Günstigster Tarif über Vergleichsportale?

9.10.2018 – Eine aufwändige Studie stellt fest, dass Autofahrer besser fahren, wenn sie ihren Kfz-Versicherungsschutz über ein Vergleichsportal suchen. Hier sei die Wahrscheinlichkeit den günstigsten Tarif zu finden am größten. Untersucht wurden Check24, Verivox und die Online-Tarifrechner der Versicherer.

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Die Technische Hochschule Rosenheim hat ihre „Kfz-Tarifanalyse 2018“ vorgelegt. Darin werden die die Online-Tarifrechner von 77 Versicherungs-Unternehmen in einer repräsentativen Stichprobe 1.000 Personenprofile zur Kfz-Versicherung untersucht. Gleichzeitig wurden bei den „zwei größten Vergleichsportalen“, die Versicherungsmakler Check24 und Verivox, Daten erhoben.

Unter dem Strich analysierten die Wissenschaftler so 367.419 Tarife. Untersucht wurde jeweils, wo die Kunden die „höchste Wahrscheinlichkeit“ haben, den günstigsten Kfz-Versicherungstarif zu finden. Zudem wurde das Sparpotential am Markt ausgelotet. Dabei rechneten die Forscher aber nicht mit Spitzenprämien, sondern mit dem durchschnittlichen Marktpreis.

Erhoben wurden die Prämien sowohl für einen Neuabschluss bei Fahrzeugkauf als auch für einen Versicherungswechsel ohne Fahrzeugwechsel.

Check24 dominant

Bei der Wahrscheinlichkeit den günstigsten Tarif zu finden, liegt Check24 mit weitem Abstand in beiden Varianten deutlich an der Spitze. In rund 80 Prozent der Fälle konnte der Vermittler die günstigste Kfz-Versicherung bieten.

Danach folgen Verivox (53 Prozent) und Huk24 AG (11 Prozent). Abgeschlagen sind DEVK Allgemeine Versicherungs-AG, HDI Versicherung AG und Allianz Versicherungs-AG.

Scheinbar sind in den Vergleichsportalen – obwohl die meisten Versicherer hier vertreten sind – nicht immer die günstigsten Tarife zu finden, so die Wissenschaftler. Klar ist dies bei der Huk24, weil die Tochter des fränkischen Marktführers in keinem Vergleich mehr zu finden ist, dessen Anbieter sich über Provisionen finanziert (VersicherungsJournal 27.9.2017).

Durchschnittliche mögliche Ersparnis zum Marktpreis über 200 Euro

Laut der Studie beträgt die Ersparnis zum Marktpreis (634 Euro) bei Neuabschluss einer Kfz-Versicherung 243 Euro bei Check24, 236 Euro bei Verivox und 219 bei der Huk24. Der teuerste Anbieter verlangt durchschnittlich 863 Euro.

Kfz-Tarifanalyse 2018 (Bild: TH Rosenheim)

Untersucht wurden zudem drei typische Fahrerprofile: Der Fahrer unter 25 Jahre, Familien mit Kindern und Rentner. Am meisten kann der Fahrer unter 25 sparen. Auch hier würden die Vergleichsportale den größten Mehrwert schaffen, so die Wissenschaftler. Laut der Fachhochschule würden über die beiden untersuchten Vergleichsportale jährlich rund 1,3 Millionen Kfz-Versicherungen abgeschlossen.

Damit würden die Kunden, die Wahl des günstigsten Tarifs vorausgesetzt, pro Jahr 316 Millionen Euro an Versicherungsprämie sparen können. „Hätte jeder Kfz-Halter den günstigsten angebotenen Tarif über Vergleichsportale gewählt, ergäbe sich bei der Hochrechnung der Ergebnisse ein gesamtes Einsparpotential von circa 2,3 Milliarden Euro“, so die Prognose der Wissenschaftler.

Die relevanten Kfz-Versicherer können die Preise jeden Tag ändern.

Ivana Höltring, Nafi GmbH

Studie ist nicht mehr aktuell

Ganz aktuell ist die Studie nicht. Denn wie eine Stichprobe des Maklervergleichsportals Autoversicherung.nafi.de der Nafi GmbH zeigt, wurden die aktuellen Tarife des Huk-Coburg-Konzerns für einen Wechsel zum 1.1.2019 erst nach dem 5. Oktober freigeschaltet.

Während am 5. Oktober beispielsweise noch die Verti-Versicherung für ein Ehepaar mit 67 Jahren den günstigsten Tarif anbietet, haben am 8. Oktober gleich drei Tarife der Huk24 die Nase vorne. Solche neuen Tarife, die einen scharfen Wettbewerb zeigen, konnte die Technische Hochschule Rosenheim nicht berücksichtigen.

Nicht ausgeschlossen, dass auch die Wahrscheinlichkeiten den günstigsten Tarif zu finden, sich aktuell in Richtung Huk-Coburg-Konzern verschieben. Das Timelag von umfangreichen wissenschaftlichen Studien wird durch die schnelle Tarifmodifikation der Assekuranzen hervorgerufen.

Dazu stellt Ivana Höltring, Mathematikerin bei der Nafi GmbH fest: „Die relevanten Kfz-Versicherer können die Preise jeden Tag ändern.“ Somit ist auch das errechnete Sparpotential der TH Rosenheim auf jeden Fall hinsichtlich des Versicherungswechsels zum 1.1.2019 eine Vergangenheits-Betrachtung.

Nachträgliche Ergänzung 9. Oktober 2018:

Auf Nachfrage hat die Studienherausgeberin Professor Dr. Brigitte Kölzer mitgeteilt, dass die Datenbasis aus 2017 stammt.

Nachträgliche Ergänzung 14. Oktober 2018:

Die Datenbasis stammt – so Studienherausgeberin Professor Dr. Brigitte Kölzer – nun doch nicht aus 2017, sondern, wie in der Studie auf der letzten Seite in einer Fußnote angegeben, aus den Monaten Mai/Juni 2018. Beim ersten Hinweis auf die Jahreszahl habe man sich leider „vertippt“. 

Leserbriefe zum Artikel:

+Michaela Krause - Leistungen werden nicht berücksichtigt. mehr ...

Wilfried Hartmann - Den günstigsten Beitrag gibt es nur für Neukunden. mehr ...

+Hubert Gierhartz - Vorteile der Maklerberatung fallen unter den Tisch. mehr ...

Rainer Weckbacher - Diese Prognose ist wagemutig. mehr ...

Rolf Kischkat - Angebote der Portale und Versicherer vergleichen, lohnt sich. mehr ...

+Martin Wiedenmann - Dieser brutale Wettbewerb zahlt sich nicht aus. mehr ...

Thomas Oelmann - Wer wenig zahlt, kann alles verlieren. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Kfz-Versicherung · Provision · Senioren · Versicherungsmakler
 
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