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Mehr Beschwerden über steigende PKV-Beiträge

23.1.2026 – Immer mehr Kunden der privaten Krankenversicherer wenden sich an die Verbraucherzentrale, um sich zu ihren Beiträgen beraten zu lassen. Dabei zeigen sich vermehrt Fälle mit drastischen Prämienerhöhungen um das Doppelte des Vorjahresbetrags. Insbesondere bei älteren Versicherten beobachten die Verbraucherschützer in diesen Wochen Beitragssprünge, die sie teilweise als „existenzielle Belastung“ erleben.

Die Verbraucherzentrale Hamburg e.V. (VZHH) verzeichnet derzeit einen Ansturm von Kunden der Privaten Krankenversicherung (PKV). „Wir haben in diesem Jahr mit einer dreistelligen Zahl an Einzelfällen auffällig mehr Beschwerden über PKV-Beitragsanpassungen als sonst erhalten“, berichtet Anke Puzicha von der VZHH.

Laut dem Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) sind etwa sechs von zehn Privatversicherten von Beitragssteigerungen betroffen, die im Durchschnitt bei rund 13 Prozent liegen. Doch bereits im Vorjahr hatten sich rund zwei Drittel aller Tarife um einen zweistelligen Prozentanteil verteuert (VersicherungsJournal 26.9.2025).

In der Beratungspraxis zeigen sich teilweise Fälle mit drastischen Prämienerhöhungen. „In den vergangenen Tagen haben wir mehrfach Versicherte beraten, deren PKV-Beiträge um mehr als 50 Prozent gestiegen sind“, sagt die Verbraucherschützerin. „Die Betroffenen müssen dann plötzlich einen dreistelligen Betrag zusätzlich im Monat für ihren Krankenversicherungsschutz aufbringen.“

PKV-Prämie erhöht sich um bis zu 119 Prozent

In einem besonders gravierenden Fall habe sich die PKV-Prämie sogar um 119 Prozent erhöht, so Puzicha weiter. „Der Rentner muss statt 316,35 Euro seit Januar 692,31 Euro monatlich zahlen.“ Bei einem weiteren Kunden der Signal Iduna Krankenversicherung a.G. ging es um 103 Prozent nach oben, was allerdings keine allgemeinen Aussagen über diesen Anbieter zulässt.

Auffällig ist laut der Beraterin, dass sich die Erhöhungen nicht nur auf langjährig bestehende Tarife beschränken. „Mehrere Ratsuchende haben uns berichtet, dass sie selbst nach einem kürzlich erfolgten Wechsel in einen günstigeren Tarif ihres Versicherers nun erneut mit deutlich höheren Prämien konfrontiert sind.“

Das Problem: „Steigen die monatlichen Prämien für den Versicherungsschutz um mehrere hundert Euro, müssen Ausgaben an anderer Stelle reduziert oder Rücklagen angegriffen werden“, erklärt Puzicha. „Vor allem ältere Versicherte oder Menschen mit begrenztem Einkommen erleben diese Beitragssprünge als existenzielle Belastung.“

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Tarifwechsel schützt nicht vor weiteren Erhöhungen

Auch bei der VZHH melden sich dieser Tage insbesondere über 55-Jährige, für die sich Schlupflöcher in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) immer weiter schließen. Um keine Alterungsrückstellungen zu verlieren, ist für sie laut Puzicha ein Wechsel des PKV-Anbieters selten ratsam. Auch von einer höheren Selbstbeteiligung rät sie in der Regel ab.

Ebenso sei der Basistarif selten eine gute Lösung, da für ihn immer noch der GKV-Höchstbeitrag fällig werden kann. „Besser ist es, die Leistungen des bestehenden Tarifs durchzugehen und beispielsweise die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer abzuwählen“, empfiehlt die Verbraucherschützerin.

„Auf lange Sicht kann man den steigenden PKV-Beiträgen nicht entkommen“, warnt Puzicha vor dem Irrglauben, den Beitrag per Tarifwechsel innerhalb der eigenen Versicherung senken zu können. Die Beratungsfälle der Verbraucherzentrale zeigten, dass dies keine dauerhafte Garantie für stabile Beiträge ist.

Ehemalige Selbstständige und Freiberufler betroffen

„Viele Betroffene sind ehemalige Selbstständige und Freiberufler, denen es unserer Ansicht nach zu leicht gemacht wird, in die PKV zu gehen“, sagt Puzicha. „Sinnvoll wäre eine Art Konfliktberatung vor dem Vertragsabschluss, weil er eine weitreichende Entscheidung fürs weitere Leben darstellt.“

„Für einen per Abschlussprovision motivierten Versicherungsvermittler steht bei der Aufklärung hierüber leider ein Interessenkonflikt“, kritisiert Puzicha auf Anfrage des VersicherungsJournals. „Vielen Verbrauchern müssen wir erst erklären, wie sich ihr PKV-Beitrag zusammensetzt und dass für sie die Beitragshöhen nicht gedeckelt sind.“

Allerdings seien auch die Versicherer gefordert. „Sie müssen ihre Prämien nachhaltiger kalkulieren und für jüngere Versicherte teurer machen. Die gesetzlichen Alterungsrückstellungen in Höhe von zehn Prozent sind einfach nicht hinreichend.“

 
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