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Wettlauf der Versicherungsbetrüger und der Ermittler

19.11.2018 – Über Versicherungsbetrug spricht die Branche nicht gerne. Klar ist aber, dass es ihn gibt und dies in „relevantem“ Umfang, wie Markus Hofer von der Schadenmanagement-Gesellschaft der deutschen Generali-Gruppe auf einer Fachkonferenz sagte. Mit der Digitalisierung lässt sich Lug und Trug einfacher aufdecken – aber auch besser lügen.

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„Durch die Digitalisierung sinkt die Hemmschwelle. Wir bemerken einen zunehmenden Anteil von Betrugsfällen, der über Internetkanäle zu uns kommt“, sagte Markus Hofer am Freitag auf einer Fachkonferenz in Köln. Manipulationen und Vernetzung würden für die Kriminellen einfacher, so der Geschäftsführer der Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH.

Betrügerische Form der Bildgestaltung

Markus Hofer (Bild: Lier)
Markus Hofer (Bild: Lier)

Hofer beobachtet aber auch einen hohen Anteil an „Wald- und Wiesenbetrügern“, die mittels digitaler Techniken Unterlagen manipulierten – speziell Schadenfotos. Vor allem Vorschäden an Kraftfahrzeugen würden gerne wegretuschiert.

IT-gestützte Bildforensik mache solche Veränderungen aber sichtbar. So könne der Versicherer auch sehen, ob die Metadaten des Bildes zur Schadenschilderung passten. Metadaten verraten beispielsweise, wo und wann das Foto aufgenommen worden ist.

In den Kompositsparten habe die Generali ihre Schadenbearbeitung so ausgerichtet, dass bereits zu Beginn im Hintergrund Software „realtime“ auf Indizien für Betrug prüfe. Dazu setzte man gängige Tools wie HIS und die intelligente Schadenprüfung „ISP“ ein. Entscheidungen, Fälle weiter zu verfolgen beziehungsweise die Regulierung abzulehnen, oblägen aber weiterhin Menschen, so Hofer.

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Gleiches Konto, gleicher Schaden

Dank der großen Datenmengen, die mittels IT inzwischen verarbeitet werden können, ist die Netzwerkerkennung möglich. So lassen sich Zusammenhängen zwischen Schadenbeteiligten erkennen – beispielsweise, wenn ähnliche Schäden alle über ein Konto reguliert werden sollen.

Dank mathematischer Methoden können auch Schadenschilderungen, die sich stark gleichen, aus den Schadenmeldungen herausgefiltert und weiter recherchiert werden. „Wir wollen uns mit diesen Methoden nicht am Markt positionieren, aber wirtschaftlich ist dies für uns ein extrem wichtiges Feld“, so Hofer. Schließlich steht die Generali wie andere auch im strikten Kostenwettbewerb.

Betrug spielt branchenweit bei rund jedem zehnten gemeldeten Schaden eine Rolle. Schätzungen gehen davon aus, dass 16 Prozent der Haftpflicht, neun Prozent der Sach- und sieben Prozent der Kraftfahrtschäden betrügerisch sind (VersicherungsJournal 18.10.2017).

Mit digitalen Techniken lassen sich nach Aussage von Hofer bis zu zwei Prozent mehr Betrugsfälle erkennen. „Wirtschaftlich rechnet sich dies aber und rechtfertigt die zusätzliche Infrastruktur“, so Hofer. Ob der Betrug angezeigt werde, hänge vom Einzelfall ab. Das sei eine Frage der Größe und der Reichweite des Schadens. Die Regulierung werde nur dann abgelehnt, wenn der Sachverhalt auch einer juristischen Prüfung standhalte.

Noch kein Lügendetektor

Effektiver wäre die Betrugsbekämpfung, wenn für den Algorithmen größere Datenmengen zugrunde gelegt werden könnten. „Wir täten uns sicherlich leichter in der Generali-Gruppe, wenn wir im Datenschutz das Konzernprivileg hätten“, sagte Hofer.

Noch besser wäre es natürlich, wenn man auf Branchenebene ein größeres Volumen etabliert bekomme. „Perspektivisch sollte man darüber nachdenken.“

Konferenzteilnehmerin Professor Dr. Michaele Völler vom Institut für Versicherungswesen (IVW Köln) riet, stärker Erkenntnisse der Verhaltenswissenschaft einzubeziehen. Studien zeigten, dass weniger gelogen werde, wenn zu Anfang und nicht erst am Ende die Richtigkeit der eigenen Angaben bestätigt werden müsse.

Ob der Einsatz eines Lügendetektors oder Schadenmeldungen per Video, wie sie das Insurtech Lemonade einfordert, zu richtigen Ergebnissen führt, war unter den Teilnehmern umstritten.

Leserbriefe zum Artikel:

Jürgen Ahn - Schlechte Schadenregulierung provoziert Versicherungsbetrug. mehr ...

 
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