Streit um Fahrtkosten wegen Ersatzfahrzeug

14.5.2019 – Entstehen einem Geschädigten nach einem Unfall Fahrtkosten, weil er sich um ein Ersatzfahrzeug bemühen muss, so gehören auch diese zu den von dem Versicherer des Schädigers zu ersetzenden Aufwendungen. Das hat das Amtsgericht Suhl mit Urteil vom 9. Januar 2019 entschieden (1 C 194/18).

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Der Kläger war mit seinem Personenkraftwagen unverschuldet in einen Unfall verwickelt worden. Dabei erlitt sein Fahrzeug einen wirtschaftlichen Totalschaden.

Nicht erstattungsfähig?

Über die Erstattungsfähigkeit des Fahrzeugschadens wurden sich der Autofahrer und der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers schnell einig.

Gestritten wurde jedoch um die Dauer der zu zahlenden Nutzungsausfall-Entschädigung sowie um Fahrtkosten, die dem Opfer beim Beschaffen eines Ersatzfahrzeugs entstanden waren.

Der Versicherer war der Meinung, dass die letztgenannten Kosten nicht erstattungsfähig seien. Ein Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsausfall-Entschädigung bestehe im Übrigen nur für die Dauer der von dem Sachverständigen ermittelten Zeit der Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs.

Sache des Versicherers

Doch dem wollte sich das Suhler Amtsgericht nicht anschließen. Es gab der Klage des Geschädigten in vollem Umfang statt.

Nach Ansicht des Gerichts hat der Pkw-Fahrer nachvollziehbar und glaubhaft dargelegt, warum die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs zunächst nicht von Erfolg gekrönt war und die von dem Sachverständigen genannte Zeit nicht ausgereicht hat.

Es wäre daher Sache des beklagten Versicherers gewesen, nachzuweisen, dass die Ersatzbeschaffung auch früher möglich gewesen wäre. Diesen Nachweis habe er nicht erbracht. Er sei daher dazu verpflichtet, die Nutzungsausfall-Entschädigung für die von dem Kläger nachgewiesene Zeit der Wiederbeschaffung zu zahlen.

Risiko des Schädigers

Den Einwand des Versicherers, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Schadenereignis und der Notwendigkeit mehrerer Fahrten zur Besichtigung eines Ersatzfahrzeugs bestehe, hielt das Gericht ebenfalls für unbegründet. Denn ein Geschädigter habe selbstverständlich das Recht, sich infrage kommende Fahrzeuge zunächst einmal anzuschauen.

Das Risiko, dass diese Fahrzeuge nicht seinen Anforderungen und seinem Geschmack entsprechen, habe der Schädiger zu tragen. Denn schließlich habe dieser die Ursache dafür gesetzt, dass sich der Mann überhaupt nach einem anderen Fahrzeug umschauen musste.

Der Versicherer wurde daher dazu verurteilt, die durch die Besichtigungsfahrten und das Abholen des schließlich erworbenen Fahrzeugs entstandenen Fahrtkosten zu ersetzen. Das Gericht hatte dabei keine Bedenken gegen die Höhe des von dem Fahrer pauschal berechneten Satzes von 30 Cent pro Kilometer.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Nutzungsausfall · Pkw
 
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