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Krankenkasse hält Kunsthaarperücke für ausreichend

27.7.2020 – Eine unter krankheitsbedingtem totalem Haarverlust leidende Frau hat einen Anspruch darauf, dass ihre gesetzliche Krankenversicherung die Anschaffungskosten für eine Echthaarperücke übernimmt. Das hat das Sozialgericht Mannheim mit Urteil vom 14. Mai 2020 entschieden (S 7 KR 1830/18).

Nachdem die Klägerin an Brustkrebs erkrankt war, musste sie sich unter anderem einer Chemotherapie unterziehen. Das führte zu einem vorübergehenden vollständigen Haarausfall.

Unter Vorlage einer ärztlichen Verordnung sowie eines Kostenvoranschlages bat die Frau ihren gesetzlichen Krankenversicherer daher darum, die Kosten in Höhe von 1.200 Euro für die Anschaffung einer Echthaarperücke zu übernehmen. Der lehnte den Antrag ab.

Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeits-Gebot?

Zur Begründung verwies der Versicherer auf ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Denn der war zu dem Schluss gekommen, dass eine Echthaarperücke das Maß des Notwendigen übersteige.

Der Versicherten würde daher nur eine Übernahme der Kosten für die Anschaffung einer Kunsthaarperücke zustehen. Dafür müssten knapp 400 Euro aufgewendet werden.

Mit dieser Entscheidung war die Erkrankte nicht einverstanden. Sie beschaffte sich daher eine Echthaarperücke und zog gegen ihre Krankenkasse vor Gericht. Mit Erfolg. Das Mannheimer Sozialgericht gab ihrer Klage auf Übernahme der Kosten für die Anschaffung der von ihr erworbenen Perücke statt.

Nach Ansicht der Richter hat die Klägerin mit der Anschaffung der Echthaarperücke nicht gegen das Wirtschaftlichkeits-Gebot gemäß § 12 SGB V verstoßen. Denn das Hilfsmittel sei zum Ausgleich des Totalverlustes ihrer Haare erforderlich gewesen.

Haarverlust als Behinderung

Der Versicherer könne sich auch nicht darauf berufen, dass es sich bei einer Perücke um einen allgemeinen Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens handele. Denn insbesondere bei Frauen stelle ein totaler Haarverlust eine Behinderung dar, welche durch den Krankenversicherer auszugleichen sei.

Der Haarverlust führe zwar nicht zur Störung einer motorischen oder geistigen Funktion. Er erschwere es der Patientin jedoch, sich frei und unbefangen unter Mitmenschen zu bewegen. Eine kahlköpfige Frau ziehe nämlich naturgemäß ständig alle Blicke auf sich mit der Folge, dass sie zum Objekt der Neugier werde.

Das aber habe in der Regel zur Folge, dass sich die Betroffene aus dem Leben in der Gemeinschaft zurückziehe und eine Vereinsamung drohe.

Von der Qualität einer Echthaarperücke

Die Klägerin könne auch nicht auf die Versorgung mit einer Kunsthaarperücke verwiesen werden. Denn nur Echthaarperücken würden eine Qualität aufweisen, welche den Verlust des natürlichen Haupthaares für unbefangene Beobachter nicht sogleich erkennen lasse. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen war in einem vergleichbaren Fall im März 2019 zu einer gleichen Einschätzung wie das Mannheimer Sozialgericht gelangt (VersicherungsJournal 21.5.2019).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beitragsrückerstattung · Gesetzliche Krankenversicherung
 
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