Mehr Möglichkeiten, junge Leute flexibel und höher abzusichern

3.5.2021 – Die LV 1871 hat erneut ihre Berufsunfähigkeits-Versicherung überarbeitet. Der Tarif positioniert sich noch stärker bei Schülern und Studenten, schreibt der Biometrie-Experte Philip Wenzel. Es gibt es eine Reha-Kostenbeihilfe von 550 Euro. Die versicherte Rente kann bei Studien- oder Ausbildungsbeginn verdoppelt werden. Beim Wechsel in die Oberstufe wird die Berufseinstufung überprüft. Studenten sind bis zu 2.000 Euro versicherbar. Der Abfragezeitraum bei Beschwerden liegt jetzt bei drei Monaten.

Wenn wir einmal olympisch denken, dann gibt es über der Goldmedaille nichts mehr zu holen. Und auch die Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung hat kaum noch Potenzial, schaut man sich die neuesten Ergebnisse in der Zeitschrift Finanztest an (VersicherungsJournal 21.4.2021). Da fällt auch schon alles ziemlich „super“ aus. Folglich muss eine „goldene“ BU-Versicherung das Beste überhaupt sein.

LV 1871: erneute Überarbeitung der „Golden BU“

Die Lebensversicherung von 1871 a.G. München (LV 1871) verbessert nun aber schon zum wiederholten Male ihre „Golden BU“ (Archiv). Ist das überhaupt noch bemerkbar oder geht es eher um Kosmetik?

Zunächst einmal gefallen die Allgemeinen Versicherungs-Bedingungen der „Golden BU“ schon seit Langem. Denn sie sind so geschrieben, dass auch ein Anwalt ohne Spezialisierung den Prozess gegen den Versicherer führen könnte. Das Bedingungswerk ist durchaus verständlich und sehr detailreich gehalten, ohne wirklich langatmig zu sein.

Stärkere Positionierung bei Schülern und Studenten

Der Tarif war schon immer eine gute Lösung für Schüler und Studenten. Hier positioniert er sich jetzt noch stärker. Und auf einmal ergeben auch die eher fragwürdigen Optionen ein bisschen mehr Sinn. Denn die LV 1871 ist einer der wenigen Versicherer, die eine lebenslange Zahlung anbieten, wenn die BU vor dem 50. Lebensjahr eintritt und durchgehend bis zum 67. besteht. Auch wird eine erhöhte BU-Rente bei Unfall angeboten.

Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)
Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)

Die lebenslange Zahlung ist an sich überflüssig, aber bei Schülern und Studenten kann es durchaus sinnvoll sein. Schließlich hatte derjenige, der schon in jungen Jahren berufsunfähig wird, noch keine Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen. Da kann eine lebenslange Zahlung helfen.

Dieser Baustein ließe sich aber dahingehend optimieren, dass er mit Alter 35 wegfallen könnte. Denn bis dahin könnte der Versicherte eine Rente mit Beitragsbefreiung abschließen oder auf anderem Weg damit beginnen, Altersvorsorge zu betreiben. Dann würde der Schutz günstiger werden.

Allerdings: Es wird wohl nicht viele gesundheitliche Einschränkungen geben, die einen in jungen Jahren treffen können und derart lange andauern, ohne tödlich zu enden.

Bessere Einpassung in die Strategie

Auch bei Unfällen wissen wir, dass diese statistisch gesehen eher selten zur Berufsunfähigkeit führen. Bei jungen Menschen steigt die Wahrscheinlichkeit, zu verunfallen, aber im Verhältnis dadurch an, dass die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, geringer ist. Und die erhöhte Rente, wie es der zweite Baustein vorsieht, ist dann sinnvoll, weil man in jungen Jahren weniger Rücklagen hat, um finanzielle Einbußen auszugleichen.

Zwingend notwendig sind beide Bausteine nach wie vor nicht. Sie passen sich jetzt aber besser in die Strategie ein.

Kostenbeihilfe bei Reha

Interessanter ist für junge Menschen eine Kostenbeihilfe zu Rehabilitations-Maßnahmen in Höhe von 550 Euro. Sie kann während der Laufzeit bis zu drei Mal in Anspruch genommen werden. Kritiker mögen einwenden, dass 550 Euro nicht viel sind. Aber es ist besser als nichts.

Da die Generationen Y und Z der Definition nach weniger Interesse an materiellem Besitz haben und Zeit ein wichtiges Gut ist, ist die sogenannte Teilzeitklausel grundsätzlich interessant. Die LV 1871 berücksichtigt bei Teilzeitbeschäftigten, die unter 30 Wochenstunden arbeiten, bei der Prüfung des BU-Grades auch die Tätigkeiten im Rahmen der Versorgung der Kinder oder pflegebedürftiger Angehöriger.

Auch das ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings hilft es nicht dem kinderlosen Paar, das wegen einer gesunden Work-Life-Balance halbtags arbeitet.

Schüler niedriger und günstiger absichern

Die Definition der Berufsunfähigkeit bei Schülern ist nach wie vor eine der besten am Markt. Diese Zielgruppe kann jetzt auch bei Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung die bisher versicherte Rente verdoppeln. Dadurch ist es möglich, Schüler niedriger und dadurch günstiger abzusichern.

Ein Malus war bisher, dass ein Schüler der Unterstufe eine höhere Prämie zahlt als ein Oberstufler. Jetzt gilt bei der LV 1871 auch der Wechsel in die Oberstufe als Möglichkeit, die Berufseinstufung überprüfen zu lassen. Damit gibt es keinen Grund mehr, den Schüler wegen einer besseren Prämie erst in der Oberstufe oder als Student zu versichern.

Bei Studenten ist nun eindeutiger definiert, dass hier die Studierfähigkeit geprüft wird. Außerdem sind Studenten bis zu 2.000 Euro versicherbar und bei Abschluss des Studiums kann die Arbeitsunfähigkeits-Klausel ohne erneute Gesundheitsprüfung eingeschlossen werden.

Verkürzung des Abfragezeitraums bei Beschwerden

Eine weitere Neuerung ist die Verkürzung des Abfragezeitraums bei Beschwerden. Der Versicherte muss nur noch Beschwerden aus den letzten drei Monaten angeben, wenn er nicht aufgrund dieses Unwohlseins beim Arzt war.

Das ist durchaus in Ordnung. Leiden, wegen derer man nicht beim Arzt war, sind eh schwierig nachzuweisen. Es dürfte auch nicht zum Versicherungsbetrug animieren, etwa indem man einfach den Vertrag abschließt, bevor man zum Arzt geht. Denn wenn jemand Beschwerden hat, muss er die bei der Antragstellung auch angeben.

Mehr Gewicht auf die Zielgruppe der jungen Leute

Unterm Strich legt die LV 1871 nochmals mehr Gewicht auf die Zielgruppe der Schüler und Studenten, indem sie in den Allgemeinen Versicherungs-Bedingungen selbst, bis auf die Erhöhungsoption, eher kosmetisch unterwegs ist. Zugleich schafft der Versicherer jedoch bei den Annahmerichtlinien mehr Möglichkeiten, Schüler und Studenten flexibler und/oder höher abzusichern.

Der 16-jährige Schüler der gymnasialen Oberstufe zahlt für eine Rente in Höhe von 1.000 Euro bis zum Endalter 67 und einem Prozent Leistungsdynamik 42,33 Euro (Brutto 64,14 Euro).

Der 21-jährige Student zahlt 38,61 Euro (Brutto 58,50 Euro).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für das Maklerunternehmen Worksurance tätig.

 
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