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Unerfüllter Kinderwunsch: PKV-Anbieter knausert bei Kosten

26.10.2020 – Eine Kinderlosigkeit als solches ist ebenso wenig eine Krankheit im Sinne der Versicherungs-Bedingungen einer privaten Krankenversicherung, wie eine altersbedingte Einschränkung der Fruchtbarkeit. Die Leistungsverpflichtung wegen einer Kinderwunschbehandlung setzt vielmehr einen krankhaften Zustand voraus. So entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf in einem Urteil vom 31. März 2020 (I-24 U 61/19).

Die seinerzeit 41-jährige Klägerin hatte sich vergeblich einer Kinderwunschbehandlung in Form einer künstlichen Befruchtung unterzogen. Die dadurch entstandenen Kosten in Höhe von mehr als 6.300 Euro verlangte sie von ihrem privaten Krankenversicherer erstattet.

Krankhafte Ursache nicht nachgewiesen

Mit dem Argument, dass die Versicherte den Nachweis dafür schuldig geblieben sei, dass ihre Sterilität eine krankhafte Ursache hat, verweigerte ihr der Versicherer die Gefolgschaft.

Mit ihrer daraufhin eingereichten Klage hatte die Frau jedoch weder beim in erster Instanz mit dem Fall befassten Düsseldorfer Landgericht, noch vor dem von ihr in Berufung angerufenen Oberlandesgericht der Stadt Erfolg. Die Richter beider Gerichte hielten die Forderung der Klägerin für unbegründet.

Kinderlosigkeit als solche nicht maßgeblich

Nach Überzeugung der Richter ist die Voraussetzung für die Erstattung der Kosten einer Kinderwunschbehandlung durch einen privaten Krankenversicherer eine krankhafte Ursache. Daher reiche eine Sterilität ohne Nachweis eines solchen Auslösers für einen Erstattungsanspruch ebenso wenig aus, wie eine altersbedingte Einschränkung der Fruchtbarkeit.

„Maßgeblich ist somit nicht die Kinderlosigkeit der Klägerin als solche, sondern die organische Ursache derselben“, so das Berufungsgericht.

Die bloße Möglichkeit, dass sich im Körper der Klägerin eine krankheitsbedingte Sterilitätsursache befinden könnte, reiche nicht aus. Sie müsse vielmehr als solche von ihr nachgewiesen werden. Diesen Nachweis habe die Klägerin nicht erbracht.

Im Alter der Klägerin nicht ungewöhnlich

Auch dass die sie behandelnden Ärzte eine Indikation für die Sterilitätsbehandlung gesehen haben, begründe keine Leistungsverpflichtung des Versicherers. Denn allein dieser Umstand entbinde die Klägerin nicht vom Nachweis einer ursächlichen körperlichen Erkrankung.

Es sei im Übrigen nicht ungewöhnlich, dass eine Frau im Alter der Klägerin keine Kinder mehr gebären könne. Denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen würde die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft von Frauen im Alter von 40 plus gerade mal zehn Prozent betragen.

Die Richter sahen keine Veranlassung, ein Rechtsmittel gegen ihre Entscheidung zuzulassen.

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AVB · Private Krankenversicherung
 
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