Kunstmarkt: schwierige Versicherungs-Verhältnisse

23.4.2018 – Der Spezial-Versicherungsmakler Zilkens Fine Art hat im Rahmen des Kunstversicherungs-Gesprächs 2018 die „Raubkunst“-Problematik aufgegriffen. Für die hierfür als Absicherung angebotene „Title Insurance“ wurde eine zunehmende Nachfrage festgestellt. Für die klassische Kunst-Deckung werden aufgrund eines derzeit weichen Marktes Chancen für Vermittler gesehen.

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Auf dem Kunstmarkt herrscht eine große Unsicherheit, in welchem Umfang für künstlerische Werke ein Herkunftsnachweis erbracht werden muss. Dies ist ein Fazit des 7. Kölner Kunstversicherungs-Gesprächs 2018, das von der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH im Rahmen des Kunstmarktes Art Cologne ausgerichtet wurde.

Augenfällig wurden die Probleme vor allem in Folge der sogenannten Gurlitt-Affäre. Bei dem mittlerweile verstorbenen Münchener Kunsthändler Cornelius Gurlitt waren im Rahmen eines Ermittlungsverfahren 2012 über 1.500 Kunstwerke gefunden worden. Bei vielen ist die Herkunft nicht eindeutig geklärt. „Sicher ist mittlerweile, dass mindestens fünf Gemälde als Raubkunst gelten“, sagte der Dokumentarfilmer Kunstexperte und Buchautor Maurice Philip Remy.

Unter Raubkunst versteht man die Aneignung von Kunstgegenständen während des Nazi-Regimes unter Ausnutzung der existenziellen Notlage von Juden. Laut Remy wurden anfangs bei Gurlitt noch viel mehr illegal erworbene Werke aus dem Erbe seines Vaters Hildebrand vermutet. Der Vater hatte als Kunsthändler auch für das NS-Regime gearbeitet.

Unsicherheit über den Umgang mit Werken

Die Affäre hat den Kunstmarkt extrem verunsichert. Daher diskutierten jetzt Experten unter der Überschrift „Gurlitt, Stern, Flechtheim – wer versichert mir Geschichte?“, wie man korrekt mit schwierigen Werken umgeht.

Alfred Flechtheim und Max Stern waren Düsseldorfer Kunsthändler, die vom Naziregime verfolgt wurden. Ein Teil ihres künstlerischen Eigentums soll sich noch immer zu Unrecht in fremden Sammlungen befinden.

Nach Ansicht des Kunstexperten Remy hat die deutsche Regierung es bis heute versäumt, klare Regeln aufzustellen, wenn der Verdacht besteht, dass Kunstbesitz nicht auf freiwilliger Basis zustande gekommen ist.

Spezieller Schutz bei Herkunftsproblemen

Julia Barbara Ries (Bild: Schmidt-Kasparek)
Julia Barbara Ries (Bild: Schmidt-Kasparek)

Das führe dazu, dass Kunstwerke, deren Herkunft nicht zu 100 Prozent belegt werden kann, nun noch schwieriger gehandelt werden können. Durch solche Unsicherheiten ist die Nachfrage nach „Title Insurance“ deutlich gestiegen, wie Experten aus dem Publikum bestätigen. Dabei geht es darum, Kunstsammlern bei schwierigen Werken Schutz vor einer möglichen Rückabwicklung des Kaufes zu geben.

Die Versicherung bietet dafür Rechtsschutz und eine Entschädigungsleistung in Höhe des Kaufpreises an, wenn das Werk tatsächlich an einen rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden muss. „Solche Absicherungen sind bisher aber kein Bestandteil der regulären Kunstversicherung“, betonte Julia Barbara Ries, Leiterin der Kunstversicherung bei der Ergo Versicherung AG.

Versicherer hätten die Aufgabe und Pflicht, vor dem Abschluss einer Versicherung die Herkunft zu prüfen. Dafür würden Datenbanken wie das Art-Loss-Register (ALR) herangezogen. „Wir haben ein natürliches Interesse daran, die Herkunft von Kunstwerken aufzuklären, um einen Schaden zu vermeiden“, so Ries.

Aktuell ist im Kunstversicherungsmarkt fast alles möglich.

Julia Barbara Ries, Ergo Versicherung AG

Extrem weicher Markt

Trotzdem seien Assekuranzen keine Herkunftsforscher. Könnten Unklarheiten nicht aufgedeckt werden, müssten Sachverständige übernehmen. „Aktuell ist im Kunstversicherungsmarkt fast alles möglich“, betonte Ries.

Grund: Der Markt sei extrem weich, weil es große Kapazitäten von Rückversicherern gebe. Daher seien nicht nur die Prämien unter Druck, auch die Versicherungs-Bedingungen würden stark aufgeweicht.

So könnten beispielsweise Beschlagnahmen als hoheitliche Eingriffe des Staates eigentlich nicht versichert werden, doch es gäbe Ausnahmen. Allein die Echtheit eines Werkes sei auch in der derzeitigen Marktsituation unversicherbar.

Einige Sammler versichern auch große Werte nicht

Stephan Zilkens (Bild: Schmidt-Kasparek)
Stephan Zilkens (Bild: Schmidt-Kasparek)

Nach Einschätzung von Dr. Stephan Zilkens, Gründer und Geschäftsführer des auf Kunstversicherungen spezialisierten Versicherungsmaklers, können derzeit Privatsammlungen sehr günstig versichert werden.

So wäre für Sammlungen beispielsweise im Wert von zehn Millionen Euro schon für eine Jahresprämie von 13.000 bis 15.000 Euro Deckungsschutz möglich.

Das Problem: Einige Sammler versichern tatsächlich sogar sehr wertvolle Kunstgegenstände überhaupt nicht. „Das ist ihre Philosophie. In ihren Augen ist der Kunstgegenstand mit Geld nicht aufzuwiegen“, erläutert Zilkens.

Chance für Vermittler

Gleichzeitig glaubt er, dass viele neue Sammler bei kleineren Händlern Kunst erwerben, ohne dass die Versicherungsfrage überhaupt thematisiert wurde. Daher könnte hier die Stunde für klassische Versicherungsvermittler schlagen.

Sie sollten ihre Kunden auf die Möglichkeit einer Allgefahrendeckung ohne spezielle Limits aufmerksam machen. Dafür müssten Vermittler aber sehr aufmerksam sein, denn heute werden sie immer weniger aufs „heimische Sofa“ gebeten, über dem das eben erworbene Gemälde hängt.

Versicherten Sammlern rät Zilkens, jetzt den Schutz zu überprüfen. In einem weichen Markt könnte sich das lohnen. Natürlich wäre professionelle Beratung unerlässlich. So beschäftigt der Versicherungsmakler Zilkens fünf Kunsthistoriker. Damit dürfte der Versicherungsmakler über eine breite Expertise verfügen und sogar Assekuranzen ebenbürtig sein.

Nur drei Versicherungs-Gesellschaften seien nämlich stärker aufgestellt. So beschäftige die Allianz Deutschland AG 24 Kunsthistoriker, die Axa Art Versicherung AG 16 und die Mannheimer Versicherung AG zehn solcher Kunstexperten. Andere Versicherer wären deutlich schlechter aufgestellt oder müssten auf externe Sachverständige zurückgreifen.

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