Stuttgarter BU-Tarif verzichtet auf Mitwirkungspflicht

7.2.2019 – Der Tarif „BUV-Plus (91A)“ der Stuttgarter Lebensversicherung gehörte bereits zu den besseren am Markt. In der Neuauflage gibt es einige Verbesserung, die für den Kunden relevant sind, schreibt Makler Philip Wenzel in seinem Gastbeitrag. Änderungen finden sich bei der Umorganisation bei Selbstständigen oder bei den Serviceleistungen. Hervorzuheben sind die neuen Regelungen zu Auskünften im Leistungsfall und der Wegfall der Mitwirkungspflicht.

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Wie schon die Franke und Bornberg GmbH herausgefunden hat, ist das Niveau der Tarife zur Absicherung der Berufsunfähigkeit (BU) sehr hoch (VersicherungsJournal 15.1.2019). Unterschiede sind selten für den Leistungsfall relevant.

Philip Wenzel (Bild: Privat)
Philip Wenzel (Bild: Privat)

So zeigt sich beispielsweise, dass immer mehr Versicherer aus dem Top-Segment bei selbstständigen Akademikern, die zu mehr als 90 Prozent kaufmännisch tätig sind und in Betrieben mit weniger als fünf Mitarbeitern, auf die Umorganisation verzichten.

Ein Akademiker, der zu 90 Prozent kaufmännisch tätig ist, kann fast unmöglich verwiesen und genauso schwierig umorganisiert werden. Und in einem kleinen Betrieb ist es auch so gut wie unmöglich, dem Geschäftsführer seine Stellung als Chef zu wahren und ein sinnvolles Aufgabengebiet für ihn zu finden.

Neuer Stuttgarter-Tarif

Auch der Tarif „BUV-Plus (91A)“ der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. gehört zu den besseren am Markt und verzichtet nun unter den oben genannten Umständen auf die Umorganisation von Selbstständigen. Aber nicht nur deswegen weiß der Tarif auch mit neuem Stand Januar 2019 zu überzeugen. Nach wie vor sind übersichtlicher und prägnanter geschriebene Bedingungen am BU-Markt kaum zu finden. Es gibt zudem kaum Verweise, die den Lesefluss unterbrechen.

Die Stuttgarter leistet für 18 Monate bei einer Arbeitsunfähigkeit. Bereits das Vorlegen der Gelben Scheine ist zusammen mit einem Facharztattest ausreichend. Es muss nicht zeitgleich die Leistung wegen Berufsunfähigkeit beantragt werden.

Selbstverständlich empfiehlt es sich, das zu tun, aber es ist ein großer Vorteil, wenn der Versicherer nicht darauf bestehen kann. Wenn es keine Obliegenheit ist, kann der Versicherte sie auch nicht verletzen und handelt sich keinen Ärger ein.

Hilfestellungen für den Kunden

Die Serviceleistungen wurden um einen wichtigen Punkt ergänzt. Der neue Tarif bietet auch Unterstützung bei der Suche geeigneter Ansprechpartner für medizinische und berufliche Rehabilitations-Maßnahmen an.

Da wir davon ausgehen können, dass ein Versicherer, im Gegensatz zum Kunden, einiges an Erfahrung in diesem Bereich hat, ist diese Hilfestellung nicht zu unterschätzen. Vor allem, weil davon auszugehen ist, dass der Versicherer in eigenem Interesse nur die Dienstleister empfehlen wird, die tatsächlich helfen, wieder gesund zu werden oder einen geeigneten Job zu finden.

Derlei Dienstleistungen werden in meinen Augen immer wichtiger in der Berufsunfähigkeits-Versicherung. Es wäre schön, wenn diese Angebote ausgebaut werden würden – beispielsweise mit einer befristeten Leistung der Rente bei Inanspruchnahme eines empfohlenen Dienstleisters.

Auskünfte im Leistungsfall

Die Stuttgarter leistet bei Pflegebedürftigkeit bereits, wenn einer von sechs ADL-Punkten erfüllt ist. Das wäre zum Beispiel schon denkbar, wenn der Betroffene für sechs Monate auf den Rollstuhl angewiesen ist. Das An- und Auskleiden wäre da wahrscheinlich ohne Hilfe nicht so ohne Weiteres möglich.

Eine große Verbesserung findet sich bei den Auskünften im Leistungsfall. Bisher musste die versicherte Person zum Beispiel Ärzte dazu ermächtigen, dem Versicherer Auskunft zu erteilen. Jetzt heißt es, dass der Versicherer von Ärzten Auskunft verlangen kann, soweit die versicherte Person sie hierzu ermächtigt hat.

Es steht der versicherten Person aber frei, die Ermächtigung nicht abzugeben. Dann muss der Versicherte die angeforderten Unterlagen selbst besorgen. Das bedeutet zwar mehr Aufwand, aber ein versierter Vermittler oder ein kundiger Versicherungsberater oder Anwalt können die Unterlagen dabei nochmals überprüfen, bevor sie an die Stuttgarter weitergegeben werden.

Wegfall der Mitwirkungspflicht

Die größte, auf den ersten Blick unauffällige Verbesserung ist allerdings der Wegfall einer Mitwirkungspflicht. In Zukunft muss man im Leistungsfall der Stuttgarter nur noch melden, wenn man eine berufliche Tätigkeit aufgenommen hat oder sich diese ändert. Man muss aber nicht mehr melden, wenn die Berufsunfähigkeit wegfällt oder sich mindert.

Letzteres kann durchaus als eine unerlaubte Rückdelegation betrachtet werden. Die Feststellung eines BU-Grades ist ein hochkomplexes Verfahren. Wie soll der Kunde in der Lage sein, selbst zu merken, wann sich der BU-Grad mindert oder gar unter die 50 Prozent fällt? Deswegen ist es besonders zu begrüßen, dass die Stuttgarter jetzt zu den wenigen Versicherern am Markt gehört, die darauf verzichten.

Spitzenplatz gefestigt

Unterm Strich betrachtet, festigt die Stuttgarter mit dem Tarif „91A“ ihren Platz unter den Top Ten der Berufsunfähigkeits-Versicherer. Die Verbesserungen sind größtenteils für den Kunden auch tatsächlich relevant, auch wenn nur unter der Motorhaube nachgebessert wurde.

Der 39-jährige, nichtrauchende Bürokaufmann zahlt im Tarif „91A“ bei 1.000 Euro BU-Monatsrente, einer Leistungsdynamik von einem Prozent jährlich und einer Versicherungs- und Leistungsdauer bis zum Alter 67 68,99 Euro monatlich (104,53 Brutto). Der Mechatroniker zahlt 120,60 Euro (182,73 Euro Brutto).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für die Freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG tätig.

 
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