Wer die Riester-Rente abschließt

7.2.2019 – Im Beitragsjahr 2015 erhielten nach jüngst vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Zahlen rund 11,1 Millionen Personen staatliche Zulagen zu ihrem Riester-Vertrag. Dies entspricht einem Anteil von etwa zwei Dritteln an den zum Jahresende 2015 insgesamt abgeschlossenen Verträgen. Fast 40 Prozent der Zulagenempfänger verdienten weniger als 20.000 Euro.

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Im Beitragsjahr 2015 wurden insgesamt 11.105.692 Personen mit einer staatlichen Zulage von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) gefördert (Stand: Zahltag 15. Mai 2018). Dies geht aus kürzlich vom Bundesfinanzministerium (BMF) vorgelegten Zahlen zur Riester-Zulagenförderungen hervor.

Aktuellere Zahlen liegen zwar vor, sind aber wegen des zweijährigen Zeitraums für die Beantragung der Zulagenförderung mit großen Unsicherheiten behaftet. So rechnet das Ministerium für die Daten zu den Zulagen für die Beitragsjahre 2015 und 2017 mit noch „maßgeblichen“ Veränderungen.

Jeder dritte erhält keine Zulage

Setzt man die Zahl der geförderten Personen in Relation zur der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichten Zahl der insgesamt abgeschlossenen Riester-Verträge von 16,489 Millionen (Stichtag 31. Dezember 2015), so ergibt sich eine Quote von gut 67 Prozent. Zum Vergleich: 2011 waren es noch über 70 Prozent, 2008 sogar noch über 75 Prozent.

Anteil der Zulagenempfänger (Bild: Wichert)

Dies bedeutet andersherum auch, dass 2015 fast jeder dritte Riester-Sparer keine staatliche Förderung erhielt. Eine Verteilung auf die einzelnen Riester-Varianten bietet die BMF-Statistik nicht. Auch zu den Ursachen finden sich in dem Zahlenmaterial keine Angaben.

So bleibt offen, ob der vergleichsweise hohe Anteil der Riester-Sparer ohne staatliche Förderung auf eine Ruhendstellung (also ohne Beitragsleistung in der Ansparphase, das BMAS schätzte den Anteil auf ein gutes Fünftel), auf nicht gestellte (Dauer-) Zulagenanträge, keine Zulagenberechtigung oder andere Gründe zurückzuführen ist.

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Deutliche Abnahme im Osten

Dafür zeigen die Zahlen aus dem Finanzministerium, dass 2015 gut die Hälfte der Zulagenempfänger Frauen waren (56,6 Prozent). Mit 19 Prozent stammte rund jeder fünfte Zulagenempfänger aus den neuen Bundesländern (inklusive Berlin).

Während bei der Geschlechterverteilung im Vergleich zu 2010 keine größeren Veränderungen zu beobachten sind, hat der Anteil der geförderten Personen aus dem Osten deutlich abgenommen. Seinerzeit stammte noch fast jeder Vierte aus den neuen Ländern.

Etwa 40 Prozent verdienen brutto weniger als 20.000 Euro

Das BMF-Datenmaterial räumt darüber auch mit einem häufig geäußerten Vorwurf von Verbraucherschützern und den Medien auf. Diese betonen wiederkehrend, dass die Riester-Rente insbesondere von Geringverdienern nicht abgeschlossen werde (VersicherungsJournal Medienspiegel 11.4.2017, VersicherungsJournal Medienspiegel 30.11.2016, VersicherungsJournal 11.4.2016, 8.7.2015, 4.3.2013).

So erzielten 2014 knapp vier von zehn geförderten Personen (ohne mittelbar Berechtigte und Personen, die nur den Sonderausgabenabzug geltend gemacht haben oder bei denen die Zulagenberechtigung ungeklärt ist) ein Jahreseinkommen von unter 20.000 Euro.

Allerdings ist hier eine rückläufige Entwicklung zu beobachten. So lag der Anteil fünf Jahre zuvor noch bei fast der Hälfte. 2008 traf dies sogar noch auf mehr als jeden Zweiten zu.

Geschlechteranteil und Einkommen

Diese Entwicklung ist vor allem auf einen rückläufigen Anteil der Gruppe bis unter 10.000 Euro Jahreseinkommen zurückzuführen. Er hat von 31,3 Prozent (2008) über 26,2 Prozent (2010) auf zuletzt nur noch 19,1 Prozent abgenommen. Allerdings ist diese Einkommensgruppe mit über zwei Millionen Personen weiterhin am stärksten besetzt – und besteht überwiegend aus Frauen (fast vier Fünftel Anteil).

Wenig überraschend – aufgrund der Erwerbsbiographien der Geschlechter – kehrt sich die Verteilung mit zunehmendem Einkommen um. In der Einkommensklasse zwischen 30.000 und unter 40.000 Euro sind erstmals mehr Männer als Frauen vertreten. In der Einkommensklasse ab 50.000 Euro ist der Anteil der Männer sogar fast fünf Mal so groß wie derjenige der Frauen.

Steigender Anteil der Gruppe ab 40.000 Euro Jahreseinkommen

Leicht gestiegen auf rund 36 Prozent ist hingegen der Anteil der Zulagenempfänger mit Jahreseinkommen zwischen 20.000 und unter 40.000 Euro. Deutlich zugenommen hat der Anteil der Zulagenempfänger mit über 40.000 Euro Jahreseinkommen. 2008 war es etwa jeder Sechste, 2010 bereits fast jeder Fünfte und 2014 bereits weit mehr als jeder Vierte.

Einkommensstruktur

Ein Grund für diese Entwicklung dürfte die allgemeine Lohnentwicklung sein. Zwischen 2008 und 2015 gab es beim Durchschnittsentgelt in den alten Bundesländern ein Plus von insgesamt über 15 Prozent. In den neuen Ländern ging es sogar um rund 19 Prozent aufwärts.

In konkreten Zahlen: Arbeitnehmer im Osten mit einem Bruttolohn im Jahr 2008 von 16.900 Euro hatten im Jahr 2015 statistisch gesehen die Marke von 20.000 Euro durchstoßen. Wer 2008 im Westen einen Bruttolohn von 34.800 Euro erzielte, der lag 2015 rein rechnerisch über der Schwelle von 40.000 Euro.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Rente · Riester · Verbraucherschutz
 
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