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Überfluteter Keller – kein Überschwemmungsschaden?

19.6.2020 – Bei der bloßen Überflutung des Kellers eines Gebäudes mit Grundwasser, das nicht auch auf das sonstige Geländeniveau ausgetreten ist, handelt es sich um keine Überschwemmung im Sinne einer Elementarschaden-Versicherung. Das hat das Landgericht Berlin mit Urteil vom 29. März 2019 entschieden (23 O 111/18).

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Geklagt hatte ein Gebäudebesitzer, der für sein Eigenheim eine Wohngebäude-Versicherung mit Einschluss des Elementarschadenrisikos abgeschlossen hatte.

Ende Juli 2017 kam es aufgrund starker Regenfälle zu einem Anstieg des Grundwassers. Das drückte sich durch die unterhalb des Geländeniveaus liegende Bodenplatte des Einfamilienhauses, so dass dessen Keller volllief. Das außerhalb des Gebäudes liegende Geländes des Versicherungsgrundstücks wurde nicht überflutet.

Kein versichertes Überschwemmungs-Ereignis?

Der Kläger ging davon aus, dass es sich bei Flutung des Kellers um einen versicherten Elementarschaden gehandelt hatte, und meldete das Schadenereignis seinem Versicherer. Der lehnte eine Regulierung des Schadens ab.

Das begründete er damit, dass kein versichertes Überschwemmungs-Ereignis vorgelegen habe. Denn bedingungsgemäß seien Schäden, die durch Grundwasser entstehen, dann nicht versichert, wenn dieses nicht auch an der Erdoberfläche des versicherten Grundstücks ausgetreten ist.

Nach dem Verständnis des durchschnittlichen Versicherungsnehmers

Daraufhin reichte der Mann gegen seinen Versicherer eine Klage ein auf Ersatz des durch das Grundwasser entstandenen Schadens von mehr als 7.000 Euro.

Diese begründete er damit, dass nach dem Verständnis eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers unter dem Begriff „Grund und Boden des Versicherungs-Grundstücks“ auch der Fußboden des Kellergeschosses zu verstehen sei. Bei dem Schaden handele es sich folglich um ein versichertes Überschwemmungs-Ereignis.

Dieser Argumentation wollte sich das Berliner Landgericht nicht anschließen. Es wies die Klage als unbegründet zurück.

Keine versicherungsrechtlichen Spezialkenntnisse erforderlich

Das Gericht schloss sich den Ausführungen des beklagten Versicherers an. Die bloße Überflutung des Kellers des versicherten Gebäudes durch Grundwasser, das durch die Bodenplatte eindringt, sei dann kein Fall für die Elementarschaden-Versicherung, wenn das Wasser nicht auch aus dem sonstigen Geländeniveau ausgetreten ist. Das erschließe sich nach einem aufmerksamen Blick in die Versicherungs-Bedingungen auch dem durchschnittlichen Versicherten.

Versicherungsrechtliche Spezialkenntnisse seien dafür nicht erforderlich. Denn in den Bedingungen heiße es: Unter einer Überschwemmung ist die Überflutung von Grund und Boden des Flurstücks, auf dem das versicherte Gebäude steht, mit Oberflächenwasser zu verstehen sowie der Austritt von Grundwasser an die Erdoberfläche.

Nicht Gegenstand des abgeschlossenen Vertrags

„Damit ist eine bedingungsgemäße Überschwemmung aber nur dann anzunehmen, wenn zunächst die außerhalb des Gebäudes liegende Geländeoberfläche überflutet ist, was vorliegend nicht der Fall war“, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

Folglich seien Schäden, die dadurch entstehen, dass Wasser durch die Bodenplatte in das Kellergeschoss eindringt, ohne auch auf dem Grundstück auszutreten, nicht von dem abgeschlossenen Vertrag gedeckt.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Streit wegen der Frage, wann ein versicherter Elementarschaden vorliegt, vor Gericht ausgefochten wurde (VersicherungsJournal 24.10.2011, 23.11.2011, 13.8.2013).

Leserbriefe zum Artikel:

Dr. Ulf Hoenicke - Weiterer Beschluss hat dieses Urteil bestätigt. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
AVB · Elementarschaden · Gebäudeversicherung · Immobilie · Regulierung · Starkregen
 
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