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Hinzuverdienstgrenze für Witwen und Witwer ist gestiegen

27.7.2020 – Bezieher einer gesetzliche Witwen- oder Witwerrente können laut Gesetz nur bis zu einem bestimmten Freibetrag etwas hinzuverdienen, ohne dass es zu Rentenabzügen kommt. Diese Hinzuverdienstgrenze ist zum 1. Juli angehoben worden.

Zum 1. Juli hat sich der aktuelle Rentenwert nach den Vorschriften im Sechsten Sozialgesetzbuch um 3,45 Prozent auf 34,19 Euro in West- und um 4,20 Prozent auf 33,23 Euro in Ostdeutschland erhöht.

Da der Rentenwert zum einen ein wichtiger Faktor für die Berechnung der Höhe der gesetzlichen Rente ist, haben Rentenbezieher einer gesetzlichen Alters-, Erwerbsminderungs- oder auch Hinterbliebenenrente seit Juli 2020 eine entsprechend höhere Rente.

Hinterbliebene dürfen mehr hinzuverdienen

Zum anderen ist der Rentenwert die Grundlage für die Festlegung des Freibetrages (Hinzuverdienstgrenze), den Hinterbliebene zu ihrer gesetzlichen Witwen-, Witwer- oder Erziehungsrente hinzuverdienen dürfen, ohne dass es deswegen zu Rentenabzügen kommt.

Im Detail beträgt der Nettoverdienst, den ein Hinterbliebener zu seiner gesetzlichen Hinterbliebenenrente hinzuverdienen darf, ohne dass es zu Rentenabzügen kommt, gemäß § 97 SGB VI maximal das 26,4-Fache des aktuellen Rentenwertes.

Höherer Freibetrag für Witwen und Witwer

Konkret stieg damit der Hinzuverdienst-Freibetrag von Beziehern einer gesetzlichen Witwen- oder Witwerrente zum 1. Juli 2020 von bisher 872,52 Euro auf 902,62 Euro in den alten Bundesländern und von 841,90 Euro auf 877,27 Euro in den neuen Bundesländern.

Bei Witwen oder Witwern, die ein oder mehrere Kinder erziehen, welche eine gesetzliche Waisenrente erhalten, erhöht sich die Freigrenze je Kind zudem um das 5,6-Fache des aktuellen Rentenwertes. Das sind zusätzlich 191,46 Euro (bisher 185,08 Euro) in West- und 186,09 Euro (bisher 178,58 Euro) in Ostdeutschland je Kind.

Seit 2015 können übrigens Kinder, die Anspruch auf eine gesetzliche Waisenrente haben, unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass dies bei ihnen zu Rentenabzügen führt.

Einkunftsarten, die nicht zu Rentenabzügen führen

Inwieweit überhaupt die Witwen- oder Witwerrente aufgrund von Zusatzeinkünften gekürzt wird, hängt nicht nur von der Hinzuverdienstgrenze, sondern auch von der Art des Zusatzeinkommens ab (§ 18a SGB IV).

Keine Rentenabzüge gibt es unter anderem bei Einkünften aus einer staatlich geförderten Altersvorsorge wie einer Riester- oder Rürup-Rente.

Auch bedarfsorientierte Leistungen wie der Bezug von Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, Sozialhilfe, Wohngeld sowie Leistungen nach dem Bundesausbildungs-Förderungsgesetz (BAföG) bleiben unangetastet.

Allerdings kann hier die Hinterbliebenenrente zur Kürzung der genannten (Sozial-)Leistungen führen. Rentenabzugsfrei ist zudem ein Pflegegeld der gesetzlichen Pflegeversicherung, das eine Person für die Pflege eines Pflegebedürftigen erhält.

Diese Einkommen können die Witwen-/Witwerrente reduzieren

Insgesamt führen jedoch die meisten Einkunftsarten bei Überschreiten der Hinzuverdienstgrenze zu Rentenabzügen. Dazu zählen unter anderem das Arbeitseinkommen als Arbeitnehmer oder der Gewinn als Selbstständiger, gesetzliche Alters- und Erwerbsminderungsrenten, Mieteinnahmen sowie ausbezahlte Erträge von diversen Vermögensanlagen.

Laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) wurde die Zahl der zu berücksichtigenden Einkommen zum 1. Januar 2002 stark erhöht. „Unter anderem sind Krankengeld aus einer privaten Krankenversicherung, Betriebsrenten und Zusatzrenten aus öffentlichen Versicherungs- und Versorgungs-Einrichtungen als Einkommen anzurechnen.

Auch das sogenannte Vermögenseinkommen ist seit der Reform zu berücksichtigen. Unter Vermögenseinkommen versteht man zum Beispiel Einnahmen aus Kapitalvermögen, aus Vermietung und Verpachtung sowie aus privaten Veräußerungsgeschäften. Hierbei ist die steuerrechtliche Beurteilung ausschlaggebend“, so die DRV.

Für Altfälle gelten weiterhin Ausnahmen

„Ausnahmsweise können die alten Regelungen von vor 2002 zur Einkommensanrechnung heute noch angewendet werden. Das bedeutet, dass weniger Einkommensarten auf die Hinterbliebenenrente angerechnet werden.

Dies ist allerdings nur möglich, wenn der versicherte Ehepartner vor 2002 gestorben ist oder er zwar nach 2001 gestorben ist, aber ihre Ehe vor 2002 geschlossen und mindestens einer von ihnen vor dem 2. Januar 1962 geboren worden ist,“ wie der DRV weiter erklärt.

Die meisten Einkunftsarten können zu Rentenabzügen führen

Zur aktuellen Einkommensanrechnung wird zunächst vom zuständigen gesetzlichen Rentenversicherungs-Träger von den Bruttoeinkünften je nach Einkunftsart ein pauschaler Anteil abgezogen, um die maßgeblichen Nettoeinkünfte zu ermitteln.

Zur Ermittlung der anrechenbaren Nettoeinkünfte werden zum Beispiel vom Bruttoarbeitseinkommen 40 Prozent, von Bruttoeinnahmen aus Vermietungen nach Abzug der Werbungskosten 25 Prozent und von gesetzlichen Alters- oder Erwerbsminderungsrenten pauschal 14 Prozent abgezogen.

Sind die so ermittelten Nettoeinkünfte höher als die Hinzuverdienstgrenze, werden 40 Prozent des Differenzbetrages von der Rente abgezogen.

Beispielrechnung und Infobroschüre

Ein Berechnungsbeispiel: Eine in Westdeutschland wohnende kinderlose Witwe arbeitet in Vollzeit für ein Monatsbruttogehalt von 2.500 Euro. Ihr anrechenbarer Nettohinzuverdienst beträgt somit 2.500 Euro minus 40 Prozent, also 1.500 Euro.

Ihre Hinzuverdienstgrenze liegt seit Juli 2020 bei 902,62 Euro. Sie liegt damit 597,38 Euro über dieser Grenze. Von diesem Differenzbetrag werden ihr 40 Prozent und damit 238,95 Euro von ihrer gesetzlichen Witwenrente abgezogen.

Betroffene können sich bei der zuständigen Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung (DRV) informieren, inwieweit sie mit Rentenabzügen rechnen müssen. Einen Kurzüberblick zu den Regelungen bietet die kostenlos downloadbare Broschüre „Hinterbliebenenrente: So viel können Sie hinzuverdienen“ des DRV.

 
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