Wenn das Tattoo depressiv macht

10.8.2018 – Entspricht ein Tattoo nicht den Erwartungen des Tätowierten, so hat er keinen Anspruch darauf, es auf Kosten seiner Krankenkasse entfernen zu lassen. Das hat das Sozialgericht Stuttgart mit Urteil vom 1. März 2018 entschieden (S 27 KR 916/16).

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Die Klägerin hatte auf ihrem rechten Schulterblatt eine Tätowierung mit asiatischen Schriftzeichen anbringen lassen. Diese wollte sie mit einem Kirschblütenmotiv umrahmen lassen. Mit dem Ergebnis war sie jedoch dermaßen unzufrieden, dass sie sich bereits vier Tage später einer Laserbehandlung zur Entfernung des Tattoos unterzog.

Depressionen

Kurze Zeit später litt sie unter Depressionen, welche sie auf das Misslingen der Tätowierung zurückführte. Die Klägerin ließ sich daher von einem Facharzt für Psychotherapie behandeln. Eine Fachärztin für Psychiatrie verordnete ihr außerdem für die Dauer mehrerer Monate Antidepressiva.

Ihr gesetzlicher Krankenversicherer erklärte sich zwar dazu bereit, die Kosten der ärztlichen Behandlung zu übernehmen. Er lehnte es jedoch ab, der Versicherten die Kosten für die Laserbehandlung zur Entfernung des Tattoos zu erstatten.

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Keine Auswirkung auf Körperfunktionen

Mit dem Argument, dass die Tätowierung die Ursache ihrer psychischen Erkrankung gewesen sei und eine Krankenbehandlung an den Ursachen und nicht an den Symptomen anzusetzen habe, zog die Frau gegen ihren Versicherer vor Gericht. Dort erlitt sie eine Niederlage.

Nach Ansicht der Richter verschafft die Entfernung eines Tattoos nur ein anderes Aussehen. Sie habe jedoch keine Auswirkungen auf Körperfunktionen. Die Klägerin habe daher keinen Anspruch auf Erstattung der Kosten der Laserbehandlung durch ihren Krankenversicherer.

Nicht an gesellschaftlicher Teilhabe gehindert

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sei die Tätowierung auch nicht entstellend gewesen. Sie sei nur deutlich dunkler ausgefallen, als von der Klägerin erwartet. Das Tattoo habe folglich objektiv nicht die Teilhabe der Klägerin am gesellschaftlichen Leben gefährdet, zumal sie es leicht habe verdecken können.

Dass sie es selbst als entstellend empfunden hat und das Tattoo eine psychische Belastung für die Klägerin darstellte, spielt nach Überzeugung des Gerichts für die Frage der Übernahme der Kosten der Entfernung durch ihren Krankenversicherer keine Rolle.

Denn psychische Beeinträchtigungen rechtfertigen krankenversicherungs-rechtlich zwar einen Anspruch auf eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung, nicht aber einen Eingriff in den gesunden Körper.

Leserbriefe zum Artikel:

Rainer Weckbacher - Krankenkasse sitzt in der Zwickmühle. mehr ...

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Gesetzliche Krankenversicherung
 
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