Talfahrt der Versicherer im Riester-Geschäft hält weiter an

17.12.2018 – Auch für das dritte Quartal fällt die Bilanz aus dem BMAS mehr als ernüchternd aus. Im Konkurrenzkampf zwischen Assekuranz, Fondsgesellschaften, Banken und Bausparkassen zeigen sich zwei klare Verlierer. (Bild: Wichert)

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Die Zahl der Riester-Verträge ist im dritten Quartal netto – also unter Einberechnung der Kündigungen und Vertragsabgänge – um 2.000 auf 16,568 Millionen gesunken.

Das zeigt die amtliche Riester-Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vom 14. Dezember 2018. Ruhend gestellte Kontrakte werden vom Ministerium nicht zahlenmäßig ausgewiesen, sondern unverändert auf einen Anteil von „gut einem Fünftel“ geschätzt.

Damit hat sich der negative Trend aus der Vorjahresperiode (VersicherungsJournal 2.10.2017) wie auch aus den beiden Vorquartalen (VersicherungsJournal 3.7.2018, 12.10.2018) fortgesetzt. In der gut 15-jährigen Geschichte der staatlich geförderten Altersvorsorge war zuvor nur wenige weitere Male ein Minus zu beobachten gewesen (VersicherungsJournal 7.6.2016, 8.6.2917).

Deutliche Einbußen bei den Banksparplänen

Für die versicherungsförmige Riester-Variante stand zwischen Juli und September ein Minus von netto 14.000 Policen zu Buche. Dies ist der zweitniedrigste Rückgang innerhalb der letzten fünf dritten Quartale. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte sich der Bestand noch mehr als doppelt so stark vermindert (VersicherungsJournal 15.12.2017).

Bei den Banksparplänen hat sich die negative Entwicklung weiter verschärft. Der Vertragsbestand verminderte sich um 12.000. Dieser Wert ist doppelt so groß wie in der Vorjahres-Vergleichsperiode und sechs Mal so hoch wie vor fünf Jahren (VersicherungsJournal 21.11.2014).

Die Eigenheimrenten (Wohn-Riester) wuchsen von Juli bis September um 5.000 Kontrakte. Im Vergleichszeitraum vor fünf Jahren betrug die Steigerung noch fast 50.000 Verträge.

Der Bestand an Riester-Fondssparplänen erhöhte sich um 22.000 Kontrakte. Damit fiel das Wachstum fast doppelt so stark aus wie in den dritten Quartalen der Jahre 2014 bis 2016. Allerdings blieb es deutlich hinter dem „Ausreißer“ aus der Vorjahresperiode zurück.

Riester Nettozugang 2014 bis 2018 (Bild: Wichert)
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Minus 25.000 Verträge zwischen Januar und September

Auf Neunmonatssicht ging der Gesamtbestand um 25.000 Verträge zurück. Am stärksten gewachsen sind die Riester-Fondssparpläne (plus 39.000 Kontrakte) sowie die Eigenheimrenten (plus 33.000 Verträge).

Die versicherungsförmigen Riester-Policen hatten ein Minus von 52.000 zu verzeichnen. Der Bestand an Riester-Banksparplänen reduzierte sich seit Jahresbeginn um 45.000 Stück.

Wohn-Riester gewinnt weiter an Marktanteil hinzu

Durch die unterschiedliche Entwicklung beim Nettoneuzugang haben sich die Anteile der einzelnen Riester-Varianten im Gesamtbestand weiter verschoben. Die Eigenheimrenten konnten ihren Anteil leicht auf fast 10,9 Prozent weiter ausbauen.

Auch die Riester-Fondssparpläne legten zu – von 19,5 Prozent Anfang Januar auf klar über 19,7 Prozent. Der Anteil der Riester-Banksparpläne gab auf Neunmonatssicht um rund 0,3 Prozentpunkte auf nur noch 4,1 Prozent nach.

Die versicherungsförmige Variante kommt aktuell noch auf einen Marktanteil von 65,3 Prozent nach 65,5 Prozent zum Jahresende 2017. Zum Vergleich: Ende 2006 waren es noch über 80 Prozent, Ende 2011 noch über 70 Prozent – und Ende 2015 letztmals über zwei Drittel.

Hinderungsgründe

Gründe für die zum Teil rückläufigen Tendenzen sind aus der offiziellen Statistik nicht abzuleiten. Stärkster Hinderungsgrund an einem Riester-Abschluss ist die Meinung, dass sich diese nicht lohnt. Dies hat die Union-Investment-Gruppe in der aktuellen Auflage ihres Anleger-Barometers herausgefunden (VersicherungsJournal 21.9.2018).

Die Assekuranz führt als Begründung die „große Komplexität und Unübersichtlichkeit“ der staatlich geförderte Altersvorsorge an und fordert eine „mutige Vereinfachung“. Dies ist nach Einschätzung von Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführungs-Vorsitzender des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), „sowohl bei der Förderung als auch bei den Produkten“ angebracht (VersicherungsJournal 10.4.2018).

Im Rahmen des BRSG wurde zu Jahresbeginn bereits die Grundzulage von 154 auf 175 Euro erhöht. Bei der Grundsicherung gelten nun Freibeträge von bis zu 202 Euro (VersicherungsJournal 2.6.2017). Darüber hinaus gibt es für zahlreiche Personengruppen Verfahrens-Verbesserungen beim Zulagenantrag (VersicherungsJournal 23.8.2017).

Allerdings zeigt der vom BMAS erstellte und kürzlich vom Bundeskabinett beschlossene Rentenversicherungs-Bericht 2018, dass das Versorgungsniveau der Ruheständler (derzeit knapp über 48 Prozent) durch die Riester-Rente auf Jahre gesehen auf einem Niveau von über 50 Prozent stabilisiert werden kann (VersicherungsJournal 29.11.2018).

Was bringt die Erhöhung der Zulage?

Die Verbreitung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ist zurückgegangen, obwohl die Zulagen in diesem Jahr erhöht wurden. Möglicherweise hat die Erhöhung mit dazu beigetragen, dass die Entwicklung nicht noch ungünstiger verlaufen ist.

Das können die Praktiker im Vertrieb am besten beantworten. Daher wollen wir von Ihnen wissen: „Die Riester-Zulage wurde 2018 von 154 auf 175 Euro erhöht. Wie wirkt sich das auf den Verkauf aus?“

Bitte tragen Sie Ihre Antwort in dem Umfragekasten „Kurzumfrage – Ihre Meinung ist gefragt!“ rechts neben diesem Artikel ein. Danke.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Bausparen · BRSG · Geschäftsbericht · Marktanteil · Marktforschung · Rente · Riester · Sozialhilfe · Verkauf
 
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