Sind Taxifahrer und Chauffeure etwa die besseren Autofahrer?

22.4.2021 – Schadenhäufigkeit, -durchschnitt und -bedarf liegen bei den Miet-Pkw mit Fahrer und bei den Taxen massiv höher als bei den Personenkraftwagen insgesamt. Dies zeigt die gemeinschaftliche Kraftfahrt-Statistik 2019 der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Die gut 84.000 haftpflichtversicherten Taxen und Miet-Pkw (Wagniskennziffer (kurz: WKZ) 150) haben 2019 fast 22.800 Schäden verursacht. Der Aufwand der Versicherer betrug mehr als 116,4 Millionen Euro. Dies zeigt die „Jahresgemeinschafts-Statistik über den Schadenverlauf in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung 2019“.

Die Statistik wird vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) gemeinsam herausgegeben und beinhaltet keine Aufwendungen für die Schadenregulierung.

Kosten sind deutlich gestiegen

Seit 2014 hat sich die Anzahl der versicherten Gefährte in dieser seit dem Vorjahr zusammen erfassten Fahrzeuggruppe um über elf Prozent erhöht. Die Zahl der aufgelisteten Unfälle hat im Betrachtungszeitraum hingegen nur in etwa halb so stark zugenommen (plus 5,5 Prozent).

Der Schadenaufwand ist um über ein Viertel gestiegen. Dabei hat es 2017 und 2018 am wenigsten häufig gekracht. Dafür haben die Kosten 2019 einen neuen Höchstwert im Betrachtungszeitraum erreicht.

Schadengeschehen Zeitreihe (Bild: Wichert)
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Chauffeurdienste besser als Taxifahrer

Im Berichtsjahr haben 304 (Vorjahre: 299; 314; 319; 324) von je 1.000 Taxen einen Haftpflichtschaden verursacht. Da sich der Schadendurchschnitt nicht so stark erhöhte wie die Schadenhäufigkeit, stieg der für die Prämienkalkulation wichtige Schadenbedarf um über 30 Euro auf 1.475 Euro.

Damit verunfallten die gut 51.600 haftpflichtversicherten Taxen in etwa fünf Mal so häufig wie Personenkraftwagen (WKZ 112) insgesamt (VersicherungsJournal 23.11.2020). Der Schadenbedarf ist sogar fast sieben Mal so groß. Je Crash zahlen die Versicherer fast 1.200 Euro mehr als bei den Pkw.

Deutlich besser als bei den Taxen fällt das Schadengeschehen bei den etwa 32.100 Miet-Pkw mit Fahrer aus. Für diese Fahrzeugart weist die Statistik eine Schadenhäufigkeit von 218 (Vorjahr: 185) je 1.000 Jahreseinheiten aus. Damit verunfallen diese Mietwagen aber immer noch in etwa dreieinhalb Mal so häufig wie die Personenkraftwagen insgesamt.

Der Durchschnittsschaden liegt mit 5.710 (4.348) Euro gar rund 2.000 Euro über dem der fahrbaren Untersätze mit der WKZ 112. Der Schadenbedarf ist bei den Chauffeurdiensten mit 1.242 (804) Euro in etwa halb so hoch wie bei den Taxen, aber mehr als fünf Mal so hoch wie bei den Pkw insgesamt.

Leicht schlechteres Schadengeschehen bei Flotten

57 Prozent der Gefährte mit der WKZ 150 waren im vergangenen Jahr nicht als Flotten versichert. Bei ihnen kracht es mit 254 (253) Fällen je 1.000 Einheiten deutlich seltener als bei den Flottenfahrzeugen mit 304 (264) Fällen.

WKZ 150 Unterkategorien (Bild: Wichert)

Bei Letzteren fällt der Durchschnittsschaden mit annähernd 5.700 Euro um rund 1.100 Euro höher aus als bei nicht als Flotte abgesicherten Fuhrwerken. Bei diesen liegt der Schadenbedarf mit 1.169 Euro um über 500 Euro niedriger als bei den Flottenfahrzeugen.

Beamte und Immobilienbesitzer sind die besseren Risiken

Weitere Erkenntnisse aus der Statistik: Bei den Pkw-Zweitwagen fällt das Unfallgeschehen für die Versicherer etwas ungünstiger aus (23.11.2020) als bei den Personenkraftwagen insgesamt, bei Flottenfahrzeugen sogar deutlich (17.12.2020).

Bei der Tarifgruppe B, in der die Angehörigen des öffentlichen Dienstes versichert sind, sieht es hingegen klar günstiger aus (2.12.2020). Gleiches gilt auch für das Merkmal „Immobilienbesitz“ (9.12.2020).

Zudem weisen diejenigen, die ihre Haftpflichtprämie einmal im Jahr bezahlen, ein überdurchschnittlich gutes Schadenverhalten auf (12.1.2021). Die Statistik zeigt weiter, dass die Unfallhäufigkeit wie auch der Schadenbedarf mit steigender jährlicher Fahrleistung zunehmen (8.2.2021).

Auch das Fahrzeugalter hat erheblichen Einfluss auf das Schadengeschehen. So sind Oldtimer am seltensten in einen Haftpflichtschaden verwickelt, 16 bis unter 23 Jahre alte Personenkraftwagen am häufigsten. Bei Letzteren ist auch der höchste Schadenbedarf zu beobachten. Die durchschnittlichen Kosten pro Crash waren bei den mindestens 23 Jahre alten am höchsten (23.3.2021).

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Haftpflichtversicherung · Immobilie · Pkw · Schadenregulierung · Versicherungsaufsicht
 
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