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Wann Rentner Einkommensteuer zahlen müssen

12.7.2021 – Auch ein Rentner, der ein zu versteuerndes Gesamteinkommen hat, das über dem gesetzlich festgelegten Grundfreibetrag liegt, ist einkommensteuer-pflichtig. Zu den steuerpflichtigen Einkünften zählen nicht nur die gesetzliche Rente sowie Betriebsrenten, sondern zum Beispiel auch mögliche Miet- oder Pachteinnahmen. In vielen Fällen führt im Laufe der Zeit auch die jährliche Rentenanpassung dazu, dass Einkommensteuer gezahlt werden muss.

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Liegt das zu versteuernde Gesamteinkommen eines Beziehers einer gesetzlichen Altersrente über dem sogenannten Grundfreibetrag, muss der Betroffene eine Einkommensteuer zahlen. Der Grundfreibetrag soll sicherstellen, dass das zum Existenzminimum notwendige Einkommen nicht noch durch Steuern gemindert wird. 2019 betrug der jährliche Grundfreibetrag 9.168 Euro, 2020 9.408 Euro und für 2021 sind es 9.744 Euro.

Allein in 2017 – neuere Daten liegen noch nicht vor – mussten laut Statistischem Bundesamt (Destatis) über 5,5 Millionen Rentenbezieher eine Einkommensteuer zahlen. Das waren rund 400.000 mehr als noch im Jahr zuvor. Im Vergleich zu 2012 ist die Anzahl der Rentner, die eine solche Steuer entrichten mussten, sogar um knapp 1,4 Millionen gestiegen. Mit ein Grund dafür ist die jährliche Rentenanpassung.

Zu versteuerndes Einkommen bei Rentenbeziehern

Das zu versteuernde Einkommen errechnet sich aus den gesamten Bruttoeinnahmen der meisten Einkunftsarten abzüglich bestimmter Ausgaben. Steuermindernde Aufwendungen sind unter anderem Werbungskosten, Sonderausgaben wie Spenden und Vorsorgeaufwendungen, außergewöhnliche Belastungen sowie Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen wie eine Haushaltshilfe oder Handwerkerkosten.

Zu den Einkunftsarten, die bei Rentnern eventuell versteuert werden müssen, zählen nicht nur die gesetzlichen Rentenbezüge wie eine gesetzliche Alters-, Hinterbliebenen- und/oder Erwerbsminderungsrente. Auch eventuell vorhandene Betriebsrentenbezüge, Pensionen, Einkünfte aus Miet-, Pacht- und/oder Kapitaleinkünften, landwirtschaftliche, freiberufliche und/oder gewerbliche Gewinne sowie Einkommen aus Arbeitsverhältnissen unterliegen der Steuerpflicht.

Auch wer privat eine Photovoltaikanlage auf seinem Hausdach installiert hat und durch die Stromeinspeisung in das Stromnetz Einkünfte erzielt, muss diese in der Regel versteuern.

Der Rentenfreibetrag

Einige Einkunftsarten sind jedoch nur zum Teil steuerpflichtig. Dies gilt unter anderem bei gesetzlichen Renten wie der gesetzlichen Altersrente. Gemäß Paragraf 22 EstG müssen Personen, die vor 2040 erstmalig eine Rente bekommen, diese nur anteilig – nämlich abzüglich eines Rentenfreibetrages – versteuern. Die Höhe des Rentenfreibetrages, der über die gesamte Rentendauer nicht zu versteuern ist, hängt vom Jahr des Rentenbeginns und der Bruttojahresrente im Jahr nach dem Rentenbeginn ab.

Bis 2005 waren 50 Prozent einer gesetzlichen Altersrente zu versteuern. Seitdem stieg der Anteil der Altersrente, der als steuerpflichtiges Einkommen gilt, bis 2020 um jährlich zwei Prozentpunkte. Ab 2021 bis 2040 erhöht er sich um je einen Prozentpunkt auf dann 100 Prozent.

Konkret müssen Rentner, die im Laufe des Jahres 2020 erstmalig eine Altersrente erhielten, 80 Prozent der Rente versteuern und 20 Prozent gelten als Rentenfreibetrag. Wer in 2021 erstmals eine Altersrente erhält, hat seine Rente zu 81 Prozent zu versteuern und der Rentenfreibetrag liegt bei 19 Prozent.

Beispielrechnung

Wer im Juli 2020 in Rente gegangen ist und in 2021 eine Bruttojahresrente von 15.000 Euro hat, erhält einen Rentenfreibetrag von 3.000 Euro (20 Prozent von 15.000 Euro) im Jahr. Das heißt, für das aktuelle und auch für künftige Steuerjahre sind jeweils von der Bruttojahresrente 3.000 Euro nicht zu versteuern.

Hinweis: Steigt die Bruttojahresrente aufgrund einer jährlichen Rentenanpassung, bleibt der Rentenfreibetrag dennoch unverändert. Rentenerhöhungen aufgrund der jährlichen Rentenanpassung sind demnach zu 100 Prozent zu versteuern.

Höhe der steuerfreien Jahresbruttorente

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat online zwei Tabellen veröffentlicht, die zeigen, mit welcher ungefähren maximalen Jahresbruttorente man je nach Rentenbeginn in 2020 und in 2021 steuerfrei bleibt, sofern man neben der Rente keine sonstigen steuerpflichtigen Einkünfte hat.

Neben den möglichen Pauschalen für Werbungskosten und Sonderausgaben sowie den sich aus den Sozialversicherungen ergebenen Vorsorgeaufwendungen sind bei den Tabellen hierbei keine weiteren steuermindernden Ausgaben und keine sonstigen Steuervorteile berücksichtigt.

Maximale Höhe einer steuerunbelasteten Jahresbruttorente* je nach Jahr des Rentenbeginns

Jahr des Rentenbeginns (maßgeblich für den Rentenfreibetrag)

Für das Steuerjahr 2020

Für das Steuerjahr 2021

2005 (oder früher)

17.555 Euro

17.900 Euro

2006

17.140 Euro

17.492 Euro

2007

16.795 Euro

17.152 Euro

2008

16.583 Euro

16.942 Euro

2009

16.314 Euro

16.678 Euro

2010

15.951 Euro

16.319 Euro

2011

15.681 Euro

16.052 Euro

2012

15.488 Euro

15.862 Euro

2013

15.293 Euro

15.668 Euro

2014

15.062 Euro

15.441 Euro

2015

14.923 Euro

15.300 Euro

2016

14.789 Euro

15.169 Euro

2017

14.568 Euro

14.949 Euro

2018

14.339 Euro

14.723 Euro

2019

14.114 Euro

14.499 Euro

2020

13.708 Euro

14.189 Euro

2021

-

13.990 Euro

Wer bis 2005 in Rente gegangen war, der kann in 2021 laut BMF-Tabelle eine Jahresbruttorente von maximal 17.900 Euro haben, ohne dass dafür eine Einkommensteuer anfällt. Für das Jahr 2020 muss der gleiche Rentner keine Einkommensteuer zahlen, wenn er 2020 eine Jahresbruttorente von maximal 17.555 Euro hatte.

Für Rentner, die 2021 erstmalig eine Rente beziehen, beträgt die höchste Jahresbruttorente, für die sie 2021 keine Einkommensteuer zahlen müssen, 13.990 Euro. In 2020 lag für die damaligen Rentenerstbezieher dieser Wert noch bei maximal 13.708 Euro.

Allein die Rentenanpassung kann zur Steuerbelastung führen

In vielen Fällen kann allein im Laufe der Jahre die jährliche Rentenanpassung dazu führen, dass man für eine Rente, die bisher steuerunbelastet war, irgendwann doch Einkommensteuer zahlen muss.

Beispiel: Wer 2004 in Westdeutschland noch eine Jahresrente von 13.800 Euro (Monatsrente 1.150 Euro) hatte, muss allein aufgrund der bisherigen Rentenanpassungen erstmals ab 2021 eine Einkommensteuer zahlen. Denn die laufenden Rentenanpassungen führten dazu, dass die Rentenhöhe ab 2021 auf rund 18.055 Euro im Jahr gestiegen ist und damit erstmalig seit Rentenbeginn über der steuerunbelasteten Jahresbruttorente liegt.

Wer eine Einkommensteuer-Erklärung für das Steuerjahr 2020 abgeben muss, hat eine Abgabefrist bis 31. Oktober 2021. Wird die Steuererklärung mithilfe eines Steuerberaters angefertigt, verlängert sich die Frist bis Ende Mai 2022.

Detaillierte Informationen, wie gesetzliche Renten, Pensionen, Renten aus Riester- und Rürup-Verträgen, aber auch sonstige Leibrenten zu versteuern sind, enthalten folgende downloadbare Broschüren: „Besteuerung von Alterseinkünften“ des BMF und „Versicherte und Rentner: Informationen zum Steuerrecht“ von der Deutschen Rentenversicherung.

 
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