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Wann Schäden durch ein abgesacktes Haus versichert sind

3.5.2021 – Ein Gebäude wurde nach und nach wegen einer unter ihm befindlichen, bei der Errichtung des Hauses nicht entdeckten Sinkhöhle beschädigt. In diesem Fall handelt es sich um einen im Rahmen einer Wohngebäude-Versicherung versicherten Elementarschaden. Das hat das Landgericht Detmold mit Urteil vom 31. März 2021 entschieden (02 O 318/18).

Auf dem Grundstück des Klägers war es im Frühjahr 2010 zu einer Absenkung gekommen. Dadurch wurden das Wohngebäude sowie ein Teil der Pflasterung beschädigt.

Ein mit dem Fall betrauter Sachverständiger kam zu dem Schluss, dass eine defekte Regenwasserleitung eine Ausspülung verursacht haben könnte. Das habe die Absackung des Untergrunds nach sich gezogen.

Die Sache mit der Sinkhöhle

Im selben Jahr durchgeführte Sanierungsmaßnahmen waren jedoch nur bedingt erfolgreich. Denn vier Jahre später kam es zu weiteren Absenkungen. Ein geologisches Gutachten brachte schließlich zu Tage, dass sich unter dem Grundstück eine sogenannte Doline (Sinkhöhle) befand. Die sei ursächlich für die Absackungen gewesen.

Da in seiner Wohngebäudeversicherung unter anderem Elementarschäden versichert waren, forderte der Mann von dem Versicherer, ihm die durch die Absenkung verursachten Schäden zu ersetzen. Der Versicherer bestritt jedoch, zur Leistung verpflichtet zu sein.

Er behauptete, dass es den natürlichen Hohlraum nicht gegeben habe. Das sei allenfalls vor vielen Jahrhunderten der Fall gewesen. Derartige Hohlräume seien im Laufe der Zeit künstlich aufgefüllt worden. Ursächlich für die Absenkung sei vielmehr ein auf dem Grundstück befindlicher defekter Sickerungsschacht gewesen.

Doch dieser Argumentation schloss sich das von dem Versicherten angerufene Detmolder Landgericht nicht an. Es gab seiner Klage gegen den Versicherer statt.

Aus der Sicht eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers

Die Richter hielten es für unstreitig, dass im Rahmen des von dem Kläger abgeschlossenen Versicherungsvertrages unter anderem Schäden durch Erdfall beziehungsweise Erdsenkung versichert sind.

Unter einer Erdsenkung sei aber eine naturbedingte Absenkung beziehungsweise Einsturz des Erdbodens über natürlichen Hohlräumen zu verstehen. Genau darum habe es sich in dem entschiedenen Fall gehandelt.

„Ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer darf bei den Begriffen ‚Erdsenkung‘ beziehungsweise ‚Erdfall‘ mangels Einschränkung auf ein ‚plötzliches Ereignis‘ annehmen, dass auch eine sich über einen längeren Zeitraum entwickelnde Absenkung des Erdbodens einen Versicherungsfall darstellt“, so das Gericht.

Die Richter hielten es nach den Feststellungen eines Sachverständigen für erwiesen, dass das Gebäude auf einem Grundstück errichtet worden war, auf welchem sich eine Doline befand. Zwar sei diese im Laufe von Jahrhunderten mit eingeschwemmtem Lockerboden aufgefüllt worden. Dieses auf natürlichem Weg eingeschwemmte Material sei jedoch nur locker gelagert gewesen und daher mit der Zeit nachgesackt.

Natürlich entstandener Hohlraum

Unter Bezugnahme auf das Gutachten zeigte sich das Gericht davon überzeugt, dass es aufgrund dieses natürlich entstandenen Hohlraums letztlich zu den Absenkungen auf dem klägerischen Grundstück gekommen war. Denn die Größe der Doline habe mit dem Bereich übereingestimmt, in welchem sich die Absenkungen auf dem Grundstück des Mannes ereignet haben.

Die Behauptung des Versicherers, dass die Schäden durch einen defekten Sickerungsschacht verursacht worden waren, hielten die Richter für widerlegt. Nach Aussage des Gutachters wäre die Absenkung in diesem Fall nämlich auf die Fläche des Schachtes begrenzt gewesen. Der Versicherer wurde daher zum Ersatz des entstandenen Schadens verurteilt.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Elementarschaden · Gebäudeversicherung
 
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