehen.

Wäre die GmbH eine Alternative?

Wie wäre die Situation für Karoline Stiewig, wenn sie den Bestand aus ihrer GmbH heraus verkaufen würde?

Bei der GmbH und den anderen Kapitalgesellschaften wie einer Unternehmergesellschaft oder eine Aktiengesellschaft funktioniert die Besteuerung ganz anders als bei Einzelunternehmen.

Die ABC Versicherungsmakler GmbH zahlt auf ihren Gewinn ihre eigenen Ertragssteuern, nämlich 15,825 Prozent Körperschaftsteuer (inklusive Solidaritätszuschlag) und in Bonn die bekannten 17,2 Prozent Gewerbesteuer, zusammen also rund 33 Prozent. Die Steuersätze bleiben gleich, egal wie hoch das Einkommen ist.

Gewinnausschüttung als einkommensteuer-pflichtige Einnahme

Eine Steuerbelastung von 33 Prozent klingt natürlich besser als die Belastung zwischen 48,2 und 51,4 Prozent, die beim Einzelunternehmen genannt wurden. Der Unterschied ist nur, dass die 400.000 Euro in diesem Moment noch Geld der ABC Versicherungsmakler GmbH sind. Frau Stiewig kann das Geld nach ihrem Gusto für die GmbH nutzen, es zum Beispiel investieren. Allerdings kann sie es nicht einfach für sich selbst und ihre private Zwecke verwenden.

Möchte sie in den Urlaub fahren, die Miete zahlen oder Geld an ihre Kinder verschenken, so muss die GmbH das Geld an Frau Stiewig ausschütten. Die Gewinnausschüttung ist für Frau Stiewig eine einkommensteuer-pflichtige Einnahme. Allerdings gibt es einen „Rabatt“ auf die Einkommensteuer von Frau Stiewig, da ihre GmbH ja vorher schon einmal Ertragssteuern auf den Gewinn gezahlt hat.

Durchgerechnet zahlt Frau Stiewig noch einmal rund 17,7 Prozent an Steuern auf die Ausschüttung, so dass sich die Gesamtbelastung auf 50,7 Prozent summiert. Das liegt dann wieder auf dem Niveau, das wir vom Einzelunternehmen her kennen. Auch hier würde die Kirchensteuer hinzukommen.

Gibt es das Umsatzsteuerproblem auch bei der GmbH? Ja, das Problem ist für die GmbH gerechterweise identisch zum Einzelunternehmen. Die Gesamtsteuerlast steigt dann auf schwindelerregende 58,5 Prozent.

Steuerlich zu optimieren?

Die Frage ist, ob man bei der GmbH ebenso wie beim Einzelunternehmen steuerlich dadurch optimieren kann, dass das Ganze als Unternehmensverkauf gewertet wird.

Ein maßgeblicher Vorteil wäre, dass auch bei der GmbH die Umsatzsteuer wegfällt, wenn es um einen Unternehmensverkauf geht. Darüber hinaus gibt es aber keine besonderen Steuersätze oder Vorteile, die man ernten könnte.

Fazit

Beim Bestandsverkauf ist die Steuerbelastung am höchsten, wenn er als laufender Vorgang behandelt wird. Die Steuerbelastung tendiert dann oft in Richtung von 60 Prozent.

Egal, in welcher Rechtsform man sein Versicherungsmakler-Unternehmen betreibt, zuerst sollte man versuchen, die Umsatzsteuer zu eliminieren. Dies gelingt, wenn der Bestandsverkauf als Unternehmensverkauf gewertet werden kann.

Ist das geklärt, so hängt es von der Rechtsform ab: Wird der Bestand aus einem Einzelunternehmen heraus verkauft, so kann man zumindest die Gewerbesteuer sparen, wenn auch hier der Vorgang als Unternehmensverkauf angesehen wird.

Hat man die notwendige persönliche Qualifikation, insbesondere seinen 55. Geburtstag gefeiert, so winkt ein besonderer Steuersatz, der nur rund die Hälfte des Normalsatzes ausmacht.

Daniel Ziska

Der Autor, Steuerberater und Fachberater für Internationales Steuerrecht, ist Vorstand der GPC Tax AG Steuerberatungsgesellschaft. Diese setzt ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Branchen Finanzdienstleistung, Versicherung und Immobilien.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Bestandsverkauf · Einkommensteuer · ePa · Firmenverkauf · Immobilie · Maklercourtage · Steuern · Verkauf · Versicherungsmakler
 
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