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Im Schnitt weniger als 840 Euro Erwerbsminderungsrente

22.9.2020 – Ende letzten Jahres haben über 1,8 Millionen Bürger eine Erwerbsminderung eralten. Ihre Rentenhöhe kann den anfallenden Einkommensausfall bei Weitem nicht ausgleichen. Das zeigen nur die Berechnungsform der Rentenhöhe wie auch eine aktuelle Statistik. (Bild: Pixabay CC0)

Ende letzten Jahres erhielten laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) fast 1,82 Millionen Personen eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Für eine solche Rente müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Zu den versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen gehört bis auf wenige Ausnahmen, dass man vor Eintritt wenigstens fünf Jahre (Wartezeit) in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert war und das Rentenalter noch nicht erreicht hat.

Des Weiteren muss man davon für mindestens drei Jahre Pflichtversicherungs-Beiträge entrichtet haben. Zudem muss aufgrund körperlicher oder psychischer Leiden eine dauerhafte Erwerbsminderung im bestimmten Umfang vorliegen.

Volle und teilweise Erwerbsminderungsrente

Eine volle Erwerbsminderungsrente bekommt nur, wer wegen gesundheitlicher Einschränkungen weniger als drei Stunden am Tag erwerbstätig sein kann. Wer aufgrund eines Leidens zwischen drei und unter sechs Stunden arbeiten kann, erhält eine teilweise Erwerbsminderungsrente.

Ist eine Tätigkeit mit mindestens sechs Stunden am Tag möglich – dies muss nicht der erlernte oder bisher ausgeübte Beruf sein –, hat man keinen Rentenanspruch.

94 Prozent haben eine volle Erwerbsminderungsrente

Die durchschnittliche Rentenhöhe je Bezieher betrug Ende 2019 knapp 835 Euro. Anteilig die meisten Empfänger einer solchen Rente, nämlich über 94 Prozent beziehungsweise 1,72 Millionen Personen, erhielten eine volle Erwerbsminderungsrente.

Deren Höhe belief sich im Schnitt auf 851 Euro. Etwas mehr als 91.800 Personen erhielten zudem eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung mit einer Durchschnittshöhe von 550 Euro.

Bei der Berechnung gilt, dass die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung halb so hoch ist wie die volle Erwerbsminderungsrente. Die Höhe berechnet sich nach der Altersrentenhöhe, auf die man in einem gesetzlich festgelegten Alter Anspruch hätte, wenn der Verdienst weiterhin so geblieben wäre, wie vor Eintritt der Einschränkung – abzüglich eines Rentenabschlags.

Die Zeit zwischen dem Eintritt der Erwerbsminderung und dem gesetzlich festgelegten Alter bezeichnet man als Zurechnungszeit.

Trotz geänderter Zurechnungszeiten …

Bis 1. Juli 2014 wurden für die Berechnung der Erwerbsminderungsrente die Rentenansprüche so hochgerechnet, als wenn der Betroffene noch bis zum vollendeten 60. Lebensjahr mit seinem bisherigen durchschnittlichen Einkommen gearbeitet hätte. Ab dem 1. Juli 2014 wurde diese Zurechnungszeit um zwei Jahre auf das 62. Lebensjahr und zum 1. Januar 2018 auf 62 Jahre und drei Monate verlängert.

Am 1. Januar 2019 wurde die Zurechnungszeit noch mal angehoben, und zwar auf 65 Jahre und acht Monate. Seit 2020 wird die Zurechnungszeit schrittweise in Anlehnung an die Anhebung der Regelaltersgrenze bis zum Jahr 2031 auf 67 Jahre erhöht.

Die Änderungen ab 2019 gelten in der Regel nur für alle, die nach dem Änderungszeitpunkt erstmalig eine solche Erwerbsminderungsrente zugesprochen bekamen. Das heißt, bei allen, die 2019 zum ersten Mal die Leistung erhielten, betrug die Zurechnungszeit bis zum 65. Lebensjahr und acht Monate.

Wer 2020 erstmalig eine Erwerbsminderungsrente erhält, hat eine Zurechnungszeit bis zum 65. Lebensjahr und neun Monate. Alle, die 2031 erstmalig eine solche Rente bekommen werden, haben eine Zurechnungszeit bis zum 67. Lebensjahr.

… kommt es zu hohen Einkommenslücken

Ohne diese Zurechnungszeit würde Betroffenen, die bereits in jungen Jahren erwerbsgemindert werden, aufgrund der wenigen rentenrechtlichen Zeiten, die sie bis dahin erreicht haben, nur eine sehr kleine Rente zustehen. Doch trotz der Erhöhung der Zurechnungszeit ist die EMI für Jüngere künftig nicht so hoch wie die abschlagsfreie Altersrente, die sie bekommen würden, wenn sie ohne eine Erwerbsminderung das Rentenalter für eine abschlagsfreie Rente erreicht hätten.

Denn bei der Erwerbsminderungsrente werden Abschläge in Höhe von 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor dem sogenannten Referenzalter erwerbsgemindert wird, abgezogen. Der Rentenabschlag ist jedoch auf maximal 10,8 Prozent begrenzt.

Das gesetzlich festgelegte Referenzalter wird seit 2012 bis 2024 stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Aktuell beträgt das Referenzalter 64 Jahre und vier Monate und steigert sich dann jedes Jahr um zwei zusätzliche Monate, bis 2024 das Referenzalter von 65 Jahren erreicht ist.

Einige Personengruppen erhalten keine Erwerbsminderungsrente

Detaillierte Informationen zum Anspruch und zur Berechnung enthält die vor Kurzem aktualisierte und kostenlos herunterladbare DRV-Broschüre „Erwerbsminderungsrente: Das Netz für alle Fälle“.

Übrigens, das durchschnittliche Bruttoeinkommen eines rentenversicherten Arbeitnehmers lag laut DRV letztes Jahr bei monatlich rund 3.240 Euro. Im Vergleich zur durchschnittlichen Rentenhöhen für eine volle oder teilweise Erwerbsminderung, zeigt sich, dass die Einkommenslücken erheblich sind.

Einige Personengruppen wie Selbstständige, Hausfrauen und -männer sowie Kinder haben, bis auf wenige Ausnahmen, in der Regel keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente, weil sie die versicherungs-rechtlichen Vorgaben nicht erfüllen. Auch eine gesetzliche Berufsunfähigkeits-Rente gibt es für alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, nicht mehr.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Berufsunfähigkeit · Erwerbsminderung · Gesundheitsreform · Pflichtversicherung · Rente
 
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