WERBUNG

Versicherungsschutz bei Betriebsschließung wegen Corona?

25.3.2020 – Ein erbitterter Streit tobt hinter den Kulissen zwischen Versicherungsmaklern und Assekuranzen. Es geht um den Ersatz von Schäden durch Betriebsschließungen infolge des Coronavirus. Eine Reihe von Versicherern lehnt eine Entschädigung ab, obwohl nach Meinung von Maklern geleistet werden muss. Wie viele Unternehmen Schutz haben und wie hoch der ausfällt, ist derzeit unklar. Große Assekuranzen dürften die Leistungen aber verkraften, glauben die Makler.

Ulrich Hähnel ist sehr erbost über das Verhalten der Haftpflichtkasse VVaG. Der Versicherer lehnt nach Aussage des Versicherungsmaklers, der Hähnel Assekuranzmakler GmbH & Co KG, eine Leistung aus der Betriebsschließungs-Versicherung (BSV) aufgrund des Coronavirus pauschal ab.

Zur Begründung heißt es laut Hähnel: „Klarstellend weisen wir darauf hin, dass behördliche Auflagen/ Allgemeinverfügungen et cetera, die aufgrund von Covid-19 (Corona) regional beziehungsweise überregional präventiv ausgesprochen wurden, nicht vom Versicherungsschutz der Betriebsschließungs-Versicherung umfasst sind.“

Versicherungsmakler sieht den Gesetzeszweck missachtet

Diese Ablehnung will der Versicherungsmakler auf keinen Fall hinnehmen. „Die Begründung, dass präventive Maßnahmen nicht versichert sind, ist haarsträubend, denn die Prävention ist Kern des Infektionsschutz-Gesetzes“, so Hähnel.

So heißt es in § 1 (1) IfSG: „Zweck des Gesetzes ist es, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern.“

Nach Angaben des Vermittlers hat die Haftpflichtkasse bis zum 11. März noch BSV-Policen angenommen. Allein bei Hähnel geht es um rund 80 Versicherungsverträge mit einem Deckungsschutz von 20 Millionen Euro.

In der BSV wird in der Regel 30 bis 60 Tage gehaftet. Üblich sind Tagesversicherungs-Summen, die sich am Jahresumsatz abzüglich des Warenwerts und der geöffneten Tage orientieren. Die versicherten Summen reichen je Betrieb von 100.000 Euro bis hin zu fünf Millionen Euro, schätzen Brancheninsider.

Bundesverband deutscher Versicherungsmakler hat schon gerügt

Thomas Haukje (Bild: BDVM)
Thomas Haukje (Bild: BDVM)

Schützenhilfe erhält Makler Hähnel von seinem Berufsverband, dem Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler e.V. (BDVM). Der hat die Haftpflichtkasse aktuell angeschrieben und das Verhalten gerügt.

„Wir sind der Meinung, dass der Versicherer auf Basis der Betriebsschließungs-Versicherung leisten muss“, sagt Thomas Haukje, Präsident des BDVM. Einen Ablehnungsgrund könnte man den allgemeinen Bedingungen nicht entnehmen.

Die Haftpflichtkasse Darmstadt konnte auf Anfrage noch keine Stellung beziehen. Grund ist die „hohe Auslastung in der aktuellen Situation“, so der Versicherer.

Nach Erkenntnis von Hähnel hätten sich „nahezu alle Versicherer positioniert, aus bestehenden Betriebsschließungs-Versicherung keine Leistung auszuzahlen.“

Allianz: Komplexe Lage

Anfragen bei verschiedenen Assekuranzen bestätigen dies aber nicht. So stellt die Allianz Deutschland AG klar: „Wir nehmen aktuell eine Prüfung unserer Eintrittspflicht für jeden Kunden im konkreten Schadenfall anhand des jeweils zugrundeliegenden individuellen Sachverhaltes vor.“

Etwaige Ansprüche seien abhängig von der individuellen Ausgestaltung des Versicherungsvertrages und dem konkreten behördlichen Vorgehen. So hat die Gesellschaft in einzelnen Bereichen unterschiedliche Deckungskonzepte und individuelle Klauseln. Das betreffe beispielsweise den Krankenhausbereich.

Hinzu komme, dass die versicherten Unternehmen derzeit nicht immer direkt von den Schließungsanordnungen erfasst würden. Außerdem enthielten die behördlichen Verfügungen teilweise keine Schließungsanordnungen, sondern lediglich Einschränkungen der Öffnungszeiten.

Teilweise wurde mit Virusschutz geworben

Auch die Axa Konzern AG lehnt Leistungen bisher nicht grundsätzlich ab, sondern verweist auf „individuelle Vereinbarungen“ und „sehr unterschiedliche“ Gründe für Betriebsschließungen. Die Assekuranz verspricht, jeden Fall gemeinsam mit den Kunden klären zu wollen.

Nach ersten Schadenfällen, die dem Versicherungsmakler Dennis Sturm von der STC GmbH bekannt sind, werde unproblematisch reguliert, wenn die Betriebsschließung aufgrund von infizierten Mitarbeitern angeordnet worden sei. Dafür muss der Versicherer aber grundsätzlich zur Leistung bei Corona bereit sein.

Sturm verweist darauf, dass einzelne Versicherer für bestimmte Branchen oder Berufe sogar explizit in Newslettern mit dem Schutz vor Viruserkrankungen geworben hätten. Solche Dokumente sollten Vermittler für die Schadenregulierung auf den Tisch bringen.

Die […] Württembergische Versicherung leistet […], wenn […] die auslösende Krankheit oder der auslösende Krankheitserreger in den Bedingungen namentlich aufgeführt ist.

Wüstenrot & Württembergische AG

R+V sowie W&W lehnen klar ab

Kunden der Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) und der R+V Versicherung AG werden hingegen nach Aussagen der Unternehmen auf keinen Fall aus einer BSV-Police eine Entschädigung aufgrund der Pandemie erhalten.

„Die Betriebsschließungs-Versicherung der Württembergischen Versicherung leistet Entschädigung, wenn die zuständige Gesundheitsbehörde den versicherten Betrieb oder eine versicherte Betriebsstätte schließt und wenn die auslösende Krankheit oder der auslösende Krankheitserreger in den Bedingungen namentlich aufgeführt ist“, erläutert der Versicherer auf Anfrage und ergänzt: „Das Coronavirus 2019-nCov ist dabei nicht namentlich genannt.“

Auch die R+V verweist darauf, dass in den von ihr verkauften BSV-Verträgen „alle Krankheiten und Erreger, bei denen der Versicherungsschutz greift“, eindeutig aufgelistet sind. „Das Coronavirus gehört nicht dazu.“

BDVM: Sieben Versicherer sind „sehr robust“

Der BDVM will die Schadenregulierung rund um den Coronavirus „intensiv beobachten“. „Einigen Versicherern haben wir schon unsere Bedenken, nein unseren Ärger, mitgeteilt“, sagt BDVM-Präsident Haukje. Tatsächlich sei der Schutz vom Wording der Versicherer abhängig.

Es gebe Fälle, in denen Krankheiten lediglich beispielhaft aufgezählt würden. Hier sieht der Verband eine klare Deckungspflicht des Versicherers. Laut BDVM wären mindestens sieben Versicherer derzeit „sehr robust“ unterwegs. Sie lehnten erst einmal jeden Schaden mit dem Verweis auf eine Pandemie oder die Nichtnennung des Coronavirus ab.

„Da bekleckern sich meines Erachtens die Unternehmen in einer solchen schwierigen historischen Situation nicht mit Ruhm. Es kann gut sein, dass sie bei solchen Ablehnungen das politische Berlin wachküssen“, warnt der Lobbyist.

Nach Ansicht von Haukje geht es meist nur um Minimaldeckungen im Vergleich zum Gesamtumsatz der Betriebe. Die Schäden, die durch einen Betriebsstopp durch Corona entstehen, seien eher rudimentär abgesichert.

Leserbriefe zum Artikel:

+Benjamin Siewert - Diese Haltung wird unglaublichen Imageschaden nach sich ziehen. mehr ...

Peter Schramm - Versicherer müssen selbst für ihr Überleben sorgen. mehr ...

+Benjamin Siewert - Diese Haltung wird unglaublichen Imageschaden nach sich ziehen. mehr ...

Gerhard Pscherer - Die Kundeninteressen stehen denen der Eigentümer gegenüber. mehr ...

Peter Schramm - Auch was hart klingt, kann dennoch fair sein. mehr ...

Norman Wirth - Marschrichtung ist auf Entscheiderebene vorgegeben. mehr ...

Alfred Koch - Makler kommt unverschuldet zwischen die Fronten. mehr ...

 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 13.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Kunden gewinnen mit Vorträgen

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Termine und Empfehlungen gehören zum Einmaleins im Versicherungsvertrieb.
Wie sich die Erfolgsquoten steigern lassen, zeigt ein neues Praktikerhandbuch.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
30.10.2018 – Der Ernstfall bei Versicherungen heißt Schaden. Vor allem in der Gewerbe- und Industrieversicherung gibt es mannigfaltige Möglichkeiten. Warum vergangene Regulierungen für die Zukunft wichtig sind, zeigt der Vortrag eines erfahrenen Praktikers auf der DKM. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
30.4.2018 – Die Maklergenossenschaft Vema hat auf ihrem diesjährigen Kongress den Chef eines namhaften Vermittlerverbandes zur IDD-Umsetzung sprechen lassen. Der hatte für die anwesenden Makler gute, aber auch schlechte Nachrichten. (Bild: Pohl) mehr ...
 
18.10.2017 – Der VDVM nannte in einem Pressegespräch Beispiele von Versicherern mit guter und schlechter Leistungspraxis. Weitere Themen waren Engpässe im Markt der Gewerbe- und Industrieversicherung und warum russische Versicherer Retter in der Not sein können. Zudem offenbarten die Mitglieder ihre wirtschaftliche Lage. (Bild: Meyer) mehr ...
 
26.5.2015 – Neben dem radikalen Umbau der deutschen Generali haben auch die Allianz und diverse andere Marktteilnehmer unternehmerische Veränderungen vorgenommen, wie ein Überblick des VersicherungsJournals zeigt. mehr ...
 
7.6.2013 – Versicherer haben erste Schätzungen zu den aktuellen Hochwasserschäden abgegeben. Für nächste Woche werden weitere Überschwemmungen erwartet. Wie die Regulierung läuft und welche Probleme vor Ort auftreten. mehr ...
 
6.4.2020 – Eine bayerische Initiative will die Ehre der Versicherer in der Corona-Krise retten. Sie haben eine Kulanzempfehlung für Leistungen der Betriebsschließungs-Versicherung veröffentlicht. Den am „runden Tisch“ vertretenen Versicherern haben sich weitere angeschlossen. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
12.10.2018 – Die Zeichnungspolitik, die Kosten und die Abwicklung der Versicherer hat der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler heftig kritisiert. Zum Thema Provisionsdeckel wird eine „Buckellösung“ ins Gespräch gebracht. An der Verbandsspitze steht ein Wechsel bevor. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
10.10.2018 – Die Versicherung der Zukunft war Thema einer Konferenz. Dabei wurden wegweisende Innovationen vorgestellt und Hemmnisse nicht ausgespart. Manche Unternehmen denken über die reine Versicherung weit hinaus. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
WERBUNG