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Elementarschaden-Deckung bei Starkregen ist lückenhaft

12.10.2018 – Das Anstauen von Wasser auf dem obersten Balkon eines Gebäudes infolge außergewöhnlichen Starkregens und dessen Eindringen in das Gebäude über die Balkontürschwelle stellt dann keinen Rückstau im Sinne der Bedingungen einer Gebäudeversicherung dar, wenn das Wasser infolge einer Überlastung des Balkon-Entwässerungssystems nicht über dieses abfließen kann. Das geht aus einem Beschluss des Kammergerichts Berlin vom 18. Mai 2018 hervor (6 U 162/17).

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Geklagt hatte ein Gebäudebesitzer, der Opfer eines Starkregens geworden war.

In die Gebäudeversicherung waren erweiterte Elementarschäden eingeschlossen. Versichert waren unter anderem Schäden durch Rückstau sowie die Überschwemmung des Versicherungs-Grundstücks und deren Folgen.

Überfordertes Entwässerungssystem

Bei einem Starkregen Mitte Juli 2016 hatte sich Wasser auf dem obersten Balkon des versicherten Gebäudes gestaut. Weil es das dortige Entwässerungs-System nach Angaben des Klägers nicht schaffte, die anfallenden Wassermassen schnell genug abzuleiten, drangen sie schließlich über die Balkontürschwelle in das Gebäude ein.

Den dadurch entstandenen Gebäudeschaden in Höhe von knapp 6.000 Euro machte der Kläger gegenüber seinem Versicherer geltend. Der bestritt, dass ein versichertes Elementarschaden-Ereignis vorliege. Er lehnte es daher ab, den Schaden zu regulieren.

Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Berliner Landgericht schloss sich der Argumentation des Versicherers an. Es wies die Klage als unbegründet zurück. Auch mit seiner hiergegen beim Kammergericht Berlin eingereichten Berufung hatte der Versicherte keinen Erfolg.

Ereignis war nicht versichert

Die Richter begründeten ihre ablehnende Entscheidung damit, dass „denknotwendigerweise“ nur dann Wasser aus einem Rohrsystem austreten könne, wenn es zuvor in dieses eingetreten sei. Davon könne nach dem Vortrag des Klägers nicht ausgegangen werden. Es habe sich daher um keinen versicherten Rückstauschaden gehandelt.

„Dieser setzt nämlich nicht nur einen (Rück-) Stau im allgemeinen Sinne voraus, sondern dass das Wasser aus dem Rohrsystem des versicherten Gebäudes, wozu hier das Balkonentwässerungs-System gehört, austritt“ – so das Kammergericht in der Begründung seiner Entscheidung.

Es sei nicht ersichtlich, in welcher Weise Wasser aus dem Rohrsystem des versicherten Gebäudes einschließlich des Balkon-Entwässerungssystems auf den Balkon herausgedrückt worden sein sollte. Das zu dem Schadenereignis führende Niederschlagswasser habe vielmehr nur nicht mehr in die Ableitung des Balkons eintreten können.

Stau ist kein Rückstau

Ein anderer Geschehensablauf ist nach Meinung der Richter auch physikalisch nicht möglich. „Denn wenn das Wasserableitungssystem auf Grund der angefallenen Wassermassen randvoll war, konnte das auf Grund anhaltenden Starkregens neu hinzukommende Niederschlagswasser nicht mehr in das Balkon-Entwässerungssystem hineingelangen.“

Ein derartiges Anstauen von Wasser stellte jedoch keinen Rückstau im Sinne der Versicherungs-Bedingungen dar.

Leserbriefe zum Artikel:

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Schlagwörter zu diesem Artikel
AVB · Elementarschaden · Gebäudeversicherung · Gewerbeordnung · Starkregen
 
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