Einkommensteuer: Sterbegeld nicht abzugsfähig

16.9.2021 – Das Finanzgericht Münster hat mit einem gestern veröffentlichten Urteil vom 19. August 2021 entschieden, dass Beerdigungskosten, die durch eine von einem Erblasser abgeschlossene Sterbegeldversicherung übernommen werden, nicht als Erbfallkosten von der Einkommensteuer abgezogen werden können. Das gilt zumindest dann, wenn der Anspruch auf die Versicherung von dem Erblasser zu Lebzeiten an ein Bestattungsinstitut abgetreten wurde (3 K 1551/20).

Der Kläger war Erbe seiner im Jahr 2019 verstorbenen Tante. Ein Teil der Beerdigungskosten in Höhe von 6.800 Euro wurde von einer Sterbegeldversicherung übernommen, die seine Verwandte abgeschlossen hatte. Diese hatte die Leistungen aus dem Vertrag an ein Bestattungsunternehmen abgetreten.

Erbfallkosten von rund 15.000 Euro geltend gemacht

Im Rahmen der Erbschaftssteuer-Veranlagung bezog das für den Neffen zuständige Finanzamt die Zahlung der Sterbegeldversicherung in das steuerpflichtige Erbe ein. Zu seinen Gunsten berücksichtigte es jedoch einen Pauschalbetrag in Höhe von 10.300 Euro gemäß § 10 Absatz 5 Nummer 3 Satz 2 ErbStG.

Der Kläger machte in seiner Einkommensteuer-Erklärung jedoch Erbfallkosten von rund 15.000 Euro geltend. Dabei bezog er den von der Versicherung übernommenen Anteil in seine Berechnung ein.

Nicht abzugsfähige Kosten

Zu Unrecht, entschied das schließlich mit dem Fall befasste Finanzgericht Münster. Es wies die Klage, die der Erbe wegen des Steuerbescheids gegen das Finanzamt eingereicht hatte, zurück.

Das Gericht hegte zwar keine Zweifel bezüglich der Höhe der von dem Mann geltend gemachten Erbfallkosten. Von diesen sei jedoch der von dem Sterbegeldversicherer übernommene Anteil nicht abzugsfähig. Denn die Erbfallkostenpauschale von 10.300 Euro sei in der Gesamtbetrachtung nicht überschritten worden.

Kosten übersteigen nicht den Pauschalbetrag

Der für einen Erbfall gewährte Pauschalbetrag setze voraus, dass einem Erben dem Grunde nach berücksichtigungsfähige Kosten im Zusammenhang mit einer Bestattung entstanden sind.

Überstiegen diese den Pauschalbetrag, sei eine Berücksichtigung im Rahmen der Berechnung der Erbschaftssteuer zwar möglich. Wegen der Abtretung der Rechte aus der Sterbegeldversicherung an das Beerdigungsinstitut seien dem Kläger jedoch keine Kosten in entsprechender Höhe entstanden. Er könne sie folglich auch nicht dem Finanzamt gegenüber geltend machen.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls hat das Gericht eine Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.

Dass man bezüglich der steuerlichen Behandlung der Leistungen einer Sterbegeldversicherung geteilter Meinung sein kann, belegt auch ein kürzlich veröffentlichtes Urteil des Bundesfinanzhofs (VersicherungsJournal 31.8.2021).

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Einkommensteuer · Erbschaftssteuer
 
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