Stürmische Entscheidung

12.4.2018 – Ist ein Sturm die zeitlich letzte Ursache, so ist ein Gebäudeversicherer auch dann zur Leistung verpflichtet, wenn Bäume oder andere Gegenstände erst Tage später ein versichertes Gebäude beschädigen beziehungsweise zerstören. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 25. September 2017 hervor (6 U 191/15).

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Der Entscheidung lag die Klage eines Versicherten zugrunde, dessen Haus durch einen umgestürzten Baum erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Sechs Tage später …

Vorausgegangen war ein am 28. Februar 2010 herrschender Sturm mit einer Stärke von acht Beaufort. Wie sich herausstellte, hatte dieser das Wurzelwerk eines auf dem Nachbargrundstück stehenden Baumes beschädigt. Die Folge war, dass dieser am 6. März, also sechs Tage später, auf das Haus des Klägers stürzte.

Mit dem Argument, dass bei einer so großen zeitlichen Lücke von keinem Sturmschaden ausgegangen werden könne, lehnte es der Gebäudeversicherer des Klägers ab, den Schaden zu regulieren. Dabei berief er sich auf den Wortlaut der Versicherungs-Bedingungen, in denen es unter anderem heißt: „Versichert sind nur Schäden, die entstehen durch unmittelbare Einwirkung des Sturm auf versicherte Sachen.“

Auch von einem ebenfalls versicherten Schaden in Folge eines Sturmschadens an den versicherten Sachen könne angesichts des zeitlichen Abstands zwischen dem Sturm und dem Schadenereignis nicht ausgegangen werden.

Dieser Argumentation wollte sich das Hammer Oberlandesgericht nicht anschließen. Ebenso, wie die Vorinstanz, gab es der Klage dem Grunde nach statt.

Entscheidend ist die zeitlich letzte Ursache

Nach Ansicht der Richter ergibt sich für einen durchschnittlichen Versicherungsnehmer aus dem Wortlaut der Versicherungs-Bedingungen nicht, dass nur solche Schäden versichert sind, die unmittelbar während eines Sturms durch Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände verursacht werden.

In dem entschiedenen Fall hatte der Baum nach den Feststellungen eines Sachverständigen erst aufgrund des Sturms seine Standfestigkeit verloren. Nach Meinung des Gerichts ist es daher nicht entscheidend, ob er zeitlich unmittelbar durch den Sturm auf das versicherte Gebäude geworfen wurde oder nicht.

Es komme vielmehr darauf an, „dass zwischen dem Kausalereignis Sturm und dem Erfolg ‚auf das Gebäude geworfen werden‘ keine weitere Ursache trat, das heißt der Sturm die zeitlich letzte Ursache des versicherten Ereignisses war“ – heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Davon war nach Aussage des Sachverständigen auszugehen. Nach seinen Feststellungen war es nämlich vom Zufall abhängig, wann der Baum seinen Kipppunkt erreicht hatte, um infolge des sturmbedingten Wurzelabrisses umzufallen. Denn ein weiteres Ereignis als Auslöser für das Umfallen des Baumes sei nicht feststellbar gewesen.

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Elementarschaden · Gewerbeordnung
 
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