13.10.2021 (€) – Die Makler kommen gut durch die Coronakrise und sind optimistisch für die weitere Entwicklung. Dies ist das Ergebnis der Trendumfrage des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler unter seinen Mitgliedern.
98 Prozent beurteilten bei der traditionellen Trendumfrage des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler e.V. (BDVM) ihre Geschäftslage in den ersten acht Monaten 2021 als „gut“ oder „befriedigend“. Das sagte Dr. Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand des Verbandes, am Dienstag gegenüber der Presse.
An der Umfrage beteiligten sich 232 (265) Betriebe – repräsentativ über alle Größenklassen hinweg. „Die Makler waren in der Corona Situation so viel gefragt wie nie zuvor.“
Dabei habe der Verband unter anderem mit Webinaren – etwa zur Kurzarbeit – unterstützt. „Wir haben aber auch Glück gehabt, dass die staatlichen Maßnahmen viele Unternehmen aufgefangen habe und damit eine Insolvenzwelle im zunächst befürchteten Ausmaß ausgeblieben ist“, so Jensen.
Man ist aber weit davon entfernt, nicht zu wissen, wohin mit dem Geld.
Dr. Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand des BDVM
Courtage mehrheitlich gestiegen

- Hans-Georg Jenssen (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Grund für die positive Einschätzung waren unter anderem bei 68,5 (61,4) Prozent steigende Courtage-Einnahmen; vor allem in der Sachversicherung. 60 Prozent der Mitglieder meldeten hier gestiegene Umsätze, 26 Prozent konstante und zehn Prozent gesunkene.
Letztere waren oftmals besonders stark in von der Pandemie betroffenen Spezialsegmenten (zum Beispiel Eventversicherung) tätig.
In der Lebens- sowie in der Krankenversicherung fielen die Courtagen hingegen bei 15 beziehungsweise acht Prozent geringer und bei 37 beziehungsweise 46 Prozent konstant aus. Jenssen nannte das Geschäft der Mitglieder „im Durchschnitt stabil, man ist aber weit davon entfernt, nicht zu wissen, wohin mit dem Geld“.
Diese Aussage bezog sich auf Journalistenfragen, inwieweit die Makler von der Verhärtung im industriellen Markt profitieren. Thomas Haukje, Geschäftsführender Gesellschafter Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG und BDVM-Präsident, berichtete, dass die Sanierungswelle in diesem Segment unvermindert weiterginge.
Vertragserneuerungen „wieder sehr ruppig“

- Thomas Haukje (Bild: BDVM)
„Seit mehr als drei Jahren wird zu jeder Prolongation ein neuer Akt im dunklen Sanierungstheater aufgeführt“, so Haukje. Die üblicherweise Ende September beendeten Vertragserneuerungen seien immer noch nicht beendet – und keineswegs „sanft“, wie im Vorjahr nach den Klagen der Industrie versprochen. „Das Renewal läuft aber wieder sehr ruppig.“
„Für uns Makler ist es aktuell anstrengend wie nie. Die unterschiedlichsten Anforderungen der Versicherer zu kanalisieren, zu managen und die richtige Dosis zu finden, das gleicht oft dem Tango auf dem Drahtseil. Täglich müssen wir die Schippe von der Wand nehmen und nach Kapazitäten graben. Langsam wird es knapp in der Kapazitätsmine“, sagte Haukje.
Gleichwohl berichtete er auch, dass in den Sachsparten „endlich etwas Ruhe“ einzukehren scheine und die Forderungen nach höheren Prämien nicht mehr ganz so stark ausfielen. „Trotz Bernd läuft die Prolongation in den Sachsparten im Vergleich der letzten Jahre nicht mehr ganz so wild.“
Problematisch bliebe die Eindeckung von kritischen Risiken wie zum Beispiel Recycling, Holz, Kunststoff, Galvanik oder Fleisch.
Der D&O-Markt spielt weiterhin verrückt.
Thomas Haukje, Präsident des BDVM
In der industriellen Haftpflicht wird es schwieriger
In Haftpflicht zieht der Markt aber an und dies bei sinkenden Kapazitäten und steigenden Prämien vor allem für Risiken wie Automotive, Pharma, Chemie und US-Risiken.
„Der D&O-Markt spielt weiterhin verrückt“, so Haukje. Ausstehende Großschäden wie Wirecard und Greensill hätten neben dem „VW-Schaden“ das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Einige Versicherer kürzten ihre Deckungssummen auf zehn (15) Millionen und verschlechterten die Bedingungen.
Unverändert schwierig ist es den BDVM-Vorständen zufolge bei der Deckung von D&O- sowie von Cyber-Risiken. Bei Cyber zeigten sich die jahrelangen und umfangreichen Beratungen der Kunden durch die Makler endlich Früchte, und nun sind die Versicherer auf dem Rückzug – kollabierende Kapazitäten und explodierende Preise.
Nachhaltige SHU-Produkte fehlen im gewerblichen Bereich praktisch vollständig.
Hartmut Goebel, Vorstand Germanbroker.net
Ehrgeizige Versicherer

- Hartmut Goebel (Bild: Germanbroker.net)
Bei der Umsetzung von ESG-Kriterien warnte der BDVM – wie übrigens auch der GVNW Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. vor einigen Wochen (VersicherungsJournal 10.9.2021) –, dass Zeichnungsrichtlinien schon strikter hinsichtlich der Dekarbonisierung der Wirtschaft seien als staatliche Vorgaben. „Hier müssen wir aufpassen, dass nicht komplette Industrien unter die Räder kommen“, so Haukje.
Hartmut Goebel, Vorstand der Germanbroker.net AG, sagte, dass belastbare Nachhaltigkeitsratings für Lebens- und Kompositversicherer als Corporate und Lieferanten bisher fehlten. „Nachhaltige Sach-HU-Produkte sind in Ansätzen bisher nur für Privatkunden erkennbar. Im gewerblichen Bereich fehlen sie praktisch vollständig.“
Wissen und Interesse, das eigene Maklerunternehmen nachhaltig aufzustellen und eventuell auch zertifizieren zu lassen, seien noch schwach ausgeprägt, sagte Goebel.
Makler wollen im Sozialpartnermodell beraten
Weiteres Thema des Pressegesprächs war die Vergütungsthematik, zu der Jenssen bekannte Positionen darstellte.
Zur Entwicklung und zu Problemen der betrieblichen Altersvorsorge nannte er das „klägliche“ Scheitern des Sozialpartner-Modells (SPM).
Felix Hänsler, Niederlassungsleiter der Südvers Vorsorge GmbH, schlug unter anderem vor, dass das SPM frei beraten werden dürfe. Wären moderne Produkte mit reduzierten, aber „vernünftigen“ Garantien möglich, könne man allen gerecht werde.




