WERBUNG

Wann Schäden durch defekte Fliesen versichert sind

17.4.2019 – In einer Dusche war Wasser am Fliesenspiegel heruntergelaufen und über den nicht versiegelten Fliesendurchgang der Duscharmaturen in die dahinter liegende Zwischenwand gelangt. Diesen Schaden musste die Leitungswasser-Versicherung ersetzen. Das hat das Oberlandesgericht Naumburg mit Urteil vom 8. Februar 2018 entschieden (4 U 67/17).

WERBUNG

Die Klägerin hatte im August 2016 Nässeschäden im Wandbereich zwischen ihrem Wohnzimmer und dem Bad festgestellt. Sie meldete den Vorfall daher ihrem Gebäude-Leitungswasser-Versicherer.

Streit um 7.500 Euro

Zu dessen Aufklärung wurde ein Sachverständiger beauftragt. Dieser hielt das Wasser für den Schaden verantwortlich, welches im Bereich der Dusche am Fliesenspiegel heruntergelaufen und durch den nicht versiegelten Fliesendurchgang der Duscharmaturen in die Wand gelangt war. Die Reparaturkosten schätzte der Gutachter auf rund 7.500 Euro.

Die verlangte die Klägerin von ihrem Versicherer ersetzt zu bekommen. Denn nach dem Wortlaut der Versicherungs-Bedingungen seien unter anderem Schäden versichert, die durch einen bestimmungswidrigen Wasseraustritt aus einer mit dem Leitungssystem verbundenen Einrichtung entstehen. Dazu würde auch eine Dusche gehören.

Das wurde von dem Versicherer zwar nicht bestritten. Allerdings gehöre ein defekter Fliesenspiegel nicht zu einer derartigen Einrichtung. Er lehnte es daher ab, den Schaden zu regulieren.

Sieg in zweiter Instanz

Mit ihrer daraufhin eingereichten Klage hatte die Hauseigentümerin zunächst keinen Erfolg. Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Landgericht wies sie mit der Begründung ab, dass der Schadenfall mit dem versicherten Zu- oder Ableitungssystem sowie den dazugehörigen Einrichtungen nichts mehr zu tun gehabt habe.

Er sei vielmehr bei der bestimmungsgemäßen Nutzung von Wasser entstanden. Denn das Wasser habe den Duschkopf ordnungsgemäß verlassen. Das wurde von dem in Berufung mit dem Fall befassten Oberlandesgericht Naumburg auch nicht in Frage gestellt. Die Richter hielten die Klage der Versicherten gleichwohl für gerechtfertigt.

Nach Ansicht des Gerichts gehört die gesamte Dusche der Frau zu den mit der Wasserversorgung verbundenen Einrichtungen. Denn sie werde über die Armaturen und den Duschkopf mit Frischwasser versorgt, welches nach dem Duschvorgang über Ableitungsrohre entsorgt werde.

„Hierzu gehören nicht nur die Duschwanne, sondern auch sämtliche Außenwände, welche den Austritt des Wassers während des Reinigungsvorgangs verhindern, ganz gleich, ob sie den Ein- oder Ausstieg ermöglichen oder aber, wie hier, den Anschluss zum Gebäude herstellen und nach dort die Dusche über einen Fliesenspiegel abgrenzen“, so das Gericht. Der Duschkopf sei hingegen nur als Teil der Duscheinrichtung anzusehen.

Bestimmungswidriger Wasseraustritt

Das Wasser habe sich im Fall der Klägerin nach Austritt aus dem Duschkopf zunächst weiterhin innerhalb der Dusche befunden und diese erst anschließend über den defekten Fliesenspiegel verlassen. Es sei daher von einem versicherten bestimmungswidrigen Wasseraustritt auszugehen.

Anders, als von dem beklagten Versicherer behauptet, habe es sich auch nicht um „Plansch- oder Reinigungswasser“ gehandelt. Denn der Wasseraustritt durch den Fliesenspiegel habe nicht darauf beruht, dass in der Dusche in besonderer Weise geplanscht oder gespritzt worden wäre.

Der Schaden sei vielmehr bei einer gewöhnlichen Nutzung der Dusche durch das am Fliesenspiegel herunterlaufende Wasser entstanden. Das Oberlandesgericht sah keine Veranlassung, ein Rechtsmittel gegen seine Entscheidung zuzulassen.

Leserbriefe zum Artikel:

+Gerhard Göddecke - Sorgfaltspflicht der Gebäudeeigentümer wird ad absurdum geführt. mehr ...

Peter Schramm - Auch die Folgen unsachgemäßen Heimwerkens sind versichert. mehr ...

+Gerhard Göddecke - Sorgfaltspflicht der Gebäudeeigentümer wird ad absurdum geführt. mehr ...

Erwin Daffner - Es geht nicht um die Instandhaltung des Gebäudes. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
AVB
 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

Kurzumfrage – Ihre Meinung ist gefragt!

WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Fit für den Fondsvertrieb

Praktische Tipps und Hinweise zur Beratung und Platzierung von Fondsanlagen liefert das Buch eines ausgewiesenen Fondsexperten.

Interessiert?
Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
16.4.2019 – Cyberschutz wird wie etwa die Sparte Haftpflicht zum Standard der betrieblichen Versicherungen. Davon zeigt sich die Spezialvermittlerin Sabine Pawig-Sander im VersicherungsJournal-Interview überzeugt. Es gebe hohen Beratungsbedarf zwischen Kunden und Versicherern. (Bild: Ellen Lübeck) mehr ...
 
9.4.2019 – Der Konzern Versicherungskammer Bayern nutzte die Präsentation des Konzern-Geschäftsberichts 2018, um seine zahlreichen strategischen Initiativen zu erläutern. Mit den Ergebnissen des Berichtsjahres ist das Unternehmen sehr zufrieden. (Bild: Müller) mehr ...
 
1.4.2019 – April, April: Dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) sind die geschlechtsneutralen Tarife nicht genug. Jetzt werden Männer und Frauen sowie die „Diversen“ in allen Bereichen des Versicherungswesens vor Diskriminierung geschützt. Das ist der Tenor eines Urteils vom 1. April. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
29.3.2019 – Moderne Technik ist nicht nur praktisch. Sie kann im Falle eines Diebstahls aus einem Auto auch zu erheblichen Beweisschwierigkeiten gegenüber einem Hausratversicherer führen. Das belegt ein aktuelles Urteil. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
18.3.2019 – Die Zahl der zulässigen Beschwerden beim Versicherungs-Ombudsmann ist im vergangenen Jahr gesunken, dabei nahmen aber die Beschwerdezahlen zu. Ombudsmann Professor Dr. Günter Hirsch wird sein Amt jetzt abgeben. (Bild: Brüss) mehr ...
 
11.3.2019 – Auch beim Abschluss einer Restschuldversicherung empfiehlt sich ein Blick ins Kleingedruckte. Das belegt ein Urteil des Hammer Oberlandesgerichts. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
8.3.2019 – „Abschlusskosten-Wucher“ und „Kostenabzocke“ – mit harschen Worten berichtet der Bund der Versicherten (BdV) darüber, bei einer Klage gegen den Versicherer vom Gericht „weitestgehend Recht“ bekommen zu haben. Die Gothaer nahm auf Nachfrage Stellung zu den Vorwürfen. (Bild: BdV/Achenbach) mehr ...
WERBUNG