Wer haftet für missglückten Rettungsversuch?

12.7.2019 – Ein Mann hatte sich gegen ein ungesichert geparktes Auto gestemmt, um es daran zu hindern, eine Abfahrt hinabzurollen. Für die dabei erlittene Verletzung muss er sich ein erhebliches Mitverschulden anrechnen lassen. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 5. Juli 2019 hervor (6 U 234/18).

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Die Lebensgefährtin des Klägers hatte ihren Kleinwagen vor dem gemeinsamen Haus geparkt. Dort wurde sie von ihrem Liebsten vor der Haustür erwartet.

Nachdem man sich begrüßt hatte, sprachen die beiden darüber, ob das Auto nicht an einer anderen Stelle abgestellt werden solle. Doch dazu kam es nicht.

Vergessene Sicherung

Denn noch während des Gespräches bemerkte der Mann, dass sich das Gefährt in der abschüssigen Einfahrt rückwärts in Bewegung setzte. Der Grund für das Malheur war, dass es die Frau versäumt hatte, ihren Pkw durch das Einlegen eines Ganges oder zumindest die Betätigung der Handbremse zu sichern.

Der Kläger rannte daher spontan hinter das Auto, um es mit seinen Händen aufzuhalten. Das misslang. Er wurde durch das Fahrzeuggewicht niedergedrückt, überrollt und 20 Meter mitgeschleift. Bei dem Vorfall erlitt er so schwere Verletzungen, dass er reanimiert werden musste.

Wegen der Folgen des Unfalls wollte der Verletzte den Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer seiner Lebensgefährtin in Anspruch nehmen. Das begründete er damit, dass es zu dem Unfall nur deswegen gekommen sei, weil sie es versäumt hatte, ihr Auto gegen ein Wegrollen zu sichern.

Erhebliches Mitverschulden

Dem widersprachen die Richter des Kölner Oberlandesgerichts zwar nicht. Ebenso wie das in erster Instanz mit dem Fall befasste Landgericht der Stadt gaben sie der Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage gleichwohl nur teilweise statt.

Nach Ansicht beider Gerichte muss sich der Verunglückte ein erhebliches Mitverschulden an dem Unfall zurechnen lassen. Sie verwiesen auf die Masse des Personenkraftwagens, dass sich dieser selbständig in Bewegung gesetzt hatte, und der Kenntnis des größer werdenden Gefälles der Einfahrt.

Versuch war aussichtslos

Deshalb habe sich für den Kläger aufdrängen müssen, dass ein Aufhalten des Fahrzeugs durch ein Dagegenstemmen von hinten ausgeschlossen war.

Es sei zwar zu berücksichtigen, dass sich der Verletzte spontan und ohne nachzudenken zum Eingreifen entschieden und dabei objektiv falsch reagiert hatte. Trotz allem sei sein Mitverschuldensanteil so hoch, dass eine Quote von 70 Prozent zu 30 Prozent zu seinen Lasten gerechtfertigt sei.

Die Richter ließen keine Revision gegen ihre Entscheidung zu.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Pkw · Schadenersatz · Schmerzensgeld
 
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