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Unfallort verlassen – Kfz-Versicherer muss zahlen

26.3.2020 – Entfernt sich ein Versicherter, der mit seinem Fahrzeug einen Baum touchiert und dabei minimal beschädigt hat, ohne die Polizei zu verständigen vom Ort des Geschehens, darf sich sein Vollkaskoversicherer gegebenenfalls nicht auf Leistungsfreiheit berufen. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Magdeburg vom 8. Oktober 2019 hervor (11 O 1063/19).

In dem entschiedenen Fall war eine 83-jährige Frau Anfang Oktober 2018 mit ihrem Personenkraftwagen von der Straße abgekommen. Dabei stieß sie gegen einen Baum.

Mit Hilfe von Passanten gelang es der Seniorin, ihr noch fahrfähiges aber nicht mehr verkehrssicheres Fahrzeug zurück auf die Straße zu bugsieren. Sie fuhr anschließend, ohne zuvor die Polizei verständigt zu haben, nach Hause. Von dort aus meldete sie sich bei ihrem Kraftfahrzeug-Kaskoversicherer, um das Schadenereignis anzuzeigen.

Unfallort verlassen und Aufklärungsinteressen beeinträchtigt

Ein vom diesem beauftragter Sachverständiger bezifferte den Schaden, der am Auto der Frau entstanden war, auf über 5.500 Euro. Der Versicherer weigerte sich jedoch, die Kosten der Reparatur zu übernehmen. Das begründete er damit, dass die Frau durch ihr Verhalten am Unfallort in erheblichem Maße seine Aufklärungsinteressen beeinträchtigt habe.

Denn sie sei dazu verpflichtet gewesen, vom Ort des Geschehens aus die Polizei zu verständigen und deren Eintreffen abzuwarten, bevor sie sich nach Hause begibt. Es sei nämlich denkbar, dass die Ordnungshüter eine Trunkenheitsfahrt aufgedeckt hätte.

Schilderung der Klägerin zum Unfallgeschehen plausibel

Diese Argumentation vermochte das von der Klägerin angerufene Magdeburger Landgericht nicht zu überzeugen. Es gab ihrer Klage auf den vollständigen Ersatz des Fahrzeugschadens abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung in vollem Umfang statt.

Ausschlaggebend war wohl nicht zuletzt die Aussage eines vom Gericht beauftragten Sachverständigen. Dieser zeigte sich nach einer Besichtigung des Unfallorts überzeugt, dass die Schilderung der Klägerin zum Unfallgeschehen plausibel war. Auch die Richter hielten die Klägerin nach einer Anhörung für absolut glaubwürdig.

Kein nennenswerter Fremdschaden entstanden

Im Übrigen habe die Versicherte keinen Anlass dazu gehabt, die Polizei zu verständigen und bis zu deren Eintreffen am Unfallort zu verbleiben. Bei einer Besichtigung des Baums habe man nämlich keine Schäden feststellen können, die befürchten ließen, dass dessen Lebenserwartung durch den Unfall beeinflusst wird. Im Bereich der Anstoßstelle sei lediglich teilweise die Rinde ein wenig abgeschliffen worden. Davon werde ein Baum aber nicht sterben.

Die Klägerin sei daher auch aus diesem Grund nicht dazu verpflichtet gewesen, die Polizei zu benachrichtigen. Denn es sei kein nennenswerter Fremdschaden entstanden. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Kfz-Versicherung · Lebenserwartung · Pkw
 
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