Kraftfahrt-Haftpflicht: Teure Portalkunden

13.2.2019 – Der Zyklus scheint gestoppt. Nach einigen guten Jahren rutscht die Autoversicherung weiterhin nicht ins Minus. Der Grund: Niemand kann sich Verluste leisten. Marco Morawetz von der General Reinsurance AG und Andreas Kelb von der E+S Rückversicherung AG legten auf einer Fachkonferenz ihre Zahlen für 2018 und 2019 vor.

WERBUNG

Autofahrer, die sich über Vergleichsportale in der Kraftfahrt-Haftpflicht versichern, haben in den ersten drei Versicherungsjahren eine um rund zehn Prozentpunkte höhere Schadenquote als Kunden, die über andere Vertriebskanäle kommen. Nicht schlechte Fahrkünste, sondern günstige Prämien sind die Ursache für diesen Unterschied.

Marco Morawetz (Bild: Lier)
Marco Morawetz (Bild: Lier)

Preisbewusst

Nach vier Jahren gleichen sich die Schadenquoten an, weil dann auch die Prämie für die Portalkunden durch mehrere Beitragsanpassungs-Runden angehoben worden ist.

„Doch dann hat man als Versicherer nicht mehr so viel davon“, sagte Marco Morawetz, der das Consulting des Rückversicherers General Reinsurance AG leitet, am Dienstag auf der BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“.

Etwa zehn Prozent der Portalkunden blieben auch im vierten Jahr – deutlich weniger als bei den übrigen Kunden. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für Vollkasko. Auch hier liegen die Schadenquoten der Portalkunden über denen der anderen. Allerdings sinken die Schadenquoten beider Gruppen bis zum vierten Jahr deutlich.

Gefahr von Wettbewerb

Die Lage der Kraftfahrtversicherung bleibt weiterhin unbefriedigend, wenngleich auch nicht verlustreich, wie Morawetz und Andreas Kelb, Bereichsleiter Zentralbereich Deutschland bei der E+S Rückversicherung AG, zeigten.

Wegen einer so nicht erwarteten günstigen Entwicklung bei den Schadenfrequenzen dürfte 2018 mit einer Combined Ratio von 97 Prozent (auf das Anfalljahresergebnis) besser als vielfach noch im Herbst erwartet abgeschlossen haben.

„Das Damoklesschwert hängt aber weiter über den Autoversicherern“, sagte Morawetz. Dass sich die größte SHUK-Sparte nicht wieder im Abschwung des Sinuskurvenzyklus befindet, schreibt er im Wesentlichen der Niedrigzinsphase zu.

„Rote Zahlen kann sich niemand leisten. Daher kommt die ökonomische Disziplin, sich oberhalb der Null-Line zu halten.“ Gleichwohl schließt er nicht aus, dass die Preisdisziplin aufgeweicht wird: „Das liegt in den Händen der Protagonisten.“

In Teilkasko tendenziell billiger

Erste Zahlen zum Neu- und Ersatzgeschäft (von 43 Versicherern mit 55 Prozent Marktanteil) zeigten, dass die Tarife für Januar 2019 um 1,3 Prozent gesunken seien. Vor allem günstige Tarife seien verbilligt worden. „Einige sind sehr sportlich unterwegs“, so Morawetz. Es sei zwar vereinzelt auch teurer geworden, insgesamt sei für 2019 aber nicht mit einem Anstieg der Durchschnittsprämie zu rechnen.

Andreas Kelb (Bild: Lier)
Andreas Kelb (Bild: Lier)

In der Teilkasko werde es tendenziell sogar billiger. Zusammen mit einem höheren Schadenbedarf (plus zwei Prozent in Kraftfahrt-Haftpflicht und plus 3,5 Prozent in Vollkasko) dürfte dies dazu führen, dass die Combined Ratio 2019 bei voraussichtlich 99 Prozent liegt.

Noch weniger Gewinn

Ähnliche Erwartungen äußerte Andreas Kelb. Er rechnet damit, dass das Kalenderjahrergebnis 2018 rund 2,1 Prozent der Beiträge ausmachen wird – absolut also etwa 0,6 Milliarden Euro. Für 2019 geht er bei einer unveränderten Schadenfrequenz von steigenden Schadendurchschnitten in Kraftfahrt-Haftpflicht von zwei Prozent und in Kasko von drei Prozent aus.

Die Beitragsanpassungen reichten bisher nicht aus, so Kelb. Auch er berichtet davon, dass nach den bisherigen Daten, das Jahreswechselgeschäft teilweise mit Preissenkungen einherging. Treiber der Schadenentwicklung sind unverändert steigende Reparatur- und Ersatzteilkosten sowie Personenschäden, die immer häufiger auch an das Limit von 15 Millionen Euro heranreichten.

 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

WERBUNG
Kurzumfrage – Ihre Meinung ist gefragt!

WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Alles reine Spekulation?

Fondsgebundene Versicherungen sind meist erklärungsbedürftig.

Wie Sie Ihren Kunden die Produkte näherbringen und erfolgreich Verkaufsgespräche führen, erklärt Ihnen ein ausgewiesener Fondsexperte.

Für mehr Informationen klicken Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
8.2.2018 – Die Kosten für Schäden aus Naturkatastrophen zeigen sich nun in den Ergebnissen 2017. Talanx und Münchener Rück verdienen deutlich weniger, was die Aktionäre aber nicht belasten soll. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
4.12.2015 – Mit Blick auf die wachsende Konkurrenz der Fintechs und der Herausforderungen durch die Digitalisierung stellt Vorstandschef Dr. Thomas Buberl das Geschäftsmodell auf den Prüfstand. mehr ...
 
11.5.2011 – Die HUK-Coburg ist 2010 erneut deutlich gewachsen und hat im Kfz-Geschäft in Deutschland die Allianz überholt. Jetzt will sie dafür sorgen, dass ihr Vertriebmodell auch in Zukunft erfolgreich bleibt. mehr ...
 
5.4.2011 – Mit dem Ergebnis 2010 wurde das Niveau vor der Finanzkrise erreicht. Für 2011 scheinen die Ziele wenig ambitioniert. Vor der Presse berichtete Vorstandschef Dietmar Meister auch über Strategien. mehr ...
 
16.6.2010 – Die Autosparte war 2009 versicherungstechnisch tief rot. Warum der Verein dennoch mit den Wettbewerbern mithalten wird, und warum diese nur optisch besser sind, wurde der Presse erläutert. mehr ...
 
16.4.2010 – Die VHV Vereinigte Hannoversche Versicherung ist im Geschäftsjahr 2009 erneut stark gewachsen. Doch nicht alle Geschäftsbereiche trugen gleichermaßen zu dieser Entwicklung bei. mehr ...
 
20.3.2018 – Im Versicherungszweig Kraftfahrt hat es zwischen 2014 und 2016 zum Teil immense Marktanteils-Verschiebungen gegeben. Wer die größten Einbußen zu verzeichnen hatte und wer am stärksten zulegen konnte. (Bild: Wichert) mehr ...
 
13.3.2018 – Zum Teil immense Marktanteils-Verschiebungen hat es zwischen 2014 und 2016 im Versicherungszweig Rechtsschutz gegeben. Wer die größten Einbußen zu verzeichnen hatte und wer am stärksten zulegen konnte. (Bild: Wichert) mehr ...
WERBUNG