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BdV: Provisionen haben sich seit 1998 fast vervierfacht

8.8.2018 – Der Bundestag wird sich ab September mit dem Evaluierungsbericht des Finanzministeriums zur Wirkungsweise des Lebensversicherungs-Reformgesetzes befassen. Dabei kommt auch der vom Ministerium vorgeschlagene Provisionsdeckels beim Vertrieb von Lebensversicherungen auf den Tisch. Der Bund der Versicherten (BdV) fordert eine Begrenzung auf höchstens 1,5 Prozent. Der GDV hält die Aussagen des BdV für irreführend.

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Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages wird sich frühestens am 12. September mit dem Evaluierungsbericht des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) zur Wirkungsweise des Lebensversicherungs-Reformgesetzes befassen.

Dabei befürwortet das Ministerium die Einführung eines Provisionsdeckels beim Vertrieb von Lebensversicherungen (VersicherungsJournal 17.7.2018, 12.6.2018), ohne aber einen konkreten Vorschlag zu machen.

Axel Kleinlein (Archivbild: Brüss)
Axel Kleinlein (Archivbild: Brüss)

BdV fordert Deckel von 1,5 Prozent

Der Bund der Versicherten e.V. (BdV) hat jetzt nachgerechnet, wie sich die Provisionen seit 1998 entwickelt haben.

Für BdV-Vorstandsprecher Axel Kleinlein ist dabei deutlich geworden, dass die Provisionen gemessen an der garantierten Altersvorsorge noch nie so hoch waren wie heute.

Nach den Berechnungen des BdV hat sich die Höhe der gezahlten Provisionen in den letzten 20 Jahren in etwa vervierfach – und das inflationsbereinigt. Er fordert daher, dass die Provisionen auf 1,5 Prozent der Beitragssumme begrenzt werden.

Die Stellungnahme mit den Berechnungen hat der BdV an das Bundesministerium der Finanzen und den Finanzausschuss des Deutschen Bundestags übermittelt.

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GDV sieht sinkende Vergütungen

Nach Einschätzung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) halten die Aussagen des BdV einer sachlichen Überprüfung nicht stand. Nachweislich seien die vom Kunden zu tragenden Abschlusskosten seit Inkrafttreten des LVRG deutlich gesunken und nicht etwa gestiegen.

Wer heute eine Lebensversicherung abschließe, zahle nach aktuellen Berechnungen des Bundes-Finanzministeriums 22 Prozent weniger für den Abschluss als noch vor vier Jahren, teilte der GDV auf Anfrage mit.

Die an Vermittler gezahlten Abschlussprovisionen seien um fast 13 Prozent gesunken. „Der BdV nimmt diese Fakten leider nicht zur Kenntnis, sondern argumentiert mit einer eigenen Modellrechnung und fiktiven Provisionshöhen.“

Bei einem Deckel bekämen Vermittler laut BdV mehr als 1998

Der BdV hat untersucht, welche Provisionen für eine private garantierte Rente über 1.000 Euro im Monat bei 45-jähriger und 25-jähriger Laufzeit in den Jahren 1998, 2008 und 2018 angefallen sind.

Im Ergebnis habe sich bei dem langlaufenden Vertrag die Provision gegenüber 1998 nahezu vervierfacht, schreibt der BdV in seiner acht Seiten umfassenden Stellungnahme. Bei einer 25-jährigen Ansparphase hätten sich die Provisionen in etwa verdreifacht.

Überhaupt seien die Provisionen derzeit die höchsten, die jemals in der Lebensversicherung für Renten gezahlt worden seien, hält die Stellungnahme fest. Bei Männern seien die Provisionen etwas stärker gestiegen als bei Frauen.

Was vor 20 Jahren auskömmlich war, muss auch heute reichen.

Axel Kleinlein, Bund der Versicherten e.V.

Verbraucherschützer sehen um ein Prozent als ausreichend an

„Mit einem Provisionssatz von 1,5 Prozent wären in 2018 die Provisionen noch immer höher als die Provisionen des Jahres 1998 mit dem damaligen Provisionssatz von vier Prozent.“

Nach den Berechnungen würde 2018 ein Provisionssatz bei 42-jähriger Ansparphase (es wurden auch andere Laufzeiten berechnet) von 0,86 Prozent (Männer) und 1,02 Prozent (Frauen) ausreichen, um das Provisionsniveau von 1998 zu erzielen.

Bei 25-jähriger Laufzeit wären es 1,27 Prozent (Männer) und 1,46 Prozent (Frauen). „Was vor 20 Jahren auskömmlich war, muss auch heute reichen. Deshalb sind 1,5 Prozent die Spitze des Erträglichen“, erklärte Kleinlein. „Alles darüber ist unredlich.“

Wir brauchen auch weiterhin Vermittler aus Fleisch und Blut, deswegen kann eine Provision mit Augenmaß gut und richtig sein.

Axel Kleinlein, Bund der Versicherten e.V.

BdV schiebt Unternehmen die Schuld für den Provisionsanstieg zu

Der Bund der Versicherten sieht keine Notwendigkeit, Provisionen generell zu verbieten. „Wir brauchen auch weiterhin Vermittler aus Fleisch und Blut, deswegen kann eine Provision mit Augenmaß gut und richtig sein“, erklärte Kleinlein weiter.

Die Schuld für die gestiegenen Provisionen sieht Kleinlein bei den Versicherungs-Unternehmen. „Das Problem ist nicht die Gier der Vermittler, sondern die miese Qualität der Tarife“, kritisiert Kleinlein.

Die Tarife seien nicht nur immer teurer geworden, sondern die Produkte seien auch immer schlechter geworden. „Die Vermittler stehen daher in dem Dilemma, nur teure und schlechte Tarife anbieten zu können.“

Diskussion im Finanzausschuss

Der BdV will mit seiner Stellungnahme zur Evaluierung des LVRG eine „intensivere politische Diskussion“ anregen. „Angesichts von Run-off, überbordenden Zinszusatzreserven und hohen Provisionen brauchen wir eine offene Diskussion mit allen Beteiligten“, fordert Kleinlein.

Die Diskussion dürfte zunächst im Finanzausschuss geführt werden. Es ist davon ausgehen, dass der Ausschuss eine öffentliche Expertenanhörung beschließen wird. Auf jeden Fall dürfte die Expertise der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) gefragt sein.

Was tatsächlich gezahlt wird

Die Entwicklung der Vermittlervergütungen in Deutschland zeigt die im VersicherungsJournal-Verlag erschienene Marktübersicht „Provisionen und Courtagen – was die Versicherer ihren Vermittlern zahlen“.

Die Untersuchung von Willis Towers Watson und Professor Dr. Matthias Beenken und Professor Dr. Michael Radtke von der Fachhochschule Dortmund belegt, dass die Margen in der Lebensversicherung deutlich gesunken sind (VersicherungsJournal 20.6.2017).

Leserbriefe zum Artikel:

Axel Götz - Den sozialen Ausgleich in der privaten Vorsorge wahren. mehr ...

Jörg Stutte - Laufende Kosten im Maklervertrieb sind horrend gestiegen. mehr ...

+Hans-Jürgen Kaschak - Die Realität im Maklerunternehmen sieht anders aus. mehr ...

Hubert Gierhartz - Bitte nicht jammern, sondern betriebswirtschaftlich handeln. mehr ...

Radames Verdi - Die Bezugsgröße hat sich stark geändert. mehr ...

Peter Schramm - Die für die gleiche Garantieleistung zu zahlende Provision wurde in die Höhe getrieben. mehr ...

Jürgen Wieting - Axel Kleinlein sollte Finanzminister werden. mehr ...

Volker Riegel - Laufende Einnahmen aus höheren Bestandsprovisionen ein probates Mittel. mehr ...

Manfred Körber - Viel wichtiger wäre es, gemeinsam das Thema private Altersversorgung anzugehen. mehr ...

Martin Seichter - Kunden kaufen nicht eine garantierte Versicherungsleistung. mehr ...

Horst Kraft - Provisionen wurden nicht erhöht, sondern reduziert. mehr ...

 
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