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Wenn ein Kfz-Versicherer meint, schlauer zu sein als der Gutachter

23.11.2021 – Das Prognose- und Werkstattrisiko trifft einen Schädiger ab Erteilung des Reparaturauftrags durch den Geschädigten. Das gilt unabhängig davon, ob Letzterer die Reparaturrechnung bereits bezahlt hat oder nicht. Dies entschied das Landgericht Saarbrücken in einem Urteil vom 22. Oktober 2021 (13 S 69/21).

Nach einem durch einen Dritten verursachten Verkehrsunfall hatte der Kläger einen öffentlich vereidigten Sachverständigen beauftragt, seinen beschädigten Personenkraftwagen zu begutachten. Der Experte kalkulierte die Reparaturkosten mit 4.163,80 Euro. Die Werkstatt stellte dem Kläger schließlich 4.190,86 Euro in Rechnung.

Dem Kfz-Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers wurde das Gutachten vor Reparaturbeginn vorgelegt. Dennoch hielt er die Rechnung für überzogen. Nicht alle Reparaturmaßnahmen, die die Werkstatt durchgeführt habe, seien erforderlich gewesen. Gerechtfertigt seien daher allenfalls Reparaturkosten in Höhe von 3.905,50 Euro.

Klage auf Zahlung des Differenzbetrages zuzüglich Zinsen

Das wollte der Geschädigte nicht akzeptieren. Er trug vor, dass er sich auf die Kalkulation des Gutachters habe verlassen dürfen als er den Reparaturauftrag erteilte. Außerdem treffe den Schädiger das Werkstatt- und Prognoserisiko. Der Mann verklagte den Versicherer daher darauf, ihm den Differenzbetrag von 285,36 Euro zuzüglich Zinsen zu zahlen.

Mit Erfolg: Sowohl das in erster Instanz mit dem Fall befasste Amtsgericht als auch das Landgericht Saarbrücken hielten die Forderung in vollem Umfang für gerechtfertigt.

Schädiger trifft das Werkstattrisiko

Dass der Kläger die Werkstattrechnung zum Zeitpunkt der Abrechnung durch den Versicherer noch nicht bezahlt hatte, spielt – anders als von dem Versicherer vorgetragen – nach Ansicht der Richter keine Rolle. Denn die Indizwirkung zur Höhe des Schadens ergebe sich daraus, dass der Geschädigte die Reparaturarbeiten auf Grundlage eines zuvor erstellten Gutachtens in Auftrag gegeben habe.

Es sei daher unerheblich, ob die Reparaturkosten-Rechnung schon beglichen worden sei oder nicht. Denn es sei der Schädiger, den das Werkstattrisiko treffe.

Trotz eingeschränkter Erkenntnismöglichkeiten zur Zahlung verpflichtet

Hole ein Geschädigter ein Gutachten ein, auf dessen Grundlage er einen entsprechenden Reparaturauftrag erteile, sei er trotz seiner eingeschränkten Erkenntnismöglichkeiten allein deswegen zur Zahlung der anfallenden Reparaturkosten verpflichtet.

„Die Risikoverlagerung auf den Schädiger erfolgt daher bereits in dem Zeitpunkt, in dem der Geschädigte sich auf der Grundlage eines Schadensgutachtens berechtigterweise für die Instandsetzung entscheidet und den Reparaturauftrag erteilt. Dann aber kann die Zuweisung des Werkstattrisikos an den Schädiger gerade nicht davon abhängen, ob der Geschädigte den in Rechnung gestellten Betrag bereits bezahlt hat oder nicht“, so das Gericht.

Andernfalls würde er nämlich gegebenenfalls mit Mehraufwendungen der Schadensbeseitigung belastet, deren Entstehung seinem Einfluss entzogen sei und die ihren Grund darin hätten, dass die Schadensbeseitigung in einer fremden, von dem Geschädigten nicht kontrollierbaren Einflusssphäre stattfinde.

Sache des Versicherers, sich mit der Werkstatt auseinanderzusetzen

Im Übrigen stelle der geringen Differenz zwischen den Reparaturkosten und der Rechnung der Werkstatt keinen Grund dar, die Höhe der Rechnung anzuzweifeln.

Es sei Sache des Versicherers, sich gegebenenfalls mit der Werkstatt auseinanderzusetzen. Dazu sei der Kläger verpflichtet, mögliche Schadenersatzansprüche an den Versicherer abzutreten.

Die Richter sahen keine Veranlassung, ein Rechtsmittel gegen ihre Entscheidung zuzulassen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Schadenersatz
 
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