Neue Basler-BU mit verlängerter Leistungsdauer der AU-Klausel

14.5.2018 – Die Basler Lebensversicherung hat ihren Berufsunfähigkeits-Schutz überarbeitet. Unter den Neuerungen fällt besonders die verbesserte Arbeitsunfähigkeits-Klausel auf. Hier leistet der Versicherer bei Krankschreibung zukünftig für 36 Monate. Zudem gibt es Leistungen bis vier Wochen nach Ablauf der Arbeitsunfähigkeit. Neu ist auch die Verlängerungsoption bei einer Anhebung der Altersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung, berichtet Makler Philip Wenzel in einem Gastbeitrag.

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Wer als Versicherer die Bedingungen für eine Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung schreibt, tut aus vertrieblichen Gründen gut daran, sich danach auszurichten, wie er mit den Allgemeinen Versicherungs-Bedingungen (AVB) in den marktüblichen Vergleichen abschneiden wird. Denn diese verlangen gewisse Kriterien, um einen Tarif als gut oder eben als schlecht zu bewerten.

Philip Wenzel (Bild: privat)
Philip Wenzel (Bild: privat)

Jetzt hat man als Versicherer die Möglichkeit, diese Vorgaben nur halbherzig zu erfüllen, damit man das gute Rating erhält. Oder aber man formuliert seine AVB so, dass der Kunde davon einen tatsächlichen Nutzen hat. Dann trägt der Versicherer ein höheres Risiko, steht aber nach außen auch nicht besser da als die Konkurrenz.

Erneuerte Basler-BU

Die Basler Lebensversicherungs-AG bringt in ihrer neuen selbstständigen BU-Versicherung Verbesserungen und Neuerungen, die größtenteils wohl eher keinen Einfluss auf Ratings haben werden.

Wie schon bisher (VersicherungsJournal 11.4.2016), sind die Bedingungen verständlich geschrieben. Alle Begriffe, die gesondert erklärt werden, sind durch einen Pfeil gekennzeichnet. So weiß der Leser genau, ob er im Glossar eine Erklärung findet oder nicht.

Es finden sich vereinzelt Verweise, aber diese werden bereits im Fließtext soweit erklärt, dass der Leser dem Sinn folgen kann, selbst wenn er nicht sofort an die angegebene Stelle springt.

Leistung bei Krankschreibung für 36 Monate

Von den inhaltlichen Verbesserungen sticht die Arbeitsunfähigkeits-Klausel (AU-Klausel) am ehesten ins Auge. Die Basler verspricht zukünftig eine Leistung bei Krankschreibung für insgesamt 36 Monate. Der Vorteil für den Kunden liegt darin, dass er auch bei langwierigen Entscheidungen mit dem einfachen Nachweis über den Gelben Schein zur Leistung gelangt.

Am Rande sei erwähnt, dass der Vermittler den Kunden unbedingt dazu bewegen sollte, so schnell wie möglich die Prüfung der Berufsunfähigkeit anzustoßen. Nicht nur, weil diese lange dauern kann und auch 36 Monate einmal vorbei sind, sondern vor allem, weil die Erstprüfung wahrscheinlich zu Beginn einer Erkrankung einfacher sein wird als später.

Der Versicherer wiederum kann sich von der Anerkenntnis der BU nur über das Nachprüfungsverfahren lösen, während bei der AU-Klausel derzeit davon auszugehen ist, dass die Leistung eben nach 36 Monaten einfach endet. Im Detail wird das wohl künftig einmal vor Gericht geklärt werden, derzeit aber liegt hier der Vorteil bei der unbefristeten Anerkenntnis.

Leistung bis vier Wochen nach Ablauf der AU

Eher unter dem Aufmerksamkeitsradar wird eine weitere Verbesserung der AU-Klausel laufen. Die Basler erlaubt die Beantragung der Leistung bis vier Wochen nach Ablauf der Arbeitsunfähigkeit. Die Mitbewerber verlangen sie umgehend oder doch zumindest noch während der Arbeitsunfähigkeit.

Anders als in der Berufsunfähigkeit wäre der Verzicht auf eine Meldefrist wahrscheinlich ein zu hohes Risiko für die Versicherer, da der Gelbe Schein als Leistungsauslöser nicht überprüft werden kann. Es wäre aber denkbar, die Frist auf vier Wochen zu setzen und darüber hinausgehende Meldungen zuzulassen, wenn sie sich durch Behandlungen, Operationen oder Ähnliches plausibel belegen lassen.

Verlängerungsoption bei einer Anhebung der Altersgrenze

Auch die jetzt gegebene Verlängerungsoption bei einer Anhebung der Altersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung ist eine Neuerung, die Beachtung finden wird. Diese Option bauen immer mehr Gesellschaften in die AVB ein. Die Basler hat das aber besonders kundenfreundlich geregelt, da die Berechnung der erhöhten Rente nicht nach dem neuen Eintrittsalter erfolgt, sondern nach dem ursprünglichen Eintrittsalter.

Das heißt, wenn der Kunde den Vertrag mit 25 Jahren abgeschlossen hat, dann gilt er auch zum Zeitpunkt der Verlängerung als 25 Jahre jung. Die Option darf bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres gezogen werden. Hier hat die Basler denn auch Verbesserungspotenzial für die kommenden Jahre.

Verzicht auf eine Meldepflicht

Eher unauffällig ist die neue Möglichkeit zur Beitragsstundung bis zu sechs Monaten bei Arbeitslosigkeit und Elternzeit. Dies gilt auch für die verbesserte Arztanordnungsklausel, die sich nun nicht mehr allgemein auf Maßnahmen bezieht, sondern auf Heilbehandlungen und Hilfsmittel.

Wichtig, aber insgesamt zu wenig beachtet, ist der Verzicht auf eine Meldepflicht bei einer Besserung des Gesundheitszustandes oder dem Wegfall der BU. Schon Fachmänner können sich gut darüber streiten, wann eine Berufsunfähigkeit vorliegt und wann nicht mehr. Wie sollte das der Kunde überhaupt leisten?

Für die AVB-Feinschmecker hat die Basler bei den Übernachtungskosten, die anfallen, wenn der Kunde aus dem Ausland zur BU-Prüfung nach Deutschland müsste, einen Inflationsausgleich eingebaut. Die 100 Euro pro Nacht beziehen sich auf das Jahr 2018. Keine große Sache, aber im Einzelfall kann sich das sicherlich als sehr hilfreich erweisen.

BU-Schutz ein Stück verbessert

Unterm Strich betrachtet hat die Basler die Berufsunfähigkeits-Versicherung wieder ein Stück verbessert. Auf den ersten Blick tritt vielleicht nur die verlängerte Leistungsdauer der AU-Klausel hervor, aber „unter der Haube“ wurde noch die eine oder andere Schraube angezogen.

Der 38-jährige Bürokaufmann zahlt bis Endalter 67 für 1.000 Euro Rente bei einem Prozent Dynamik 54,61 Euro (72,82 Euro brutto) monatlich. Der Mechatroniker zahlt 90,07 Euro (120,10 Euro brutto).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für die Freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG tätig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Arbeitsunfähigkeit · AVB · Berufsunfähigkeit · Gesundheitsreform · Lebensversicherung · Rating · Rente
 
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