Welche Pensionskassen ihren Rechnungszins abgesenkt haben

26.3.2018 – Die Niedrigzinsphase fordert auch in der betrieblichen Altersversorgung ihren Tribut. Viele Pensionskassen haben ihre Verrentungsfaktoren gesenkt. Was dies für künftige Betriebsrentner bedeutet. (Bild: Bafin/Kai Hartmann)

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Die niedrigen Zinsen setzen nicht nur den Lebensversicherern zu, sondern auch den Pensionskassen. Die Bundesregierung hat nun Zahlen darüber veröffentlicht, wer betroffen ist. In den vergangenen zehn Jahren haben die Kassen in 27 Fällen ihre Versicherten gebeten, für künftige Beiträge einen geringeren Rentenfaktor anzusetzen, davon 17 Einrichtungen allein seit 2013.

Bafin (Bild: Bafin / Kai Hartmann)
(Bild: Bafin / Kai Hartmann)

Kleine Anfrage der Grünen

Dies ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zur Aufsichtstätigkeit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) und der Deutschen Bundesbank.

Unter den Pensionskassen, die ihren Verrentungsfaktor unter Zustimmung der Mehrheit ihrer Versicherten geändert haben, befinden sich Einrichtungen aller Größen.

Der BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes a.G., Deutschlands größte Pensionskasse mit einer Bilanzsumme von 27 Milliarden Euro und rund 350.000 Versicherten, hatte die Zinsabsenkung schon im Juni 2016 für den 1. Januar 2017 beschlossen (VersicherungsJournal 16.6.2016).

Große und kleine Kassen gleichermaßen betroffen

Kurz zuvor hatte bereits die Neue Leben Pensionskasse AG auf die Situation am Kapitalmarkt reagiert und den Rechnungszins für neue Beitragszahlungen ab 2017 von einst im Bestand zugesagten 3,25 Prozent auf 1,25 Prozent gesenkt (VersicherungsJournal 1.6.2016).

Diese Kasse gehört ebenso zu den 25 Größten, die eine Absenkung vornehmen mussten, wie die ebenfalls zum Talanx-Konzern gehörende HDI Pensionskasse AG. Diese kalkuliert schon seit 2016 mit einem abgesenkten Rechnungszins.

Neben diesen drei Pensionskassen haben allein seit 2015 weitere neun Kassen Anträge bei der Bafin auf Absenkung der Verrentungsfaktoren für künftige Beitragsjahre gestellt, die allesamt genehmigt worden sind. Dazu gehören:

Im Schnitt 1,2 Prozentpunkte weniger Zins für die Zukunft

Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort weiter mitteilt, hätten inzwischen zwei weitere Pensionskassen bei der Bafin Anträge gestellt, deren Prüfung aber noch andauert. Im Durchschnitt der letzten elf Jahre haben die Pensionskassen ihren Kalkulationszins um rund 1,2 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent gesenkt.

Dieser Zinssatz bezieht sich auf künftige Beiträge; zu laufenden Kürzungen im Bestand vor dem Stichtag kam es in keinem Fall. Für Anwärter, die noch nicht viele Ansprüche besitzen, bedeutet dies aber massive Kürzungen für ihre lange Restlaufzeit. Anwärter mit älteren Verträgen sind kaum betroffen.

Genauere Angaben gibt es nicht: Die Verrentungsfaktoren sind Betriebsgeheimnis, beschied die Regierung den Grünen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass Arbeitgeber zu einer Kasse mit höherem Rentenfaktor wechseln oder Kassen sich untereinander Kunden abwerben.

Vertretung der Versicherten muss zustimmen

Verrentungsfaktoren für künftige Beiträge dürfen nur angepasst werden, wenn in der Kassensatzung oder in den verwendeten Allgemeinen Versicherungs-Bedingungen (AVB) eine Anpassungsklausel mit Genehmigungsvorbehalt durch die Bafin enthalten ist. Die 27 abgeschlossenen Fälle seit 2007 wurden sämtlich von der Bafin genehmigt.

Über die Änderung von Regelungen in den AVB beziehungsweise in der Satzung entscheidet dort die oberste Vertretung. Diese muss zu mindestens 50 Prozent aus Versicherten oder ihren Vertretern, also den von einer Absenkung von Verrentungsfaktoren selbst betroffenen Personen oder deren Vertretern, bestehen, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersversorgung · Geschäftsbericht · Pension · Pensionskasse · Rente · Versicherungsaufsicht
 
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